RAZim 07.12.2011, 21:12 Uhr 33 34

Kaminherbst

Dann sitzen wir nebeneinander und beobachten den Hund beim Schnarchen. Dein Bart ist zottelig und riecht nach Pfeife, das mag ich sehr.

Und der Wind rüttelt an den hölzernen Fensterläden. Und der Regen peitscht auf das Kopfsteinpflaster. Und Blitze zucken hinter dem alten Kastanienbaum am Ende des Hofes.

Das macht mir nichts aus, denn bei Dir bin ich sicher und Du gibst mir Geborgenheit. Ich bewundere die Abgeklärtheit in Deinen Augen, als Du aufstehst, um auf der Veranda dem Wetter zu trotzen, während Du die großen Blumenkübel in eine geschützte Ecke schiebst.

Kein Grund zur Sorge hier in der Stube, hier auf dem Sofa, mit Dir. Das Kaminfeuer wärmt, und regelmäßig legst Du ein oder zwei große Scheite nach, manchmal darf ich helfen, vorsichtig. Dann sitzen wir nebeneinander und beobachten den Hund beim Schnarchen. Dein Bart ist zottelig und riecht nach Pfeife, das mag ich sehr.

Deine Milch mit Honig ist die beste, besser als die von Mama. Warum Du denn keine Frau hast, will ich wissen. Da nimmst Du kurz die Pfeife aus dem Mundwinkel und schaust mich mit Deinem typischen Zwinkern in den Augen an. Natürlich hättest Du eine Frau gehabt, aber das wäre eine lange Geschichte und schließlich ist jetzt Abendbrotzeit. Und es gibt belegte Brote, Gurken, Silberzwiebeln und Fleischsalat.

Zurück auf dem Sofa schaltest Du den Fernseher nach der Tagesschau wieder aus. Den ganzen Mist bräuchte doch kein Mensch, eine Partie MauMau wäre doch viel interessanter. Ich wundere mich, wie ein so großer, kluger Bär wie Du so schlecht spielen kann.

Müde wie ich bin, trägst Du mich nach oben ins Bett. Morgen wollen wir einen Kaninchenstall bauen und die Wiese hinter der Scheune mähen. Mit einer Sense! Ich freue mich.

Gute Nacht Opa.

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33 Antworten

Kommentare

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    Wunderschön.

    13.02.2012, 00:33 von M_ichii
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  • 0

    Ein wunderschöner, aussagekräftiger Text.


    Er stimmt mich auf eine ganz bestimmte Art und Weise traurig und froh zugleich, dass ich solche Situationen wie diese hier auch noch erleben durfte. Ich lese ihn immer wieder gern. :)

    08.01.2012, 01:29 von Oktoberstern4
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    Like*.*


    Es ist wunderbar zu wissen, dass ich meinen Großvater noch habe um genau noch das zu genießen, was du beschreibst,.

    29.12.2011, 13:34 von petitcochon
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  • 0

    Der Text berührt mich... :)

    12.12.2011, 17:08 von Cenere
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  • 1

    Was bei Frau Kopfs "Mutti macht Mittag" an der Sprache kritisiert wurde, hätte an diesem Text aber seine Berechtigung gefunden.



    09.12.2011, 17:04 von MisterGambit
    • 0

      Weder hüben noch drüben finde ich diese Kritik berechtigt, in diesem Text halte ich sie dennoch für ein unerlässlicheres Stilmittel, um einfache, wesentliche Gedanken zu transportieren.

      Zurück auf dem Sofa schaltest Du den Fernseher nach der
      Tagesschau wieder aus. Den ganzen Mist bräuchte doch kein Mensch, eine Partie
      MauMau wäre doch viel interessanter. Ich wundere mich, wie ein so großer,
      kluger Bär wie Du so schlecht spielen kann.

      Ein tolles Beispiel für das gelungene Zusammenspiel von einfacher Sprache und wesentlicher Aussage, finde ich.

      09.12.2011, 18:23 von Varekes
    • 0

      ich finde den Stil grobschlächtig

      09.12.2011, 18:27 von MisterGambit
    • 0

      Ich nicht, dabei bin ich sehr anfällig für Grobschlächtigkeit. Viel schlimmer finde ich die Und-Trilogie des ersten Absatzes.

      09.12.2011, 18:38 von Varekes
    • 0

      Das finde ich wiederum legitim. Über sowas regt sich ja auch Moogle gerne auf. Ich sehe darin eher ein Mittel der Nachdrücklichkeit.

      09.12.2011, 18:39 von MisterGambit
    • 0

      Übertriebene Nachdrücklichkeit kehrt ihre Wirkung ins Gegenteil. Ich bin auch ein schlimmer Sprachästhet(iker), Anaphern mag ich nur wohldosiert.

      09.12.2011, 18:55 von Varekes
    • 0

      anaphern sind teufelswerk, das stimmt

      09.12.2011, 19:06 von MisterGambit
    • 2

      ou man... :( bei euch kriegt man erst recht keinen vernünftigen satz mehr raus. undercover agenten der literatur ihr. pfui :)

      09.12.2011, 19:30 von Faraduna
    • 0

      ich ermittel nicht undercover sonder ganz öffentlich

      09.12.2011, 19:34 von MisterGambit
    • 0

      man kann aber nie wissen bei welchem text du als nächstes ermittelst.

      09.12.2011, 19:35 von Faraduna
    • 1

      die meisten sachen lese ich entweder gar nicht erst oder habe nicht mal lust, etwas dazu zu sagen

      09.12.2011, 19:36 von MisterGambit
    • 0

      Kottan ermittelt?

      09.12.2011, 19:36 von RAZim
    • 0

      jaja... time is money und so

      09.12.2011, 19:37 von Faraduna
    • 0

      the sky is das limit - bernd stromberg

      09.12.2011, 19:42 von MisterGambit
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  • 0

    Opas sind was ganz besonderes!!! Danke für den schönen Text.

    09.12.2011, 16:20 von XtraElise
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  • 0

    so schoen.


    mein opa war auch so. solche menschen behaelt man immer ganz besonders behütet vorm schleier des vergessens im herzen. 
    wenn ich meine augen schließe und an ihn denke, seh ich ihn immer in seinem Sessel sitzen, mit der Zeitung in der Hand, sehe, wie er sich zu mir umdreht... ich weiß tausend kleine details, als waere er gestern erst gegangen, dabei ist er nun schon 10 jahre fort.

    08.12.2011, 19:50 von Insomnia291986
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Jetzt vermiss ich meinen Opa

    08.12.2011, 18:17 von Lirael
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  • 1

    Wunderschön zu lesen. Und immer hängt so ein bisschen Wehmut über deinen Texten.

    08.12.2011, 18:06 von Jackie_Grey
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