Kaminherbst
Dann sitzen wir nebeneinander und beobachten den Hund beim Schnarchen. Dein Bart ist zottelig und riecht nach Pfeife, das mag ich sehr.
Und der Wind rüttelt an den hölzernen Fensterläden. Und der Regen peitscht auf das Kopfsteinpflaster. Und Blitze zucken hinter dem alten Kastanienbaum am Ende des Hofes.
Das macht mir nichts aus, denn bei Dir bin ich sicher und Du gibst mir Geborgenheit. Ich bewundere die Abgeklärtheit in Deinen Augen, als Du aufstehst, um auf der Veranda dem Wetter zu trotzen, während Du die großen Blumenkübel in eine geschützte Ecke schiebst.
Kein Grund zur Sorge hier in der Stube, hier auf dem Sofa, mit Dir. Das Kaminfeuer wärmt, und regelmäßig legst Du ein oder zwei große Scheite nach, manchmal darf ich helfen, vorsichtig. Dann sitzen wir nebeneinander und beobachten den Hund beim Schnarchen. Dein Bart ist zottelig und riecht nach Pfeife, das mag ich sehr.
Deine Milch mit Honig ist die beste, besser als die von Mama. Warum Du denn keine Frau hast, will ich wissen. Da nimmst Du kurz die Pfeife aus dem Mundwinkel und schaust mich mit Deinem typischen Zwinkern in den Augen an. Natürlich hättest Du eine Frau gehabt, aber das wäre eine lange Geschichte und schließlich ist jetzt Abendbrotzeit. Und es gibt belegte Brote, Gurken, Silberzwiebeln und Fleischsalat.
Zurück auf dem Sofa schaltest Du den Fernseher nach der Tagesschau wieder aus. Den ganzen Mist bräuchte doch kein Mensch, eine Partie MauMau wäre doch viel interessanter. Ich wundere mich, wie ein so großer, kluger Bär wie Du so schlecht spielen kann.
Müde wie ich bin, trägst Du mich nach oben ins Bett. Morgen wollen wir einen Kaninchenstall bauen und die Wiese hinter der Scheune mähen. Mit einer Sense! Ich freue mich.
Gute Nacht Opa.


Kommentare
Wunderschön.
13.02.2012, 00:33 von M_ichiiEin wunderschöner, aussagekräftiger Text.
Er stimmt mich auf eine ganz bestimmte Art und Weise traurig und froh zugleich, dass ich solche Situationen wie diese hier auch noch erleben durfte. Ich lese ihn immer wieder gern. :)
08.01.2012, 01:29 von Oktoberstern4Like*.*
Es ist wunderbar zu wissen, dass ich meinen Großvater noch habe um genau noch das zu genießen, was du beschreibst,.
29.12.2011, 13:34 von petitcochonDer Text berührt mich... :)
12.12.2011, 17:08 von CenereWas bei Frau Kopfs "Mutti macht Mittag" an der Sprache kritisiert wurde, hätte an diesem Text aber seine Berechtigung gefunden.
Weder hüben noch drüben finde ich diese Kritik berechtigt, in diesem Text halte ich sie dennoch für ein unerlässlicheres Stilmittel, um einfache, wesentliche Gedanken zu transportieren.
Ein tolles Beispiel für das gelungene Zusammenspiel von einfacher Sprache und wesentlicher Aussage, finde ich.
09.12.2011, 18:23 von Varekes
ich finde den Stil grobschlächtig
09.12.2011, 18:27 von MisterGambitIch nicht, dabei bin ich sehr anfällig für Grobschlächtigkeit. Viel schlimmer finde ich die Und-Trilogie des ersten Absatzes.
09.12.2011, 18:38 von VarekesDas finde ich wiederum legitim. Über sowas regt sich ja auch Moogle gerne auf. Ich sehe darin eher ein Mittel der Nachdrücklichkeit.
09.12.2011, 18:39 von MisterGambitÜbertriebene Nachdrücklichkeit kehrt ihre Wirkung ins Gegenteil. Ich bin auch ein schlimmer Sprachästhet(iker), Anaphern mag ich nur wohldosiert.
09.12.2011, 18:55 von Varekesanaphern sind teufelswerk, das stimmt
09.12.2011, 19:06 von MisterGambitou man... :( bei euch kriegt man erst recht keinen vernünftigen satz mehr raus. undercover agenten der literatur ihr. pfui :)
09.12.2011, 19:30 von Faradunaich ermittel nicht undercover sonder ganz öffentlich
09.12.2011, 19:34 von MisterGambitman kann aber nie wissen bei welchem text du als nächstes ermittelst.
09.12.2011, 19:35 von Faradunadie meisten sachen lese ich entweder gar nicht erst oder habe nicht mal lust, etwas dazu zu sagen
09.12.2011, 19:36 von MisterGambitKottan ermittelt?
09.12.2011, 19:36 von RAZimjaja... time is money und so
09.12.2011, 19:37 von Faradunathe sky is das limit - bernd stromberg
09.12.2011, 19:42 von MisterGambitOpas sind was ganz besonderes!!! Danke für den schönen Text.
09.12.2011, 16:20 von XtraEliseso schoen.
Wenn ich jemals einen Opa gehabt hätte (beide schon lange vor meiner Geburt gestorben) hätt ich ihn genau JETZT vermisst. Wie schön, wirklich schöner Text.
08.12.2011, 18:48 von Sterling4everIch mag die Bilder die beim Lesen in meinem Kopf entstehen.
Jetzt vermiss ich meinen Opa
08.12.2011, 18:17 von LiraelWunderschön zu lesen. Und immer hängt so ein bisschen Wehmut über deinen Texten.
08.12.2011, 18:06 von Jackie_Grey