Ich habe gewonnen!
Wenn auch vielleicht nur an Stärke und Bewusstsein.
Es rauscht. Der Regen peitscht an die Scheibe und wir schweigen uns an. Ich möchte dir so viel sagen. Sagen, dass du gelogen hast, als du sagtest, dass ich das Wichtigste in deinem Leben sei. Dass du mich verraten hast. Mich und meinen Plan vom Glück. Ihn mit einem mal durchkreuzt hast. Dass du ein gefühlsloser Egoist bist, den Weg gepflastert mit Ausreden, die dein sadistisches Verhalten erklären sollen. Doch sie tun es nicht. Sie haben es nie getan. Nicht, als du die Geburstagskarte, die ich dir geschenkt habe in Müll geschmissen hast und auch nicht als du mich einfach so verlassen hast.
Du konzentrierst dich auf die Straße. Bloß nicht abkommen von deinem Weg. Und ich würde so gerne schreien, dass es der falsche ist. Dass du einen Fehler machst, in eine Sackgasse fährst. Doch du hörst mich nicht, bist wie zugedröhnt von deinem neuen Leben, deinem neuen Weg, den du eingeschlagen hast. Und trotzallem tut es umso mehr weh, dass du keinen Schmerz empfindest, keine Reue das Alte hinter dir zu lassen.
Du hast mich angeschaut, nur ganz kurz und doch kommt es mir so vor als würdest du durch mich hindurchschauen. Ich bin wie ein Labyrinth für dich, aus dem du keinen Ausweg weißt. Du den Weg zu meinem Herzen nicht findest. Weil du abgekommen bist von der Lösung. Du liebst was du hast, bist zu egoistisch um dir das zu erarbeiten was du liebst.
Und noch alles was ich dir vorwerfen könnte bedeutet nichts zu dem, dass ich dich nicht mehr erkenne. Ich kenne diesen Mann, der neben mir sitzt kaum. Ich kenne diese Stimme nicht, diese Wortwahl, diese Gesten. Ich kenne noch nicht mal sein Gesicht. Es kommt mir so falsch vor, gar vorgeheuchelt. Ein süßlicher Duft, den du um dich herum versprühst um die Narben zu verstecken. Doch habe ich sie schon längst entdeckt und sie verletzen mich. Tief in meinem Inneren spüre ich deinen Schmerz, der letztendlich auch meiner ist.
Der Wagen stoppt und ich steige aus. Du lächelst kurz, ein wenig schief und fast unwirklich. Ich schließe die Tür und drehe mich um zum Gehen, ich schaue dir noch hinterher bis das Auto hinter der nächsten Ecke verschwindet.
„Danke“, flüstere ich noch. Und es ist kein Unterschied, ob du es hörst oder nicht. Ob es dir gleichgültig ist oder es dir ein Lächeln auf dein Gesicht zaubert. Ich habe gewonnen. Wenn auch vielleicht nur an Stärke und Bewusstsein.


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