NeverGrowUp 19.12.2011, 13:23 Uhr 37 47

Ich darf nicht...

...vergessen. Dein Name verschwimmt. Wird unleserlich. Wie auch meine Erinnerungen an dich manchmal in meinem Kopf verschwimmen.

Manchmal vergesse ich, dass du nicht mehr bist. Ich vergesse, dass ich nur noch einen Namen auf den Umschlag schreiben muss, wenn ich einen Brief verschicke. Nur noch einen Namen. Und das ist nicht deiner. Manchmal schreibe ich sogar noch beide Namen hin. Und dann trifft es mich wie ein Schlag ins Gesicht. Bittere Erkenntnis sickert schwer von oben bis unten durch meinen Körper, staut sich an und verlässt mich wieder in Form von Tränen, die langsam auf die Tinte tropfen. Dein Name verschwimmt. Wird unleserlich. Wie auch meine Erinnerungen an dich manchmal in meinem Kopf verschwimmen.

Davor habe ich Angst. Wenn ich schon vergesse, dass du nicht mehr bist, dann dauert es nicht mehr lange und ich vergesse vielleicht auch dich. 

Davor habe ich Angst. Zu vergessen, dass du nicht mehr bist, das ist das Eine, aber zu vergessen, dass du jemals warst, das würde ich mir nie verzeihen.

Früher hatte ich dein Gesicht vor meinem inneren Auge, wenn ich meine schloss. Ich konnte den Klang deiner Stimme in meinem Kopf hören. Als ob du neben mir stündest. Ich spürte deine Arme, die mich als kleines Mädchen hochhoben. Ich spürte, wie sie mich in die Luft warfen und wieder auffingen. Ich sah deinen Mund, wie er glücklich lächelte. Deine Augen, wie sie vor Freude strahlten. Ich habe dich gehen lassen müssen. 

Ich habe dich verloren. Diese Erinnerungen, Momente und Gefühle sind alles, was mir noch geblieben ist. 

Ich darf sie nicht auch noch verlieren.

47

Diesen Text mochten auch

37 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 1

    Danke schön!!!

    13.02.2012, 22:50 von Danny0511
    • Kommentar schreiben
  • 1

    ich auch.

     

    06.01.2012, 16:22 von gila87
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Kenn ich auch ganz gut, darum mag ich es.

    21.12.2011, 10:51 von TschiNNa
    • Kommentar schreiben
  • 1

    anrührend schön. nicht kitschig. vielleicht ein bisschen, aber das braucht so ein "vermissenstext", gerade dann, wenn einem selber gerade der opa gestorben ist. der vielgeliebte superopa, bei dem ich immer kind geblieben bin...

    danke dir!

    20.12.2011, 21:50 von MiZa.
    • Kommentar schreiben
  • 1

    vielleicht tröstet es dich, dass die wichtigsten details im kopf bleiben - bei meiner omi war das z.b. eine unglaublich witzige lache. die hab ich immer im kopf, auch nach zwölf jahren.

    20.12.2011, 10:17 von lavish
    • 0

      Hier bei meinem Opa ist es sein nachdenklicher Blick, wenn er mit mir Schach gespielt hat... Das wollte ich eigentlich noch reinschreiben, habs dann aber vergessen...

      20.12.2011, 13:48 von NeverGrowUp
    • 0

      naja, die schilderung ist doch auch auch so passend.

      20.12.2011, 14:02 von lavish
    • 0

      Ja, ich möchte jetzt auch gar nichts mehr ändern. Aber das Schachspielen ist das, was mich immer an meinen Opa erinnert, weil er es mir beigebracht hat. :)

      20.12.2011, 14:03 von NeverGrowUp
    • Kommentar schreiben
  • 1

    aus vielen herzen geschrieben, es fehlen soviele menschen....!!! du hast für einen  moment mein uroma zum leben erweckt, danke dafür!

    20.12.2011, 02:31 von audiophelia
    • 1

      Sehr gerne :)

      20.12.2011, 13:48 von NeverGrowUp
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Ab "Früher hatte ich
    dein Gesicht vor meinem inneren Auge, wenn ich meine schloss. Ich konnte den
    Klang deiner Stimme in meinem Kopf hören... " sind mir die Tränen in die Augen gestiegen.

    19.12.2011, 22:57 von Floeeckchen
    • 0

      Oh ja mir beim Schreiben auch...

      19.12.2011, 22:58 von NeverGrowUp
    • 1

      du weckst damit in einigen, gerade zu dieser Zeit, unmengen an Gefühlen, die man sonst hinter schweren Eisengittern versperrt, weil mein nicht die Zeit hat, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Weil man nicht die Kraft dazu hat.

      19.12.2011, 23:00 von Floeeckchen
    • 0

      Ist leider wahr, aber genau das Falsche! Man sollte immer Zeit für seine Gefühle haben. IMMER. Und wer sich seinen eigenen Gefühlen nicht stellt, wird immer schwach bleiben.

      19.12.2011, 23:06 von NeverGrowUp
    • 0

      Recht hast Du!

      20.12.2011, 08:42 von Floeeckchen
    • 1

      Mir geht es wie Floeeckchen... *schnuff*

      DANKE für diesen Text, liebe Verfasserin!

      20.12.2011, 09:49 von Ms_M.
    • 0

      Ist zwar schön, dass ihr euch so sehr bedankt, aber in erster Linie hab ich den Text ja für mich und die Person geschrieben, die ich vermisse..

      20.12.2011, 19:34 von NeverGrowUp
    • 0

      und ihn gepostet.

      20.12.2011, 19:37 von Floeeckchen
    • Kommentar schreiben
  • 2

    Keine Sorge, das wirst Du nie vergessen!

    19.12.2011, 21:07 von konsTante
    • 0

      Danke, das hoff ich auch...

      19.12.2011, 21:08 von NeverGrowUp
    • 1

      konsTante spricht wahre Worte

      20.12.2011, 08:15 von Tanea
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Leider gehört genau das zum Leben dazu...

      19.12.2011, 20:20 von NeverGrowUp
  • 0

    hart zu lesen für alle, die das gefühl kennen. mich eingeschlossen. harter text, was positiv gemeint ist. ohne einschränkungen. außer einer kleiner: am ende...


    "Ich habe dich verloren. Diese Erinnerungen, Momente und Gefühle sind alles, was mir noch geblieben [b]sind[/b]"

    ;)

    19.12.2011, 18:28 von berlin_bombay
    • 0

      vergiss was ich geschrieben habe zum textende..ich bin im käsewahn und hab mich vertan...haha...tut mir leid.

      19.12.2011, 18:29 von berlin_bombay
    • 0

      Hahaha :D Ich hatte erst ein "sind" am Schluss, weil es ja Gefühle, Momente usw sind, aber dann dachte ich mir, zu "alles" gehört ein "ist".

      19.12.2011, 19:05 von NeverGrowUp
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare