Einfachso_ 28.06.2012, 22:17 Uhr 0 2

Geschwisterliebe

Hakuna Matata

Ich habe noch nie etwas über dich geschrieben, geschweigeden mehr von dir erzählt als deinen Beruf und was du deswegen so machst. Ich möchte vielleicht auch garnicht viel sagen, weil es wehtun könnte. Ich weiß noch, wie wir als Kinder während des Frühstücks die ‘Der König der Löwen’ Kasette anhörten und jedesmal bei ‘Hakuna Matata’ mitsangen.

Mein schmerzlichstes Erlebnis mit dir war als du ein Treffen mit Vater und mir organisiert hast. Wir standen auf einer Einkaufsmeile, er hat geweint und gesagt, dass er mich vermisst und ich habe in die Menge geschaut, war wütend und peinlich berührt. Mein gesamtes Vertrauen, welches du bekommen hast, weil du mein Bruder warst ist mit dem Satz: “Es wird für dich ja wohl nicht so schlimm gewesen sein.” einfach flöten gegangen.

Nun erinnere ich mich, wie wir vor zwei Jahren in meinem Zimmer saßen und die Jason Mraz Alben anhörten, die ich mir gekauft hatte. Es war drei Uhr in der Frühe und du hast zu deiner Gitarre gegriffen und angefangen ‘I’m Yours’ zu spielen. Du hast mir in dieser Nacht dein Diplom gezeigt und mir von deinen Liebschaften erzählt. Da hast du wohl endlich eingesehen, dass ich nicht mehr das kleine Mädchen war, dessen Plüschtiere du im zarten Jungenalter aus dem Fenster geworfen hast.

Mit der Zeit wuchs mein Vertrauen zu dir wieder, aber du hast mich desöfteren aus der Bahn geworfen und mir klargemacht, dass du nun dein eigenes ‘Hakuna Matata’ - Ding durchziehst. Ich wollte dich zurück. Zurück nach Zuhause. Aber du hast dich immer mehr entfernt und mittlerweile kommst du nur noch selten vorbei. Und wenn du mal kommst, dann ist es so, als wäre nie etwas gewesen. Du sitzt im Wohnzimmer, trinkst mit Mama einen oder zwei Kaffees und erzählst von deinem Leben, in dem wir noch wenig Platz finden. Aber es ist in Ordnung. Dieser Abstand hat mich mehr zu dir gebunden, als unsere ständigen Auseinandersetzungen.

Mittlerweile hast du gemerkt, dass ich sehr gut darin bin, eigene Entscheidungen zu fällen und respektierst meine Meinung. Vielleicht ist sie dir auch egal, aber aufjedenfall sträubst du dich nicht mehr so sehr gegen mich wie früher. Es ist alles besser, seit du nicht mehr hier bist und doch vermisse ich dich. Ich würde manchmal gerne in dein Zimmer laufen und dir beim Gitarre spielen zuhören, wie du dich versingst und immer wieder von vorne anfängst.

Durch dich habe ich gelernt, Menschen gehen zu lassen. Wenn ein jemand gehen möchte, dann darf man ihn nicht aufhalten, so schwer es auch für einen selbst ist. Je mehr man an jemandem festhält, desto mehr möchte sich diese Person von einem entfernen. Eigentlich eine schlechte Eigenschaft des Menschen, die Personen, die einen lieben und wertschätzen von sich wegzustoßen. Aber ich habe das auch oft getan. Mir ist klar, dass jeder Mensch so ist, dass es menschlich ist.

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