tiptappin 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 14

Gefühl von Gelb

Ich will nur diesen Moment mit Worten fotografieren, der sich auf unspektakuläre Weise besonders anfühlt.

Wir spazieren durch das unaufgeregte Gelb des Waldes. Mal nebeneinander, mal hintereinander. Nur mein Rucksack ist noch gelber als der Boden, die Äste und das Gestrüpp. Es ist schön hier, am Meer. Diese Spaziergänge erinnern mich an früher. An kleine Abenteuer. Daran, wie ich auf Bäume zeige, die du dann umschubsen musst. Ich habe damals keine Sekunde daran gezweifelt den stärksten aller Papas zu haben.

Manchmal schweigen wir und dann schaue ich in den grotesk blauen Himmel oder sehe meinen Füßen dabei zu wie sie mich tragen und fange an darüber nachzudenken, woher die eigentlich wissen wie das geht und dann irgendwann stolpere ich vor lauter Nachdenken.

Manchmal albern wir herum und ich fange an wie meine Mutter zu lachen. Zumindest sagst du das. Meistens reden wir aber. Über Belangloses, über Politik, über meine Katze. Und während wir da so entlanglaufen beginne ich in meinem Kopf nach den richtigen Worten zu suchen, um diesen Moment festzuhalten. Meine Augen suchen die wichtigen Dinge, die ich speichern und später hervorkramen muss. Es ist dieses Gelb, das eigentlich eher ein Braun ist, aber so wie das Licht fällt, passt Gelb so viel besser. Und es ist das Geräusch, von dem man nie so genau weiß, ob es die Baumkronen, oder die Wellen sind. Es ist kein außergewöhnlicher Leinwandmoment, mehr ein Gefühl von Geborgenheit. Ein Gefühl von Gelb.

Ich schmecke Salz und Staub und sowas wie Frühling. Und mit dir hier sein, ist ein bisschen wie Pause vom Leben haben. Bei dir kann mir nichts passieren und niemand mir weh tun. Genau genommen gibt es keine Geschichte zu erzählen, ich will nur diesen Moment mit Worten fotografieren, der sich auf unspektakuläre Weise besonders anfühlt.

Wie Sonnenstrahlen, die meine Stirn streicheln oder meine Katze, die morgens um sechs unter meine Bettdecke kriecht. Wie ein neues Lieblingslied entdecken und es nach der fünfundzwanzigsten Wiedergabe immer noch mögen. Wie ein altes Lexikon aufschlagen und die getrockneten Blüten von vor elf Jahren wiederfinden.

Eigentlich bedeutungslos, uneigentlich unendlich wertvoll. 

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4 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Gelb:

    Wenn man an grauen Wintertagen, wenn einem das Herz eng wird, durch ein gelbes Glas blickt oder eine Landschaft
    mit viel Gelb ansieht, wird das Auge erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt
    erheitert; eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.

    (Frei nach Goethes Farbenlehre)


    24.06.2016, 01:59 von SirMCPedta
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  • 0

    wunderbar warm

    23.06.2016, 15:46 von fcknwllflwr
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  • 0

    Tolles Bild

    18.05.2016, 11:58 von Vonni85
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  • 1

    Schön! :)

    17.05.2016, 17:48 von nuescht
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