Gedankensturm
Ein paar Tage drüber ...
Die Regel lässt auf sich warten. Der erste Gedanke:
Das kann nicht sein.
Wir hatten doch wie immer verhütet. Kann da etwas nicht geklappt haben mit dem Gummi, ohne dass ich etwas davon mitbekommen hätte? Unwahrscheinlich. Soll ich ihn mal fragen? Lieber nicht, ich will ihn ja nicht beunruhigen. Außerdem muss ich dann erklären, dass so ein weiblicher Zyklus nicht immer regelmäßig ist. Letztens war es ein paar Tage zu kurz, aber 10 Tage drüber ist schon etwas lang, oder?
Ich könnte schwanger sein. Was löst dieser Gedanke in mir aus?
Auf die Frage ob ich mir Kinder wünsche lautet die Standardantwort: "Ja, aber jetzt noch nicht." Eine Frau stellt sich in dieser Situation drei wichtige Fragen:
Stimmt der Job? Stimmt das Geld? Stimmt der Partner?
Davon kann ich nur die letzte Frage mit "Ja" beantworten.
Aber weder der Job noch das Geld lassen momentan den Gedanken an ein Kind positiv ausfallen.
Der Mann mit dem ich zusammen bin, ist der Mann meines Lebens. Mit ihm möchte ich alt werden, reisen, tauchen, Spaß haben, wandern, zelten, Party machen, kuscheln, schlafen, tanzen, singen, klettern, Motorrad fahren... Ja, und auch Kinder haben, aber: "Jetzt noch nicht !!"
Was mache ich, wenn aber nun plötzlich jetzt "Jetzt" ist?
Ich liebe Kinder, ich spiele gern mit Kindern von anderen Leuten. Aber kann ich die Verantwortung für ein Menschenleben übernehmen? Ohne Rückgaberecht? Zur Not auch als allein erziehende Mutter? Ich habe doch gerade erst gelernt, für mein eigenes Leben verantwortlich zu sein.
Seit ich in einem Video gesehen habe, wie der Fötus zuckt und sein Herzchen schneller schlägt, wenn die Nadel näher kommt, ist Abtreibung keine Alternative für mich. Adoption? Ich kann doch kein Kind neun Monate lang ernähren und miterleben wie es wächst und dann einfach abgeben, oder?
In den Medien ist ständig die Rede von Vollzeitmüttern und so genannten Rabenmüttern, die arbeiten, von Karrierefrauen im Gebärstreik und dem Aufruf an alle Frauen zwischen 18 und 38 Kinder zu bekommen.
Welcher männliche Politiker oder Kirchenmann, Redakteur oder Buchautor kann sich vorstellen, welche Fragen sich eine Frau von Mitte Zwanzig stellt, wenn die
Menstruation ausbleibt?
Kurz Stopp.
Gehe ich die Sache nicht völlig falsch an? Nach dem Motto die Frau ist schwanger, solange die Regel ausbleibt? Muss es nicht eher heißen, die Frau
ist nicht schwanger, solange kein Test positiv ausfällt?
Die Angst vor dem Test ist groß. Denn danach ist die Frage möglicherweise nicht mehr, was tue ich falls, sondern was mache ich jetzt.
Dies ist nur ein Bruchteil der Gedanken, die mir seit ein paar Tagen durch den Kopf gehen. Die Antworten bleibe ich mir schuldig.
Aber vielleicht kommt sie ja doch noch, die Blutung... und ich kann die Lösung dieser Probleme noch etwas hinausschieben.



Kommentare
"..und dASS ich davon etwas mitbekommen.."
24.07.2009, 13:10 von SurecampIch dachte, du willst ihn nicht mit im Urlaub haben?! ;)
Eine Abtreibung wäre doch sehr wohl eine Alternative.
Auch wenn der Text fiktiv ist, ich habe das auch ein ums andere mal erlebt - als Hinzugezogener, als Ratgeber und Zuhörer. Und es sind eben genau diese Fragen, die sich stellen, durchaus auf für den Mann übrigens wenn er verantwortungsvoll denkt.
18.06.2009, 10:03 von PlutarchAber ich kenne einige Fälle, wo die Frage nach dem richtigen Partner eher negativ war, bei denen der Mann das Gefühl hatte, das Kind angehängt bekommen zu haben. Und das sind die Fälle, in denen eine nachher alleinerziehend wurde. Ich denke das mit dem Geld ist in den meisten Fällen in den Griff zu kriegen, der richtige Job ist sinnvoll, aber auch vermerzbar wenn nicht - nur der Partner, der muss stimmen - idealerweise zu 100% - und ganz wichtig: Ich denke, man muss mit dem, mit dem man Familie will auch ganz offen sein. Wer seinen Partner um sich und sein Ich betrügt, ihm was vormacht, sollte auch von Familienplanung mit ihm großen Abstand nehmen - das hab ich vom Leben meiner Freunde gelernt.
Übrigens gut geschrieben - mir gefällt die Struktur und die Dramaturgie.
22.10.2008, 14:57 von LudwigMartin"Denn danach ist die Frage möglicherweise nicht mehr, was tue ich falls, sondern was mache ich jetzt."
Über den Satz habe ich mich sehr gefreut, er gilt auch für andere Dinge.
Bei einer verwandten 20jährigen hat gar nichts gestimmt. Sie war ständig mit Kumpels im Kiffzustand, hat Schule und Öko-Jahr abgebrochen, einer von den Kumpels hat bei ihr "übernachtet", die alleinerziehende Mutter ist ausgezogen, weil sie sich das Elend nicht mehr mit ansehen konnte und in der darauffolgenden WG gab's nur Streß und Kiff und Kiff und Streß...
Mit dem "Ergebnis der Übernachtung" hat sie die Wende gut gekriegt, ist dem Kind zuliebe von allen Drogen weg, hat eine H4-finanzierte schöne Wohnung und einen Kindsvater als "2.Kind" an der Backe (Drogen und PC-Spiele als Daueralltagsfüllung), den sie zwar rein-, aber nicht mitwohnen läßt, jedoch als Bezugsperson wichtig findet und sehr verantwortlich handelt.
Wenn man sich mit dem Gedanken anfreunden kann, daß ein Kind die Koordinaten völlig neu ausrichtet für die Mutter und den Vater, die sich darauf einlassen, dann kann sich viel relativieren, denke ich.
Und das Leben geht immer weiter. Nur von Ansprüchen muß man sich hier und da verabschieden.
@[Benutzer gelöscht] Danke, und natürlich hast du Recht.
22.10.2008, 08:26 von TaneaEs ging um die Gedanken davor, also bevor man weiß, ob positiv oder negativ.
Danach sollten natürlich beide miteinander reden und zu ener Entscheidung kommen, mit der beide gut Leben können.
Ein textliches Hoch, wenn du mich fragst :o)
30.08.2008, 16:54 von daisyfieldWarum geht eigentlich der Großteil sofort davon aus, dass der Autor gleich das Lyrische Ich darstellt? Zum Kotzen!!!
@"lolo82" und "weiblich": Wir sind hier nicht bei Pro Familia!!!
@daisyfield Vielleicht weil's hier genug solcher Texte gibt...?
22.10.2008, 15:01 von LudwigMartinweiblich hat sogar eine wenn-dann-Konstruktion bemüht und das lyrische Ich ist äußerst authentisch.
@LudwigMartin @Ludwig
22.10.2008, 15:06 von TaneaHey, ich nehm das mal als Kompliment, dass du mein lyrisches Ich als authentisch bewertest. ;-)
@Tanea Ja, es ist sehr authentisch. Das hast Du gut hinbekommen. Authentisch heißt ja nicht, daß etwas so passiert ist, sondern daß es gut so hätte passiert sein können.
22.10.2008, 16:38 von LudwigMartinMan kann diese direkten Kommentare ja auch als Auseinandersetzung mit dem lyrischen Ich auffassen, schließlich hat keiner gesagt "Du, Tanea..."
Man kann ja auch ein Buch lesen, beispielsweise "Kabale und Liebe" und vor Ärger losbrüllen: "Fuck Ferdinand! Fuck you!"
... ähm ja
@LudwigMartin Ja, find ich auch.
22.10.2008, 17:07 von TaneaOder bei Filmen: "Jetzt dreh dich schon um du blöde Kuh"...
Das macht man ja mit Büchern ständig. Aber irgendwie ist es da klarer, dass damit nicht der Autor gemeint ist.
@Tanea
23.10.2008, 10:25 von LudwigMartinManchmal interpretier ich gutwillig...
Hast du dich schon getraut einen Test zu machen? Wenn ja wie ist das Ergebnis?
18.07.2008, 16:03 von weiblich(Die Frage ist natürlich nur berechtig wenn der Text nicht fiktiv ist)
@weiblich Das Ergebnis ist unerheblich, es geht um das Dilema als Frau. Die Zwickmühle, in der man steckt. Mit dem Herz zu wollen und mit dem Kopf nicht zu können.
19.07.2008, 08:46 von Tanea@kräuterhexe
du sagst es
... ist nicht eigentlich immer der falsche zeitpunkt?
15.07.2008, 15:56 von KraeuterhexMach auf jeden Fall den Test, so schnell wie möglich.
04.07.2008, 11:48 von lolo82Ein Kind jetzt, das willst du nicht. Eine Abtreibung willst du auch nicht, also hast du dich, wenn der Test positiv ist, nur die Wahl zwischen zwei Alternativen, von denen du keine willst.
Es stehen ja drei Möglichkeiten offen:
1. Der Test ist negativ, du kannst dich beruhigen, Aufregung umsonst und zur Feier des Tages eine Flasche Sekt aufmachen.
2. Du bist schwanger und willst es behalten, dann solltest es auch frühzeitig erfahren, damit nichts falsch machst und dich auf deine Mutterrolle vorbereitest.
3. Die Alternative Abtreibung ist auch nicht vom Tisch. Dir gefällt sie nicht, weil du ein Video gesehen hast, ein Video einer Spätabtreibung. Das kannst du aber vermeiden, wenn frühzeitig es erfährst, dann kannst du noch mit Medikamenten eine Frühabtreibung durchführen, ohne Operation, du verlierst ein kleines Fruchtbläschen. Oder du kannst es mit der Absaugmethode machen, frühzeitig, bevor der Embryo noch ausgebildet ist.
Wenn aber zu lange wartest, regst du dich entweder zu lange umsonst auf, machst was falsch, rauchst, trinkst, wenn ein Kind bekommst oder lässst später als notwendig einen Abbruch machen.
@lolo82 Als ob eine Frühabtreibung irgendwie weniger verwerflich wäre, als eine späte.
14.01.2009, 15:29 von fairytale_romanceWenn es überhaupt so wäre, wäre der Grund "Falscher Zeitpunkt" nie ein geltender Grund für eine Abtreibung....
tanea: ja, genau diese Leute hatte ich gemeint!
Mach einen Schwangerschafts-Test. Die Entscheidung ist eh schon gefallen.
03.07.2008, 23:20 von weiblichUnd umso früher du das Ergebnis kennt, umso länger kannst du dich bei einem positiven Test auf das "Mama"-Sein vorbereiten.
Klingt blöd, ist aber so