Fordern, was uns zusteht
Mit dem Spruch „Monogamie ist keine Lösung“ wurde ich bekannt. Von vielen aus der Freie-Liebe-Szene habe ich dafür Beifall erhalten.
Mit dem Spruch „Monogamie ist keine Lösung“ wurde ich bekannt. Von vielen aus der Freie-Liebe-Szene habe ich dafür Beifall erhalten, was mich sehr gefreut hat. Doch die Reduzierung dieses Spruchs auf die Liebe greift zu kurz, er war entstanden als Überschrift einer Presseerklärung. Diese wandte sich gegen eine Erklärung junger CSU-Abgeordneter, die sich vehement dafür aussprachen, das „traditionelle Familienmodell“ als „das einzig wahre“ anzusehen.
Mit einem solchen Familienbild jedoch werden nicht nur diejenigen, die „anders“ leben, diskriminiert – das trifft Regenbogen- und Patchworkfamilien, Alleinerziehende und alle anderen, die eben keine Lust auf Vater-Mutter-Kind haben.
Nein, das Bekenntnis zur vermeintlich so traditionellen Kleinfamilie zementiert vor allem die patriarchale Gesellschaft: Frauen sollen nach dem Willen jener jungen CSU-Abgeordneten am besten an Herd und Wickeltisch verbannt werden, während Papa die Kohle heranschafft. Das ist nicht nur himmelschreiend ungerecht, sondern verschließt auch die Augen vor den gesellschaftlichen Realitäten: Eine moderne Wissensgesellschaft braucht die Ideen der gut ausgebildeten Frauen, sie kann es sich nicht leisten, diese Ideen zu verschenken.
Anstatt Ehegattensplitting und Elterngeld braucht eine moderne Gesellschaft ein flächendeckendes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen. In Kitas sollen die Kleinen aber nicht einfach aufbewahrt werden, sondern von früh an spielen, lernen und sich selbst erfahren. Nebenbei gesagt: Nur durch frühe Bildung und ein integratives Bildungssystem werden sich, das hat auch der neueste UN-Bildungsbericht wieder deutlich gemacht, die sozialen Ungerechtigkeiten aufbrechen lassen.
Langfristig wäre ich für eine Kita-Pflicht ab drei – aber erst, wenn eine ausreichende Zahl an gut ausgebildeten BetreuerInnen ausgebildet sind und allerorts die Infrastruktur hierfür geschaffen ist. Die Bundesregierung tut gut daran, endlich konsequenter auf frühe Kinderbetreuung zu setzen – jetzt müssen aber auch Taten folgen!
Für eine wirkliche Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt braucht aber noch mehr – das Beispiel VW mit seinen Lustreisen für Lustgreise macht deutlich, wie männerbündlerisch es noch in vielen deutschen Chefetagen zugehen muss. Anstatt Old-Boys-Netzwerke braucht die deutsche Wirtschaft endlich Frauenquoten für die Chefetagen!
Quoten sind realpolitische Instrumente zur Überwindung von Ungerechtigkeiten. Dass solche Quoten auch in der Privatwirtschaft ohne Probleme möglich sind, hat der norwegische Staat erst kürzlich bewiesen: Seit Anfang 2006 müssen norwegische Aktiengesellschaften mindestens 40 Prozent Frauen im Aufsichtsrat vorweisen. In einer Vorlaufsphase wurde den Unternehmen Zeit gegeben, ihre Aufsichtsräte freiwillig zu quotieren. Flankierend baute Norwegen eine Datenbank von Frauen auf, die an einem solchen Posten Interesse hatten.
Quoten für die Privatwirtschaft sind, wie das Beispiel Norwegen zeigt, somit kein „völlig abwegiger“ oder gar „verfassungswidriger“ Eingriff in den Markt, wie manche meinen mögen – im Gegenteil! Die „Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen“ als Staatsziel findet sich an exponierter Stelle im Grundgesetz, nämlich in Artikel Drei: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Ich meine, das wir Frauen weiterhin konsequent fordern sollten, was uns zusteht: Die Hälfte der Macht, die Hälfte der Verwirklichungschancen, die Hälfte des Kapitals. Denn nicht weniger steht uns zu.
Dieser Text wurde erstmals anlässlich des Weltfrauentags im Genderblog veröffentlicht."Wichtige Links zu diesem Text"
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Kommentare
Ich habe da mal eine Frage, und es ist wirklich nur eine Frage, und nicht eine als Frage getarnte Provokation.
01.08.2007, 04:45 von StockmasterDu forderst die Hälfte der Macht, der Verwirklichungschancen und die Hälfte des Kapitals für die Frauen.
Weshalb fordert ihr Frauen nie die Wehrpflicht???
Weil ihr schon die Kinder kriegt, ist hoffentlich nicht dein Argument, denn dazu zwingt euch( im Gegensatz zur Wehrpflicht) keiner.
Ich glaube nicht an absolute Gleichberechtigung, das würde eine absolute Gleichheit vorraussetzen. Ich las neulich in einer Stellenausschreibung der Bundeswehr, dass bei gleicher Qualifikation, Frauen bevorzugt eingestellt würden...
Ist das wirkliche Gleichberechtigung? Ist dieser Satz überhaupt mit dem Grundgesetz zu vereinbaren?
Ich fühle mich als Mensch nicht als Mann, ein jedes Geschlecht hat seine Vorteile und Nachteile.
Es klingt jetzt vielleicht wie ein Hohn, wenn ich dir schreibe, dass ich neulich mit Anzug und Wahrndreieck 3 !!! Stunden auf der Autobahn mit Daumen raus stand. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das einer Frau nicht passiert wäre.
Wenn du jetzt innerlich zustimmst, stimmst du auch zu, dass es immer einen Unterschied geben wird.
Zum Glück, denn ich mag die Frauen lieber.
Ich glaube, dass sie, vielleicht auch nur bedingt durch ihre von der Natur her geprägten Mutterrolle die sozialeren Wesen sind.
Alles anderem in deinem Text stimme ich absolut zu.
@Stockmaster also zur Wehrpflicht: die sollte doch eh mal ganz abgeschafft werden. Für alle ein soziales Jahr. Das sollte her! Das würde sich langfristig gesehen auch auf ein sozialeres Zusammenleben rechnen.
04.01.2008, 16:08 von eskimomuc