derHalbstarke 30.10.2012, 15:34 Uhr 13 16

Flüsterwunsch

Warte nicht. Bis sie wiederkommen. Warte nicht.

Warte nicht.

Bis sie wieder kommen, so, wie sie immer wieder kamen. In den letzten Jahren. Nacht für Nacht. Warte nicht mehr, bis sie leise die Klinke deiner Tür zu deinem Zimmer herunterdrücken und niemand bemerkt, dass sie wieder auf dem Weg sind. Zu dir. In der dunklen Stille der Nacht.

Diese Hände.

Warte nicht mehr darauf, dass sie dich berühren und verlangen. Und begehren. Dass sie so vermeintlich sanft und zärtlich zu dir sind. Darauf, dass sie so fordernd nach dir greifen, sich nehmen, was nicht ihnen gehört und deinen Körper beschmutzt. Und verbrennen lässt. Nacht für Nacht und seit Jahren schon. Was deine Seele, deinen Verstand schmerzen lässt. Und deine Gefühle erstickt. Diese Hände, so zärtlich, so sanft und so widerlich. Die Dinge mit dir tun. Dinge, die sie nicht tun sollten und nicht dürfen. Diese Hände.

Warte nicht mehr.

Warte nicht länger, bis nichts mehr übrig bleibt.

Von dir.

Warte, bis es dunkel ist. Warte, bis sie wieder die Klinke der Tür zu deinem Zimmer herunterdrücken. Auf dem Weg zu dir. Warte, bis sie im Rausch ihrer klebrigen Berührungen unachtsam geworden sind und wieder tun, was sie nicht dürfen. Schon seit so vielen Nächten. Und dann hackst du sie ab, diese Hände.

Vielleicht.

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13 Antworten

Kommentare

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  • 3

    Da sitze ich nun, bin sprachlos und habe Gänsehaut. Und muss - wie so oft - an den kleinen Max denken, der mal in der Wohnung über mir gewohnt hat und nun nicht mehr dort wohnt... seit ich vor ca. 3 Monaten den Sozialen Dienst gerufen habe.
    In einem Haus mit ca. 30 Wohnungen, in der viele Familien mit Kindern wohnen, hat es eine alleinstehende Frau gebraucht, um was zu unternehmen. So ist unsre Gesellschaft. Zum Kotzen!
    Danke für deinen Text!

    31.10.2012, 12:13 von sines
    • 0

      Ich stand in der Schlange beim Einkaufen. Vor mir hat ein Drecks-Vater seinen kleinen Sohn bewusst gegen das Regal geschupst, weil sein Sohn irgendwas wollte. Ich bin dazwischen gegangen. Direkt hinter mir stand ein Mann, 2 Köpfe größer als ich und hat nichts gemacht, außer zur Seite zu schauen, genauso wie die anderen in der Schlange. 

      31.10.2012, 12:33 von blueRiver
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  • 0

    klare worte!

    31.10.2012, 09:37 von ilofi
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  • 1

    oh ja, da sprichst du wahre worte.

    31.10.2012, 06:15 von Sultanine
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  • 1

    Warte nicht länger,bis nichts mehr übrig bleibt von Dir.....
    Dieser Satz berührt mich sehr......so traurig,so wahr und so oft passiert

    30.10.2012, 22:43 von blackswan
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Ich möchte nicht wissen, wieviele solcher Hände es gibt, jetsam - und wieviele dagegen machtlos bleiben...

    30.10.2012, 18:53 von derHalbstarke
    • 1

      Diese Hände können definitiv nicht sanft und zärtlich sein! Auch, wenn ich es im Kontext verstehe, es stört, fast schon eine Häme für die Kinder die es spürten und spüren, denn sie werden es sicherlich nicht so sehen. 

      30.10.2012, 19:08 von blueRiver
    • 0

      Nee, natürlich nicht - deshalb ist es auch genau so geschrieben...

      30.10.2012, 19:10 von derHalbstarke
    • 0

      Hm, ich habe es ohne diese Adjektive gelesen und für mich ist es respektvoller, passender und unterstreicht noch mehr diese Gräueltaten. Doch es bleibt natürlich bei Dir, als Autor, wie Du es für Dich siehst/ empfindest und was Du "uns" vermitteln möchtest. 

      30.10.2012, 19:13 von blueRiver
    • 0

      Ich weiß was du meinst, aber für mich war es genauso richtig und zeigt das Ekelhafte, Widerliche auf genau die Art, wie es leider ist - ekelhaft und widerlich - ein Sachtext sähe freilich anders aus. ^^

      30.10.2012, 19:16 von derHalbstarke
    • 0

      nicht zu vergessen die augen, die wegschauen!

      31.10.2012, 09:06 von jetsam
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  • 4

    nicht vielleicht! machen, ...einfach machen!!!

    30.10.2012, 18:22 von jetsam
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