Schwarzlicht 24.08.2006, 20:43 Uhr 5 0

Fine - Sogni d'Oro*

Und ich flüster dir ins Ohr "Bitte stirb, bitte stirb noch diese Nacht...aus eigener Kraft!"

Ich sehe dich dort sitzen, du wartest auf irgendwas, schleppst dich hinter mir hinter her, kippst zur Seite, wankst und es dauert, bis du dich aufgerafft hast. Ich drehe mich mit tränenden Augen um, um nach dir zu schauen, du guckst mich eindringlich an. In meinem Kopf nur ein Gedanke "Du kannst es nicht" im nächsten Augenblicke "Sie quält sich so sehr".
Im nächsten Augenblick höre ich die Stimme einer Freundin meiner Mutter "Hätte sie eine Krankenverfügung gehabt, glaubst du sie wäre immernoch hier?" Ich wische mir die Tränen weg, es soll keiner sehen. Meine Mutter streift mich und schaut mich bedrückt mit dem Ausdruck in den Augen an, den wir alle derzeitig in den Augen haben. Wir wissen, was wir eigentlich tun sollten, aber ein Familienmitgleid einfach so gehen lassen....leichter gesagt als getan. Ich senke meinen Blick so, dass mich der Blick meiner Mutter nicht trifft. Patzig antworte ich auf die Frage, ob ich morgen mitkommen will - "Sehr lustig, morgen bin ich wieder in Berlin, weißte doch." Im selben Moment steigt in mir ein dumpfes Gefühl herauf, das mir fast die Luft abschnürrt. Ich bin weg, wie werde ich Abschied nehmen, mit dem Umzug nehme ich doch eh schon Abschied von euch allen, aber dich, dich werde ich nie wiedersehen.
Der Schmerz wird heruntergeschluckt, beim Essen kein Wort darüber, ich sitze da und wir wissen es eigentlich alle. Nachdem Essen springt mir dein Bruder auf den Schoß, ihn streichel ich noch gerne, sein Fell ist noch nicht so verfilzt wie deins, es tut mir weh. Ich schaue ihn an und fange an zu heulen, er wird noch da sein, wie lange weiß ich nicht, er ist ja auch nur ein Jahr jünger- Aber wie wird er sich fühlen, wenn du weg bist. Nachts schleiche ich mich nochmal in die Küche, du liegst in deinem Korb und schläfst, ich sehe dein Atmen und fange an zu weinen, ich streichel dich, du wachst auf. Ich will dich nicht loslassen, du warst 20 Jahre an meiner Seite, aber du leidest so sehr. Ich flüster dir ins Ohr "Bitte stirb, bitte stirb noch diese Nacht....aus eigener Kraft".
Ich nehme hier von dir Abschied mit der Gewissheit, dass du nächstes Mal nicht mehr in der Küche sitzen wirst und auf mich warten wirst, aber endlich nicht mehr leiden musst. Du warst seit meiner Geburt an meiner Seite ich werde dich nie vergessen, meine geliebte Katze Fine.

*Goldene Träume"Wichtige Links zu diesem Text"
http://www.neon.de/kat/fuehlen/familie/beziehung_zu_den_eltern/84224.html

5 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    es ging dann doch ziemlich schnell, ich überfliege grade den text und muss feststellen, dass die wohnung nun leer sein wird, keine der katzen wird mir mehr bei dr begrüßung um die beine streichen.
    ich hoffe es geht ihnen gut.

    20.03.2007, 03:32 von Schwarzlicht
    • Kommentar schreiben
  • 0

    wirklich schrecklich traurig. mein haustier ist voriges jahr zu ostern gestorben. ich weine heute noch manchmal. ich weiß noch wie heute, in der schule musste ich die ringparabel aufsagen (die ich in dieser traurigen, leeren zeit lernen musste), ich stand vorne, hab e es nur lückenhaft hinbekommen und hatte Tränen in den Augen. es war schrecklich.

    31.08.2006, 17:12 von Layla_Dylan
    • Kommentar schreiben
  • 0

    danke ich nennne sie mittlerweile methusalem katze mit nem grinsen im gesicht, da fällts nicht so schwer.

    25.08.2006, 15:45 von Schwarzlicht
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ich fang gleich zu heulen an. ich kann dir so gut nachfühlen, vor zwei Jahren ist unser Kater gestorben, mit 20 Jahren. Dieser Kater war da wo ich geboren wurde und wo ich dahei auszog war er noch da. Zwei Monate später starb er, nur ein Jahr nachdem sein "Bruder" mit 22 Jahren von uns ging. Und wenn ich dann zu meinen Eltern heimkam hielt ich immer noch ausschau nach diesem Fellknäul. Und obwohl wieder neue Katzen bei meinen Eltern wohnen lebt unser Julchen immernoch in meinem Herzen, er hat einen festen Platz, genau wie unser Hölderlin, der alte graue Herr. Und jetzt heul ich wirklich.

    25.08.2006, 14:17 von WindDancer
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare