andreas.schwarz 23.05.2017, 08:29 Uhr 0 0

Feen, Elfen, Trolle und Zwerge haben Island fest im Griff

Ein nicht unerheblicher Teil der isländischen Bevölkerung glaubt ganz fest an die Naturgeister.

Und zwar so sehr, dass einige Bauvorhaben dadurch beeinflusst oder sogar gestoppt werden. Die Naturgeister sind aber auch sonst sehr fest in der isländischen Kultur verankert.  

Fast jedes Land hat seine Mythen, Märchen und mystischen Sagen, die sogar heute noch mehr oder weniger Einfluss auf die Kultur und die Menschen haben. Kaum haben Geschichten über Elfen, Trolle und Gnome aber so viele Auswirkungen und Bedeutung für politische und infrastrukturelle Entscheidungen wie in Island.

Wer ist Erla Stefansdottir?

Die Welt der Feen, Wichtel und Elfen ist thematisch auch in vielen Kinderbüchern existent. Kristin Franke von tinyfoxes.de ist eine Kinderbuchautorin, die dieses Thema in ihren Kinderbüchern verarbeitet. „Kinder glauben ganz fest an Elfen, Feen und Trolle“, so die Autorin. Auch Erla Stefansdottir ist von ihrer Existenz überzeugt. Das Bauamt in Reykjavik engagiert die Dame des Öfteren, die auch bereits für den Tourismusverband drei Elfenkarten gezeichnet hat. Die über 70 Jahre alte Frau spürt Orte auf, an denen Elfen und Gnome leben können und gibt Ratschläge, ob hier gebaut werden kann oder nicht. In einem 2004 von ihr veröffentlichtem Buch hat Erla Stefansdottir ihr gesamtes Wissen zusammengefasst.  

Gibt es Elfen auf Island?

Mehr als 50 Prozent der Bewohner Islands glaubt an die Existenz von Elfen und ein noch größerer Teil der Bevölkerung ist gewillt, die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass Elfen existieren. Es liegt vielleicht daran, dass die spezifische Landschaft, das Vulkangestein und die Felsen u.v.m. selbst aus einer Märchenwelt stammen könnte. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Island sehr isoliert und von der realen Außenwelt abgeschnitten zu sein scheint, wie es kaum auf ein anderes Land zutrifft. Dadurch bleibt der Volksglaube an die Fantasiegestalten bestehen. Der Elfen-Fachkundige Magnús Skarphédinsson will 12.000 Augenzeugenberichte über mehrere viele Jahre gesammelt haben, von Menschen, die glauben, schon einmal einen dieser Naturgeister getroffen zu haben. Der Historiker hat mit seinem Fachwissen über die kleinen Wesen eine Schule eröffnet. 

Was man in der Elfenschule lernen kann

Skarphédinssons Elfenschule erweist sich besonders bei Touristen als populär. Hier gibt es einiges zu lernen:

• über die 13 unterschiedlichen Arten von Elfen

• über die verschiedenen Sorten von Feen

• über die Unterschiede zwischen Trolle, Gnome und Zwerge 

Dieses Wissen ist notwendig, um letztendlich das Abschlussdiplom der Elfenschule sein Eigen nennen zu können. Dazu müssen die Teilnehmer aber auch die Unterschiede der einzelnen Gattungen benennen können. Hierbei ist allerdings nicht nur trockenes Pauken und Auswendiglernen von Daten und Wissen gefragt. Vielmehr begeben sich die Wissbegierigen auf Entdeckungstour und erforschen geheimnisvolle Orte, Felsen, Hügel und Steine, wo sich die bezaubernden Wesen meistens aufhalten sollen. Diese Ausflüge nehmen meistens nur einen halben Tag in Anspruch, dabei können die Hobby-Elfenforscher allerdings viel über Islands Mythologie lernen und die beeindruckende Landschaft genießen.

Wo kommen Elfen her? 

Der Legende zufolge hat Eva, die Mutter aller Menschen, auch die Elfen erschaffen. Diese bekam nämlich unverhofft und plötzlich Besuch von Gott und musste schnell alle ihre Kinder waschen. Dabei vergaß sie allerdings die Hälfte all ihrer Kinder und musste die ungewaschene Hälfte vor Gott verstecken. Deswegen werden diese Kinder auch das „kleine Volk“ genannt. Auf Isländisch heißen sie „huldufólk“. Es handelt sich also um Kinder, die sich vor dem menschlichen Auge verbergen. 

Was ist der Unterschied zwischen Elfen, Trolle, Gnome und andere Naturgeister?

Wer nicht unbedingt die Reise ins weit entfernte Island antreten möchte, es sich nicht leisten kann oder aus sonst irgendeinem Grund nicht die Möglichkeit dazu hat, kann hier schon etwas über die mystischen Fabelwesen erfahren: 

Magische Wesen / Charakteristika

Elfen: Elfen, oder auf Isländisch auch „Álfar" genannt, haben sehr dünne Beine, verwuschelte Haare und große, seltsam geformte Ohren

Troll (Ghulen): Der Troll hat seinen Weg aus Norwegen nach Island gefunden. Er hat in der nordischen Mythologie seinen Ursprung. Insbesondere die speziellen isländischen Felsformationen können im richtigen Licht und bei der entsprechenden Witterung mit ein wenig Vorstellungskraft wie diese Ungeheuer aussehen. Etwas feindseliger als die anderen Naturgeister leben sie in düsteren Höhlen oder Grotten. Sie kommen nur im Dunkeln heraus und müssen sich bei Sonnenaufgang wieder zurückziehen. Trolle können besonders Menschen sehr gefährlich werden. So wurde schon der eine oder andere Mann von einer Trollfrau verführt und danach nie wieder gesehen. Manche Trolle spielen auch zur Weihnachtszeit eine gesonderte Rolle. Ähnlich wie der Nikolaus bzw. Weihnachtsmann belohnen sie brave Kinder und bestrafen unartige Kinder. 

Gnom: Auch Jardvergar genannt, kann der Gnom gerade einmal bis zu 12 cm wachsen. Sie leben untereinander in menschlichen Gesellschaftsstrukturen.

Zwerge: Sie werden größer als Gnome, haben spitze Hüte, Bärte, tragen bunte Kleidung. Sie können sehr aufbrausend, aber auch sehr nett und freundlich sein.

Wiedergänger (Afturganga): Verstorbene, die wieder unter die Lebenden zurückkehren und diese in Höhlen entführen. Sie können das Wort „Gott“ (isländisch: Gud) nicht aussprechen und sind deswegen leicht auszumachen.

Tabelle: Die isländische Mythologie ist extrem reichhaltig und insbesondere von nordischen Legenden und Sagen beeinflusst. Die Fabelwesen und Kreaturen können freundlich gesinnt sein oder dem Menschen gefährlich werden. Obwohl hauptsächlich mit negativen Aspekten und Eigenschaften in Verbindung gebracht, hat vor allem der Troll viele Aufgaben zu erfüllen. 

Welchen Einfluss haben die Naturgeister auf die heutige Gesellschaft Islands?

Wie schon angedeutet, sind diese Naturgeister und fantastischen Wesen insbesondere in der Vorstellungskraft der isländischen Bevölkerung lebendig wie eh und je. Das geht sogar so weit, dass diese unsichtbare Bevölkerung bei Bauvorhaben berücksichtigt werden muss: So wurde das Sprengvorhaben eines Felsen ausgesetzt, weil es sich dabei angeblich um die Behausung von Elfen handelte. Dieser sollte eigentlich zerstört werden, um für die Erweiterung einer Hühnerfarm Platz zu machen. Jedoch wollten die Hühner plötzlich keine Eier mehr legen. Nachdem die Sprengung gestrichen wurde, gab es keine Probleme mit den Hühnern. Der besagte Fels befindet sich mittlerweile als Kulturgut im Staatsmuseum.

Was ist die Aufgabe von Naturgeistern?

Damit allerdings nicht genug: Wenn die ursprünglichen Häuser und Heime der unsichtbaren Naturgeister doch aus irgendeinem Grund dem Menschen Platz machen mussten, bauen die isländischen Einwohner neue Behausungen. Diese kleinen Bauwerke befinden sich in Vorgärten, auf Balkonen, auf einem Hügel oder hinter einem Stall und sind liebevoll gestaltet. Die fantastischen Wesen haben eine ganz spezifische Aufgabe in der isländischen Kultur, die offensichtlich sehr ernst genommen wird: Sie sollen den Menschen dazu anhalten, die Natur zu achten, zu ehren und natürlich zu schützen.        


Tags: Elfen
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