PinkParticle 10.11.2012, 18:48 Uhr 2 1

Fast hatte sie es geschafft, doch dann...

Sie freute sich auf ihre neue Zukunft. Eine Zukunft voller Liebe, doch dann kam der Dienstwagen.

Sie schaute noch einmal zurück, bevor sie um die Ecke verschwand, bepackt mit einem großen schweren Koffer.
Nachdem sie um die Ecke bog, beschleunigte sie ihr Tempo.
Wurde schneller und leichter zugleich. Ihr war ein Stein vom Herzen gefallen.
Die ganze Anspannung war auf einmal weg. Sie fühlte sich frei.
Es war einfacher, als gedacht, niemand hatte sie aufgehalten, sich ihr in den Weg gestellt.
War das die Ruhe vor dem Sturm oder hatte sie es wirklich geschafft?

Lauren wollte schon seit Jahren von Zuhause fliehen, weg von ihrem gewalttätigen Ehemann. Nie hatte sie den Mut gefasst. Oft waren die Koffer bereits gepackt, doch jedes Mal hatte sie Angst. Jedes Mal kam etwas dazwischen. Jedes Mal kam das schlechte Gewissen.
Doch jetzt, jetzt war sie frei. Doch sie musste sich beeilen.
Ihre Freundin Fjorda wartete an der nächsten Tankstelle auf sie. Sie wollten an einen Ort, den er nicht kannte. An einen Ort, an dem Lauren für die erste Zeit sicher sein würde. Sie wollten in das alte Ferienhaus Fjordas' Eltern. Sie hatten sich vorgenommen, es zu renovieren, während sie dort waren.

Lauren schaute auf ihre Uhr und sah, dass Fjorda bereits seit zehn Minuten auf sie warten musste.
In einer Stunde haate ihr Mann Mittagspause, in der er immer nach Hause kam. Dann würde er feststellen, dass sie weg war, dass sie ihn verlassen hatte.
Sie musste sich beeilen. Sie rannte mit dem Koffer die Straße entlang.
Fast war sie da. Fast hatte sie die Tankstelle erreicht.

Doch auf einmal bog der Dienstwagen ihres Mannes um die Ecke.
Sie blieb abrupt stehen und wusste, dass es kein Entkommen gibt, dass sie sich nie von ihm trennen könnte, denn er würde sie immer finden. Immer würde er sie aufspüren.

Natürlich sah er sie, hielt an, stieg aus, lächelte mit dem falschen Lächeln, was sie so hasste, nahm ihr den Koffer ab und hielt ihr die Tür auf. Ohne etwas zu sagen stieg Lauren ein. Mit Tränen in den Augen schaute sie aus dem Fenster, dachte an Fjorda, dachte daran, dass sie es wieder nicht geschafft hatte und dabei wollte sie doch nur eine sichere Zukunft für sich und ihr ungeborenes Kind.
Er wusste da nichts von, sie hatte es ihm nicht gesagt.
Sie war so glücklich gewesen, als sie es erfuhr, dachte, dass sei ihre Chance, ihre einzige Möglichkeit endlich genug Mut zu fassen, um ihrem Kind nicht diesen Vater geben zu müssen.

Doch sie hatte versagt. Wiedereinmal.


Tags: Familie, Familienprobleme, Familientherapie, Gewalt, Schwanger, froh, Zukunft, Frau, Mann, Ehemann, Ehefrau, Ehepaar
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2 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Eine knappe Erzählung. Liest sich gut.

    Wenn Du das Thema erneut aufgreifen solltest:

    Was geht in Lauren vor, dass sie den Mann nicht wirklich verlassen kann. Trotz Schwierigkeiten könnte sie in ein Frauenhaus, zu einer "entfernten" Verwandten.

    Kann es sein, dass sie irgendetwas tief an ihn bindet, trotz oder gerade aufgrund seiner Gewalt-Straftaten?

    Könnte man in einer zweiten Geschichte zum Thema aufgreifen.

    10.11.2012, 21:19 von TilmannKleye
    • 0

      Dankeschön für deinen Tipp :) Werde ich drüber nachdenken.

      11.11.2012, 13:52 von PinkParticle
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