Einzug. Ein Zug.
Soviel steht fest – auf einen Zug geht hier mal gar nichts. Schon gar nicht der Einzug.
Wenn man frisch verliebt ist, malt man sich das ja immer so wunderbar aus – wie toll man die Zeit von jetzt an miteinander verbringt, wie abenteuerlich sich Unternehmungen Hand in Hand gestalten, wie wundervoll man zu zweit die berühmten Tage mit dem berühmten Leben füllt, wie die gemeinsame Zukunft aussieht: Hochzeit, Haus und Horde (Küche, Kinder, Katzenkotze – wenn man realistisch bleiben will)…
Die großartigste all dieser Rosarotebrillevorstellungen ist aber: wir ziehen zusammen! Jawoll – wir bauen ein Haus, wir richten uns ein, wir machen’s uns schön in unserer Burg und zwar so schön, dass wir da nie mehr wieder raus wollen.
Bis es dann soweit ist und man sich an irgendeinem Punkt fragen muss, ob es eigentlich je in diesem Leben noch passieren wird, dass man überhaupt erst mal rein kommt in die Hütte. Also ´rein kommt´ im Sinne von „drin wohnen“ und nicht nur im Sinne von „ich bewege mich zwischen Holz- und Steinhaufen, Isoliermaterial, einer Heizung die schon gleich nach dem Einbau nicht funktioniert, Putz, der runterbröckelt, bevor er überhaupt richtig dran ist, wild auf dem Betonboden verstreuten kleineren und größeren Maschinerien und einer Hundertschaft Handwerker, die innerhalb weniger Tage die Jahresabfüllung an Bier einer mittelständischen Brauerei vernichtet“.
Nun, wir gehören also zu den glücklichen und gesegneten Menschen, die einen Baugrund erworben und darauf ein Häuschen gebaut haben. Alle Menschen, die uns kennen (und das Häuschen noch nicht), sagen uns immer, was wir für ein tolles, schickes Haus haben Klar – die kennen es ja auch alle nur von außen! Derjenige, von dem das Sprichwort „Außen hui, innen pfui!“ stammt, hatte diesen Geistesblitz garantiert beim Bau seines Eigenheims.
Dabei fing alles mal so toll an. Ruckzuck ging das und der Rohbau stand, Dach drauf, Fenster und Türen rein und fertig. Ratzfatz außen Farbe dran und dann mussten wir es ja nur noch einrichten! Nur noch? Nur noch!?! Sofern nicht schon vorher geschehen – spätestens hier tun sich partnerschaftliche Abgründe auf.
Wusste ich, dass meine bessere Hälfte auf die Farbe Flieder steht? Nein, denn hätte ich es gewusst, hätte ich nie, wirklich niemals, zugestimmt, dass er Wohnzimmer, Esszimmer, Küche ohne mein Beisein ausmalt. Wie hätte ich ahnen sollen, dass „Die Farbe wird eine Überraschung“ bedeutet, dass er die Wände rings um die rötlichen Kamin-Sandsteinplatten fliedert!
Wir haben nun also rötlich-fliederfarbene Räumlichkeiten – kommentiert mit: „Ich kann mir das irgendwie halt vorher immer nicht so vorstellen.“
Genau das gleiche Argument hätte auch fast dafür gesorgt, dass diverse mobile und immobile Einrichtungsgegenstände ohne Rücksicht auf Verluste, vor allem aber ohne Rücksicht auf Machart, Farbe, etc. wild durcheinander kombiniert worden wären. Nach der fliederfarbenen Verirrung an den Wänden ward jedoch mein Argwohn geweckt und ich hielt es für sicherer, mich bei künftigen Anschaffungen einzumischen. Und zwar wenn nötig so lange und intensiv, bis ich Recht bekam.
Doch die schlimmste Erkenntnis von allen war: mein Mann kann! Zumindest denkt er das – und lässt sich auch durch diverse selbstgezeugte Gegenbeweise nicht davon abbringen.
Das Bad? Mauern wir selber. Weil er hat da eine ganz tolle Idee. Die am Ende darauf raus läuft, dass sich die Dusche nun fast direkt vor dem Fenster befindet. Und das Fenster sich direkt gegenüber vom stark frequentierten Tennisplatz. Aber „man duscht ja ohnehin nur zu Zeiten, wenn da sowieso keiner mehr ist“.
Parkettboden? Können wir selbst verlegen. Ist doch kein Hexenwerk. Bisschen Kleber drunter, Bretter drauf, fertig. Wenn ich jetzt aufzählen müsste, wo der Parkettkleber sich am Ende in sämtlichen Räumen befand, würde das den Rahmen sprengen – überflüssig stattdessen, zu erwähnen, wo er sich NICHT befindet.
Möbelkauf inklusive Montage? Nein nein, Monteure brauchen wir nicht, können wir selber! Was sehr wohl stimmen mag, lässt man die Tatsache außer acht, dass allein schon der Versuch (!), den Hängeschank im Wohnzimmer selbst zu montieren darin geendet hat, dass die Wohnzimmerwand neu verputzt und gestrichen werden, die Rückwand des Schränkleins ausgetauscht werden musste und der Spaß garantiert teurer war, als die Montage durch Profis je hätte sein können!
Der Anekdoten gäb es noch viele.
Beruhigend ist jedoch das Wissen, dass mein Holder all seine Energie in den letzten Wochen darauf verwendet hat, seine Werkstatt – sein Heiligtum! – so liebevoll einzurichten und zu gestalten, dass ich meinen Schnapszahl-Geburtstag nächstes Jahr dort feiern kann, ohne die Gäste ins Haus lassen zu müssen. Ich stell einfach noch ein Bett hinter einen Paravent und sage: hier wohnen wir. Und es wird nicht mal auffallen.



Kommentare
unterhaltsam!
30.12.2011, 11:45 von Giannawenn ich bedenke, wie wir schon beim einzug in unsere wohnung uns gekabbelt haben, möchte ich ja lieber nicht wissen, wie das bei euch noch endet.
hahaha, geil! xD
30.12.2011, 01:02 von Konfuse_Muse