JollyMacKay 29.10.2008, 09:14 Uhr 2 0

Ein Tag wie ein Kopfschmerz.

Ich hatte gestern einen echt beschissenen Tag, aber da war auch viel Gutes dabei.

Im Moment beginnen meine Tage alle ein wenig eintönig – aber nicht langweilig – um dann in einem Crescendo zu enden. Wenn am Morgen mein Mann mit meinem Sohn das Haus verlässt, um ihn in die Kita zu bringen, gehe ich in die Küche um mir einen Kaffee zu kochen. Koffeinfrei. Es geht nur ums Prinzip. Wach macht´s mich nicht. Dann setze ich mich auf die Couch, stille meine Tochter (zum 3. Mal an diesem Tag) und sehe dabei die Nachrichten um 8 im Morgenmagazin. Ist das Morgenmagazin zuende wird gewickelt und gefrühstückt. Und schon ist es 10 Uhr. Entweder ich versuche dann noch mal ein wenig zu dösen oder ich sehe Scrubs. Um 11 Uhr wird wieder gestillt und alles beginnt von vorn.

So zieht sich der Vormittag in den Mittag und von dort geht´s weiter bis zum frühen Nachmittag. Die Zeit verfliegt ohne dass ich auch nur irgendetwas Effektives tue. Doch bei etwa 14 Uhr angekommen wird´s hektisch. Ich packe eine Wickeltasche: Wechselklamotten für Sohn und Tochter, Windeln für beide, Feuchttücher, Trinkflasche für Sohn und mich, Spucktücher, Babydecken, Kekse, Apfel, ... viel Kram eben. Dann muss ich los, um meinen Großen aus der Kita zu holen. Ich habe eine Stunde gebraucht, bevor ich das Haus verlasse.

Gestern entschied ich mich für den „kleinen“ Kinderwagen, nur für´s Baby. Statt des großen Doppelwagens, der leider recht sperrig daherkommt. Es schüttete in Strömen. In der Kita angekommen war meine Tochter schlechter Laune wegen Hungers, mein Sohn wegen Müdigkeit und Tatendrang zugleich. Kinder sind manchmal so zwiegespalten. Spielplatz mit den anderen Kita-Müttern machte keinen Sinn, wie gesagt, es goß aus Eimern. Wir entschieden uns für einen Cafébesuch. Eine dumme Idee.

Die drei Zweijährigen, darunter mein Sohn, tobten durch das Café, dass es ein Grauen war. Kein Kuchen, keine Apfelschorle, kein Buch und kein Keks konnte sie auf den Stühlen halten. Der eine sprang eine Treppe rauf und runter, die andere hüpfte vom Heizkörper, der nächste warf mit Kuchenkrümeln. Der Geschwistersäugling meiner Freundin entschied sich für einen lautstarken Stillstreik, mein Baby hatte Blähungen. Ein Alptraum. Nach einer Stunde und schnell heruntergeschlungenem Kuchen entschieden wir uns für einen Abbruch.

Die Jacken-Anziehprozedur wurde zum Kraftakt. Immer sprang ein Kind davon, schrie ein anderes extrem laut durch den Raum oder griff eins in den Kinderwagen, um das Kleine zu ärgern. Ich war gerade dabei meiner Tochter die kleinen Wollschühchen anzuziehen, da stieß eine Frau am Nebentisch ihren Stuhl zurück und rannte zur Tür heraus. Zurück kam sie mit meinem Sohn, der in diesem unbemerkten Augenblick die Gelegenheit genutzt hatte um Reißaus zu nehmen und am Straßenrand die Autos zu zählen. Mir fiel das Herz in die Hosentasche und eine Träne aus dem Auge. Mein Gott, ich bin eine grässliche Mutter. Wie konnte mir das passieren? Die Frau raunzt mich zu recht an: „Das Kind stand auf der Straße! Das ist ja unglaublich!“ Ich werde ganz klein. Ziehe meinem Sohn schnell wortlos seine Jacke an und küsse ihn dabei ständig und drücke ihn fest an mich. Bevor wir das Café verlassen, gehe ich zum Tisch der Frau und bedanke mich. Entschuldigen muss ich mich bei ihr nicht. Eher bei meinem Sohn. Ich tu´s trotzdem.

Der Tag ist noch nicht vorbei, ich muss auf dem Weg zum Auto noch zur Apotheke, um ein Rezept vom Kinderarzt einzulösen. Reicht der Parkuhrzettel noch aus so lang? Muss jetzt. Der Weg zuerst zum Auto, dann zurück zur Apotheke ist zu weit im strömenden Regen. Die nette Apothekerin hat alles parat und sogar Verständnis für den im Kreis rennenden Zweijährigen, der soeben beginnt die Tagescremes aus einem Regal zu räumen, während seine Mutter versucht den schon wieder hungrigen Säugling zu beruhigen. Dumm nur, dass mir beim Blick in den Geldbeutel auffällt, dass meine EC-Karte gar nicht im eigentlichen Fach steckt. Bargeld ist aus. Liegt im Café. 26,61 Euro in der Apotheke jetzt offen. Ich entschuldige mich – schon wieder – und erkläre, dass ich einfach morgen noch mal kommen werde, um die Rezepte einzulösen. Die Apothekerin sieht sich die Schachteln an und sagt: „Nehmen Sie die Medikamente doch einfach mit und kommen morgen noch mal vorbei um zu zahlen.“ Ich weiß nicht, wie ich mich bedanken soll und verlasse gerührt die Apotheke.

In Richtung Auto. Der Blick auf die Uhr sagt: Du bist seit 12 Minuten Falschparker. Der Polizist am Fahrzeug sagt: „Seit 15 Minuten.“ Setzt dann aber hinterher: „Ich drück noch mal ein Auge zu. Das nächste Mal aber muss ich Sie aufschreiben.“ Ich entschuldige mich – wie immer – und danke ihm – wie immer. Nachdem beide Kinder in den Autositzen und der Wagen im Kofferraum verstaut sind fahre ich endlich nach Hause. Es ist erst halb 6, stockdunkel und ich möchte sofort einschlafen. Aber es bleiben noch weitere drei Stunden und leider hat mein Mann heute seinen freien Abend.

2 Antworten

Kommentare

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    bewundernswert, auch wenn das doof (unwissend) klingt. wann bloß hast du die zeit, so einen artikel zu schreiben???

    14.11.2008, 23:34 von Aloisia
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      @Aloisia das dauert ca. 20 Minuten. Und auch, wenn man immer wieder sagt wie stressig, anstrengend und vollgestopft so ein tag ist.. irgendwann hat man ja auch bespielsweise mal die gelegenheit auf´s klo zu gehen. was den tag sicher nicht weniger anstrengend macht ;)

      15.11.2008, 11:44 von JollyMacKay
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    und wo ist das "viel Gutes"?? du schreibst es zwar nicht, aber ich weiss, was du meinst....
    schöner text! wünsch dir viele gute nerven!! und weiterhin viel spass...;-))

    29.10.2008, 11:09 von tante-ju
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      @tante-ju in dem fall meinte ich einfach nur die netten leute, die mir gestern begegnet sind. das war wirklich klasse.

      muss noch dazu sagen: nicht jeder tag ist so!
      vorgestern zum bespiel waren wir 2 stunden beim arzt für vorsorgeuntersuchungen bei beiden kindern. da waren beide wirklich traumhaft und entspannt. das war ein wellness-kinderarztbesuch, wie ich ihn noch nie erlebt hab!
      beide kids sind toll. schlechte tage sind dabei.

      29.10.2008, 11:24 von JollyMacKay
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