Ein kleiner Tribut
Mal will der Arm nicht, kurz darauf wird er fast blind.
Daniel ist ein Mann, der sein zweites Kind im Juli erwartet. So würde man ihn wahrscheinlich jemanden beschreiben, der ihn nicht kennt. Schließlich sind Kinder ja was tolles. Die muss man gleich ganz am Anfang einbauen.
Ich würde Daniel als Kämpfer vorstellen. Kämpfer deshalb, weil er seit acht Jahren MS hat. Multiple Sklerose.
Eine Krankheit, die gegen den Körper selbst wirkt, die feine Myelin-Schicht der Zellen zerstört und somit für Ausfälle entsprechender Körperregionen führt. Ziemlich zum Kotzen. Mal will der Arm nicht, kurz darauf wird er fast blind.
Aber Daniel kämpft. Geht arbeiten, als Fahrlehrer, ist erfolgreich. Dann ein neuer Schub. Ja, Schub nennt man diese heimtückischen Angriffe, die durch eine Entzündung im Gehirn hervorgerufen werden. Diesmal ist es die Gesamte linke Körperhälfte. Als wäre alles einfach eingeschlafen.
Wieder einmal ins Krankenhaus. Wieder einmal Cortison. Das hilft die Entzündung einzudämmen.
Doch diesmal ist die Krankheit stärker. Der Schub bleibt.
Also das ganze Programm. Eklige Untersuchungen, Reha-Antrag stellen, ständig MRT. Und dabei hübsch lächeln, wenn die Frau und der Sohnemann kommen. Man muss ja stark sein, die anderen haben schon genug Angst.
Nun, um abzukürzen, die Reha hat am Ende doch ein bisschen geholfen. Zwar litt er selbst und die Familie darunter, schließlich lässt sich eine Differenz von 250 Kilometern nicht so leicht überwinden Laufen konnte er wieder, der Arm war nur noch manchmal nicht zu gebrauchen. . Aber immer schön lächeln, dann wird alles gut.
Jedoch Fahrlehrer konnte er nicht bleiben. Dafür waren die Überbleibsel des Schubs zu groß.
Somit kam zunächst die Arbeitslosigkeit. Hieran würden viele durchdrehen. Aber Daniel kämpft. Macht jetzt eine Umschulung. Ein Schreibtischjob. Nicht sein Traum, aber hier kann er auch im Rollstuhl arbeiten.
Und auf die Fragen, ob er nicht Angst hat, wieder einen so schlimmen Schub zu haben, ob er sich nicht vor der Zukunft fürchte, ob er glaube eine Familie ernähren zu können, antwortet er:
„Im Juli werd` ich noch einmal Vater. Ein Mädchen. Wir werden sie Annika nennen.“




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