lenina 16.03.2007, 20:22 Uhr 15 5

Ein guter Tag

Was mir bei der Beerdigung eines fremden Menschen widerfuhr.

„Weißt du, wer gestorben ist?“ fragt mich mein Vater. Gerade hatte ich einen Abend mit meinen Freundinnen verbracht. Wir hatten Raclette gemacht und viel gelacht. Bei dem ganzen bunten Treiben im Leben war es immer schön, an einem Freitagabend zusammenzukommen und alte Gesichter zu sehen. Als ich an diesem Abend nach Hause komme, spüre ich so eine gewisse Leichtigkeit wie man sie nur spüren kann nach einem Abend mit Freunden. Ein Lächeln umspielt meine Mundwinkel und ich bin ganz zuversichtlich was die Zukunft angeht. Heute würde ich bestimmt gut einschlafen können.

Und zack, da war er. Der eine kleine Moment, der dafür sorgt, auf dem Boden zu bleiben. „Weißt du, wer gestorben ist“, fragt mein Vater. Er trifft irgendwie den falschen Tonfall. Besser würde passen, „weißt du, wen ich heute wiedergesehen habe?“. Aber längst weiß ich schon, hierbei geht es um das nicht-wieder-sehen.
Und da es eine rhetorische Frage ist, verneine ich automatisch und möchte am liebsten ein „und ich will es auch gar nicht wissen“ hinterherschieben. Nein, ich möchte diesen Abend in diesem schönen Licht lassen und in Seelenruhe schlafen gehen.

Tante Rosi. Meine Uroma. „Kennst du sie noch?“ Ein fragender Blick. Ich antworte, dass ich weiß, wen er meint. Ob ich sie kenne? In etwa so gut wie meine Kindergärtnerin oder meine Grundschullehrerin. Denn in etwa so lang ist es her, dass ich sie das letzte Mal gesehen habe. Ich stehe da, und warte auf eine Reaktion. Wann kommen sie, die Tränen. Der Kloß im Hals. Die Erinnerung an das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe. Doch in mir regt sich nichts. Ich fühle mich hilflos, weil ich einfach nicht verstehe, dass sich da nichts regt. Mein Vater fügt noch an, dass ich mich vielleicht auf der Beerdigung blicken lassen sollte. Er wisse auch, dass ich Beerdigungen nicht leiden kann.

Endlich regt sich etwas in mir, nur ganz klein und kaum merklich. Ein schlechtes Gewissen. Ich schiebe die Schuld auf meine Eltern. Dabei haben sie den Kontakt noch nicht mal verboten. Früher, da war ich oft bei ihr. Meine Mutter hat ihr die Wohnung geputzt und ich habe was von dem „Essen auf Rädern“ abbekommen.
Und plötzlich gab es diese Geschichte mit dem Stock und dann sind wir nie wieder dort hingefahren. Ich schmunzle. Dass mir das erst jetzt bewusst wird.

Ich würde also zur Beerdigung gehen. Vor zwei Tagen hatte ich gehört, dass sie es gern hatte, wenn viele Leute zu ihren Feiern kamen. Das Haus sollte an solchen Tagen immer voll sein. Um es beim Namen zu nennen, ich wollte ihr einen letzten Gefallen tun. In der Kapelle zähle ich genau 23 Personen. Der Pfarrer ist Nummer 24. So ähnlich wie Weihnachten, denke ich. Rechts hinten in der Ecke nehme ich Platz. Die Reihe vor mir ist noch frei. Kalte Wand hinter mir, kalte Wand neben mir. Hoffentlich sieht mich keiner.

Mit dem Rücken zu uns erzählt der Pfarrer von besonders weit geöffneten Türen und dass Jesus uns jetzt alle einlädt. Um den Schmerz zu vergessen und durch die Dunkelheit zu schreiten. Ich sitze auf der Stuhlkante. Die Hände zwischen die Knie gesteckt. Der Pfarrer dreht sich zu uns. Er erzählt ein wenig aus ihrem Leben. Wo sie gewohnt hat und wann sie gestorben ist. Er durchbohrt mich mit seinem Blick. Ich fühle mich ertappt, lasse mich zurück in den Stuhl sinken.
Sie sei eine Frau gewesen, der es immer sehr am Herzen lag, den Kontakt zu den Enkeln und Urenkeln aufrecht zu erhalten. Dann wird die Urne hinausgetragen und in die Erde niedergelassen. Es wird gebetet. Die Sonne kitzelt im Gesicht. Nacheinander wirft jeder eine Schaufel Erde in die Grube.
Dann bin ich an der Reihe. Ob ich das schaffe? Alle Blicke richten sich auf mich und ich fühle mich, als müsse ich ein Geständnis abgeben.

Ich weiß nicht, wann mir das letzte Mal etwas so schwer gefallen ist. Ich schlucke. Mir rutscht die Tasche von der Schulter. Ob das wohl jemand gemerkt hat? Jetzt weiß ich, warum man auf Beerdigungen keine Taschen mitnimmt. Ein Beerdigungskaffee war nicht geplant. Die meisten treffen sich bei meiner Großtante. In welchem Verwandtschaftsgrad wir zueinander stehen, erfahre ich auf der Heimfahrt. Ich lasse mich überreden, mitzugehen. Vielleicht kann ich hier etwas über meine Uroma erfahren. Es wird viel Kuchen gegessen, gelacht. Wir reden von der Zukunft. Die älteren beneiden mich. Nochmal so jung sein, so frei entscheiden können, vieles anders machen. Fast nebenbei erwähnt jemand, dass es ja nun fast zwei Jahre her ist, dass man sich das letzte Mal gesehen habe.

Meine Mutter soll doch einfach mal auf einen Kaffee vorbeikommen. Sie wird sich wegen des Jobs dann mal melden. Mein Opa erwähnt, dass er vielleicht wieder in die Nähe ziehen möchte. In ein kleines Dorf und ein altes Haus. Über meine Uroma fällt nicht ein Wort. Auf dem Heimweg frage ich meine Mutter, warum man das nicht öfters macht. Sich einfach mal zusammen setzen. So für ein Stück Kuchen und Kaffee. Man versteht sich doch so gut. Sie weiß es nicht. Sie kann es sich selbst nicht erklären. Als ich aus dem Auto steige, muss ich schmunzeln. Ich halte inne. Was geschehen ist, kann man nicht ändern. Aber man kann für die Zukunft daraus lernen. „Das war ein guter Tag“ sage ich und wende mein Gesicht der Sonne zu.

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    So, nun möchte ich mich hier auch zu Wort melden, bevor sich die Parteien die Augen auskratzen.

    Zu allererst denke ich, hat jeder das Recht Kritik zu äußern, egal ob positiv oder negativ. Negativ hilft dem Autor meist mehr, weil er sich nicht in den Lobworten suhlt, sondern ernsthaft überlegt, was er beim nächsten Mal besser machen kann. Daher bin ich über jede Art von Kritik dankbar solange sie konstruktiv ist - denn negative Kritik ist immer noch besser als gar keine Kritik. Das zeigt wenigstens, dass man irgendwas in dem Leser "berührt" hat. Denn weiter stelle ich meine Artikel nicht online, um auf Seite 1 zu gelangen. Sondern 1. um den Lesern mit den Texten anzusprechen, zu erreichen, dass sich in den Lesern irgendwas regt. Und 2. um ehrliche und aufrichtige Kritik an meinem Stil zu erhalten.

    Allerdings weiß ich auch nicht, ob die Kritik an der Neon-Redaktion in den Kommentaren unter den Artikeln richtig platziert ist, da muss ich Steffi recht geben.
    Dass auf Seite 1 nicht immer unbedingt die literarisch hochwertigeren Texte erscheinen habe ich womöglich auch selbst schon feststellen müssen (hier muss ich Deurich recht geben, dass leider einige sehr gute Texte es nie auf Seite 1 geschafft haben). Daher möchte ich mich auch nicht dazu äußern, ob mein Text hierhin gehört oder nicht.

    Dennoch möchte ich daran erinnern, dass man sich im Klaren darüber sein soll, welchen Sinn und Zweck das Neon Online-Magazin verfolgt und dass darüber die Neon-Redaktion noch am besten bescheid wissen sollte. Was die Leser bzw. User daraus machen, mag ein anderer, vermütlich eben so diskutier-würdiger Punkt sein.
    Daher hätte Deurich nicht nur den einen Teil meines Gästebucheintrags zitieren sollen, sondern auch folgenden:

    „Manchmal besteht die Kunst (hier könnte man „leider“ einfügen) nicht darin, literarisch hochwertige Texte zu kreieren. Sondern manchmal besteht die Kunst darin, dass zu schreiben, was der Leser (hier das Neon-Kollektiv) lesen möchte.“

    Ich hoffe auf weitere Stellungsnahme. Danke.

    13.04.2007, 12:26 von lenina
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    ach steffy!!

    "Vielen Dank für deine aufrichtige und ehrlich Kritik, es gibt kaum etwas, was einen "Autor" besser vorran bringt!"

    es tut mir leid dich enttäuschen zu müssen - aber eben jenes schrub mir die autorin!
    und konstruktiver als einem textauszug die fehler/missgeschicke aufzuzeigen kann man nicht mehr sein! oder soll ich mit der autorin bei einem netten kännchen kaffee den kompletten text durchsprechen, redigieren und lektorieren?
    Steffy?
    der preis für den sinnlosesten kommentar geht also -tata- an DICH! herzlichen glückwunsch!

    wie immer,
    der deurich

    12.04.2007, 22:50 von Der_Misanthrop
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    @ Steffy
    nun ja.. in kommentaren tut man seine meinung kund. deine ist, dass dir als einfältigem leser der text gefällt (deine worte, nicht meine). meine ist: netter versuch, berührt mich leider nicht.
    die kommentare sind ja auch da, um seine ansichten über den text mit anderen lesern auszutauschen. mich hat beispielsweise interessiert, dass auch andere den text nicht als gut genug für die startseite empfunden haben. das würde ich nie erfahren, wenn sich alle nur bei der neon-redaktion beschweren würden. woher weißt du denn, dass ich z.b. das nicht auch getan habe oder tun werde? und wäre dieser text nicht auf der startseite gelandet, wäre es vielleicht ein viel besserer, den so auch niemals jemand lesen wird...

    12.04.2007, 22:44 von treschahanta
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    @ Der_Misanthrop:
    Finde ich auch!

    12.04.2007, 17:36 von treschahanta
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    naja auf seite eins... hm ich weiss nich

    12.04.2007, 11:07 von analog
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    Der Text, das Thema, der Schreibstil - sterbenslangweilig! Warum sollte ich denn das bitte lesen liebe Neon-Redaktion? Warum stellt ihr sowas auf Seite 1?
    Wenn's wenigstens gut geschrieben wär - aber bitte bitte lest euch doch nur einmal diesen Part durch:

    "Wir hatten Raclette gemacht und viel gelacht. Bei dem ganzen bunten Treiben im Leben war es immer schön, an einem Freitagabend zusammenzukommen und alte Gesichter zu sehen. Als ich an diesem Abend nach Hause komme, spüre ich so eine gewisse Leichtigkeit wie man sie nur spüren kann nach einem Abend mit Freunden"

    Nicht nur werde ich mit der sinnlosen Information vollgestopft das es Raclette gab (nur um "gemacht" und "gelacht" zu reimen) - nein, ich muss auch noch lesen das die werte Autorin am Freitagabend abends nachdem sie einen schönen Abend hatte nach Hause kommt! Von dem bunten Treiben will ich garnicht erst sprechen!
    Da gibt es doch nun wirklich 1000mal bessere Texte zu ebenjenem Thema!
    Schaut doch z.B. mal hier:
    http://www.neon.de/kat/fuehlen/familie/190333.html

    nichts für ungut,
    der deurich

    12.04.2007, 03:07 von Der_Misanthrop
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