marli 23.06.2010, 20:32 Uhr 1 0

Du sollst nicht lügen

„Und wie geht es dir so?“ „Super!“

Ich habe ein Dach über dem Kopf, kann es mir dann und wann leisten politisch korrekt einzukaufen und auf Facebook lache ich mit Freuden, oder zumindest Bekannten in die Kamera.
Es geht mir, sehr gut.
Neben meinem IPod liegt das Blackberry auf dem Nachttisch, ich bin 24/7 erreichbar.
Es geht mir, gut.
Bald werde ich für zwei Wochen zurück nach Hause gehen.
Es geht mir,...
„nach Hause“ sind Worte die ich benutze um auszudrücken, dass ich zurück nach Deutschland gehe um dort meine Familie zu besuchen. Oder zumindest diejenigen, die von meiner Familie übrig geblieben sind. Ein zu Hause habe ich nicht. Meine Möbel, Bücher, DVD´s CD´s die ich nicht mit mir nehmen konnte als ich los zog um die Welt zu sehen, sind in der Garage meines Bruders untergebracht, neben der Antik Sammlung unseres Vaters.
Ich rufe meinen Bruder also an;
Ich: „Kann ich für zwei Wochen bei dir schlafen?“
Bruder: „Muss das sein?“
Ich: „Es wäre nicht schlecht...“
Bruder: „Was ist denn mit Mama?“

Erinnerung an ein eher geführtes Gespräch;
Ich: „Kann ich für zwei Wochen bei dir schlafen?“
Meine Mutter: „Muss das sein?“
Ich: „Ja verdammt, dass muss sein, denn immerhin bin ich deine einzige Tochter die du seit Monaten nicht mehr gesehen hast, die nicht mehr von dir will als ein Dach über den Kopf und eine Matratze für zwei Wochen!“ Das wäre schön gewesen, aber stattdessen,
Ich: „ Ich kann auch A. Fragen.“
Meine Mutter: „Ja mach das mal lieber, wenn er nein sagt, sag ihm er soll sich nicht so anstellen...Du kannst aber gerne für eine Tasse Tee vorbei kommen.“
Ich: „Ok , wir sehen uns dann, ich hab dich lieb.“
Meine Mutter: „ Ok. Du rufst aber vorher noch mal an oder? Ich hab dich auch lieb.“

Zurück zum Gespräch mit meinem Bruder;
Ich: „Die sagt das ich dich fragen soll.“
Schweigen am anderen Ende der Leitung, ich hören einen Seufzer der mich an meine Kindheit erinnert und daran als mein Bruder versucht hat mir Schreibschrift beizubringen.
Bruder: „Ok. Aber nur wenn du versprichst mir nicht auf die Nerven zu gehen und hilfst mit dem Kochen und Putzen...!“
Ich: „Ja klar. Danke!“

Es geht mir, beschissen.
Viele meiner Freunde hier in meinem neuen zu Hause fragen mich warum ich nicht zurück nach Deutschland will, ob ich denn meine Familie nicht vermisse.
Klar vermisse ich sie, doch außer Blut verbindet uns seit zwei Jahren nur noch die Erinnerung an längst vergangene besser Tage.
Wir lieben uns, doch wir können es nicht mehr länger als ein paar Stunden zusammen unter einem Dach aushalten. Zu schmerzlich sind die Erinnerungen. Aber erkläre das mal in einem kurzen Gespräch unter Bekannten, die nur aus Höflichkeit fragen.
Von daher; Frage: „Wie geht es dir so?“ Antwort: „ Super!“

1 Antworten

Kommentare

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    jetzt wäre die vorgeschichte interessant, warum die familie so begeistert ist von deiner besuchsankündigung.

    24.06.2010, 16:11 von King-Lube-III
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