Dies ist die Geschichte von der kleinen Prinzessin Irgendwie
Es war einmal eine kleine Prinzessin, die hieß "Irgendwie". Du meinst, das sei aber ein komischer Name? Da hast Du Recht. Aber...
...die kleine Prinzessin Irgendwie wohnte im Land Ebenhier. Und in Ebenhier hatten alle kleinen Kinder solche seltsamen Namen.
Eines hieß "Sitzmalstill", eine anderes "Lassmichlos". Noch ein anderes „Fassnichtsan“ Ein kleiner dicker Junge hieß "Schlingnichtso". Ein anderer, sehr dünner Junge hatte den Namen „Issdasauf“. Es gab ein kleines Mädchen, das wurde "Tudasnicht" gerufen. Sein Bruder hieß " Ziehdichan“. Es gab einen, der hieß "Wegmitdir", ein Mädchen nannte man " Räumdasauf". Außerdem noch den kleinen "Mussdassein", die kleine rothaarige "Gehdaweg", die „Marschinsbett“ und die Zwillinge "Gehtjetztnicht " und „Gibtsjetztnicht“.
Und das waren nur die Kinder, die die kleine Prinzessin Irgendwie kannte. Wer weiß, welche seltsamen Namen die Kinder erst hatten, die sie nicht kannte?
Nun wirst Du sicher wissen wollen, warum die kleinen Kinder in Ebenhier alle so komische Namen hatten. Nun, das lag daran, dass die Eltern der kleinen Kinder in Ebenhier nie Zeit hatten. Und für ihre Kinder schon gar nicht.
Sie hatten noch nicht mal genug Zeit, sich Namen für ihre Kinder auszudenken.
Nein, in Ebenhier merkten die Eltern ja noch nicht einmal, dass ihre Kinder da waren, außer, wenn sie störten. Und weil kleine Kinder nun mal klein sind, passierte es auch oft, dass sie von den Großen umgerannt wurden. Da hieß es dann eben: „Ausdemweg“, oder „Passdochauf“ oder „Stehnichtrum“ oder „Rausmitdir“. Und weil die Eltern meistens dasselbe zu ihren Kindern sagten und sowieso nie Zeit hatten, weiter darüber nachzudenken, blieb es eben dabei.
Auch die Eltern der kleinen Prinzessin „Irgendwie“ hatten nie Zeit. Sie waren zwar der König und die Königin von Ebenhier. Aber gerade deshalb hatten sie noch viel weniger Zeit für die kleine Prinzessin.
Irgendwann fragte die Königin den König: Wie soll denn unsere Tochter heißen? Der König, der gerade wieder mit wichtigen Staatsgeschäften zu tun hatte, sagte: Ich habe keine Zeit. Nenn sie…ach nenn sie…irgendwie. Da die Königin auch keine Zeit hatte, sich weiter damit zu beschäftigen, denn der Hofschneider sollte ihr ein neues Prachtgewand anmessen, ließen die Eltern es dabei. So hieß die kleine Prinzessin eben ab sofort „Irgendwie“.
Ja…so war das in Ebenhier.
Eines Tages um die Mittagszeit spielte die kleine Prinzessin Irgendwie mit Ihren Freundinnen hinter dem Schloss, wo sie die Großen nicht störten. Sie flochten gerade Haarbänder aus Gänseblümchen. Da kam die kleine „Haltdenmund“. An ihrer Hand hatte sie ihren kleinen Bruder „Heulnichtrum“. Die beiden weinten. Aber sie weinten extra ganz ganz leise, denn es war Mittagszeit und da schliefen alle Eltern in Ebenhier ihren Mittagsschlaf. Den brauchten die Eltern in Ebenhier, weil sie sich ja ausruhen mussten. Denn sie hatten ja immer ganz viele wichtige und eilige Sachen zu tun. Und die waren ganz anstrengend. Und damit sie nach dem Mittagsschlaf wieder die ganz vielen wichtigen Sachen machen konnten, mussten sie ihre Ruhe haben.
Und wenn die Kinder dann zu laut waren, schimpften die Eltern „Störmichnicht“! oder „Seischonstill“! Also waren die Kinder ganz ganz leise.
„Warum weinst Du denn, Haltdenmund?“ Die kleine Haltdenmund hatte eine ganz rote Backe und ihr liefen die Tränen darüber. Sie schluchzte ganz leise. „Ich darf jetzt nicht mehr Haltdenmund heißen. Meine Eltern haben gesagt, ich heiße jetzt „Haudichblau“. Und sie haben mich gehauen.“ „Aber warum denn?“ „Weil ich gefragt habe, ob ich eine Trostschokolade für Heulnichtrum nehmen darf. Er ist doch noch so klein und weint so oft. Und heute hat er auch geweint und die Mittagsstunde war doch schon da und die Eltern wollten schlafen. Und da waren sie böse und haben geschimpft. Und dann haben sie mich gehauen und gesagt, ich heiße jetzt „Haudichblau“.“
„Das ist ja gemein!“ sagte die kleine Prinzessin Irgendwie. „Ja! Das finde ich auch.“ protestierte die kleine Gehdaweg.
„Wisst ihr, was? Ich finde, wir gehen jetzt woanders hin.“ Es gibt ein Land, dass heißt „Irgendwo“.
Da haben die Kinder ganz schöne Namen. Sie heißen dort „Habdichlieb“ und „Fehlstmirso“, „Küssmichmal“ und „Drückdichfest“. Manche sogar „Brauchdichso“ oder „Seibeimir“. Da gehen wir jetzt hin. Kommt ihr mit?“ Alle schauten die kleine Prinzessin Irgendwie an und nickten.
Jedes nahm sein Lieblingsspielzeug mit und dann gingen die Kinder aus Ebenhier fort nach Irgendwo.
Die Eltern in Ebenhier hatten so viel zu tun und so wenig Zeit, dass sie gar nicht merkten, dass die Kinder nicht mehr da waren.
Nur irgendwann fragte die Königin den König: „Irgendwas fehlt hier.“ Aber da sagte der König: „Wir haben keine Zeit, uns mit irgendwas aufzuhalten. Wir haben viel zu viel zu tun. Also beeil dich.“
„Ja, ja. Du hast ja Recht..“ sagte die Königin und dachte ‚…aber irgendwie…?.“…’
…….






Kommentare
da hast du mich aber genau gepackt, mit meiner schwäche für kindergeschichten. wirklich schön geschrieben. :)
16.09.2010, 23:17 von himbeerblondGefällt mir sehr. Herzallerliebst zum Vorlesen für alle Kinder mit dem Namen "KommmeinHerzblättchen."
16.09.2010, 23:09 von Jackie_GreyLiebe Grüße von
"StehtmiteinerFaust " aus dem Film DermitdemWolftanzt
Ich mag die Idee und ich finde, dass das ganz entzückend geschrieben ist.
16.09.2010, 22:42 von SnegurotschkaSo wie sich eine derartige Geschichte gehört mit einer Extraportion Charme oben drauf.
mag ich ! :)
10.06.2010, 23:52 von ScheichsTochterkinderbücher sind zwar nicht ganz meine alterklasse aber ist ne gute idee
19.02.2010, 11:56 von Junger_FaustAls Kindergeschichte gut umgesetzt und natürlich polarisierend. Jede Kindergeschichte ist grob aufgelöst. Und das ist gut so.
13.02.2010, 08:43 von quatzatBeim vorletzten Paragraphen, in dem die Kinder weggehen, war ich kurz etwas pissig, weil sich alles in Wohlgefallen aufzulösen schien. Aber die Dummheit der Eltern im letzten Paragraph machts wieder wett. Da hab ich aber gegrinst :D
Ich glaube, das ist die erste Kindergeschichte auf Neon, die ich gelesen habe.