zeckenweibchen 30.11.-0001, 00:00 Uhr 41 51

Die Saftpresse

Das würde sie doch nie tun!


"Deine Doris lutscht Schwänze für 10 Mark, wenn du auf Nachtschicht bist. Tut mir leid!", klemmt's dem Willi nach der Schicht unter dem Scheibenwischer. 

So ein Kappes, denkt sich Willi. Da hat sich ein Kumpel wohl einen dummen Scherz erlaubt. Willi zerknüllt den Zettel und schmeißt ihn während der Heimfahrt aus dem Fenster. 

Die Doris, das treue Tier. Das würde sie doch nie tun! Da ist sich Willi sicher. Mit dem Schwanzlutschen hatte sie es ja nie so. Auch allgemein mit dem Sex. Schon gar nicht, seit ihr Junge Ralf in der Welt ist. Und das sind jetzt auch schon sechsundzwanzig Jahre. Außerdem ist sie ein bisschen aus dem Leim gegangen die letzte Zeit, und die kupferrote Igelfrisur ist ja auch nicht sonderlich erotisch. Wer will denn da schon ran? Eben. Willi ist sich ziemlich sicher.

Andererseits, seit die Geschäftsführung die Schließung der Zeche zum Ende des Jahres verkündete, da ist beim Willi auch unter Hose Schicht im Schacht. Da könnte die Doris schon auf dumme Gedanken kommen, allein schon wegen dem Finanziellen.

Am nächsten Tag auf der Arbeit. "Glück auf, Steiger!" "Glück auf, Willi. Was kann ich für dich tun?" "Ich bräuchte am Sonntag mal einen Tag Urlaub, Steiger." "Urlaub, sachste?" "Ja, einen Tag Urlaub, Steiger." "Sonntag, sachste?" "Ja, einen Tag Urlaub für den Sonntag, Steiger." "Geht klar, Willi. Sonst noch was?" "Das wär's schon. Danke, Steiger." "Schittebön, Willi."

Am folgenden Sonntag beobachtet Willi seine Doris ganz genau. Doch die verhält sich wie immer und lässt sich nichts anmerken. Auch der Tag verläuft ereignislos. Frühstück, ZDF Fernsehgarten, Mittag, Kaffee, Mau Mau und Abendbrot. Vor der Tagesschau macht Doris dem Willi Thermoskaffee und schmiert vier Bütterken für die Arbeit. Die beiden schauen bei einer Tasse Kamillentee den Schimanski Tatort bis Willi los muss. "Gute Schicht, Mausemann." "Schlaf schön, Muttern."

Willi fährt mit seinem Rekord einmal um die Siedlung und legt sich dann ein paar Meter vom Haus entfernt auf die Lauer. Zwei Stunden vergehen im Kriechgang. Das Licht im Schlazimmer geht an. Willi atmet erleichtert auf. Er will sich gerade auf den Weg zum Schrebergarten machen um in der Laube zu übernachten, da bemerkt er zwei Radfahrer, die sich seinem Haus nähern. Er erkennt Jens-Uwe und Harald Kowalski, die gefeierten Stürmerzwillinge vom TuS Weiße Erde, zukünftige Bundesligaprofis. Das Hauseingangslicht geht an, die Tür geht auf. Doris, im feuerroten Nickihausanzug, bittet die Kicker lächelnd hinein. 

Willi stockt der Atem und sein Herz fängt an zu klopfen wie der Motor seines Diesels. Nach gefühlten Stunden Schockstarre schleicht er ums Haus und lugt durch das Wohnzimmerfenster. Durch die Ado Gardinen mit der Goldkante erkennt er seine Doris, die vor den Zwillingen knieend deren Schwänze mal einzeln, mal gleichzeitig lutscht. Im Fernseher flimmert Willis Foxy Lady 7 Video. Teresa Orlowski macht gerade das selbe wie die Doris. Hat der Satan wieder in meinem Hobbykeller geschnüffelt, ärgert sich Willi schwarz. Er wendet sich von der Sauerei ab. Das muss er sich nicht mehr antun. Mit geballten Fäusten überlegt er, was er jetzt machen soll. Reinstürmen und die drei zusammenschlagen kann sich Willi klemmen. Die Hüfte. Gegen die Kasolkas hätte er keine Chance. Die würden Kleinholz aus ihm machen. Und die Nachbarn... Nein, er wartet lieber bis sie weg sind und dann wird er die blöde Schlampe aber hochkant rausschmeißen.

Willi schleicht sich ins Haus, nachdem die Zwillinge weggeradelt sind. Doris bemerkt nicht, dass er sich ihr von hinten nähert. Sie tänzelt zu Mary Roos beckenschwingend in der Küche vor der Arbeitsplatte herum und macht sich einen Hagebuttentee. Verdammter Brocken! Dem Willi brennen die Sicherungen durch. Er greift sich die Saftpresse zu seiner rechten und schlägt seiner Doris solange den Hinterkopf ein bis sie nicht mehr zuckt, die Saftpresse verbogen ist und seine Arme entkräftet das Zittern anfangen. 

Verdammter Brocken! Nach kurzer Betrachtung seines Werks tapst Willi hechelnd ins Bad und duscht sich die Blut- und Knochensplitterkruste vom Leib. In frischer Kleidung ruft er danach die Polizei an und gesteht seine Tat. 

Als Willi sich an den Küchentisch setzt um auf die Gesetzeshüter zu warten, entdeckt er ein paar Geldscheine, die aus der Hosentasche seiner toten Gattin herausgucken. Fünfziger, Zwanziger und Zehner. Er fingert sie vorsichtig heraus und steckt sie ein.

So ein Kappes. Willi begibt sich in seinen Hobbykeller und öffnet den Waffenschrank.

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41 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Gefällt mir sehr!

    14.01.2019, 17:44 von Partisaneninterakt
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    Gab's den Rekord überhaupt als Diesel?

    03.03.2018, 18:24 von HerrJemine
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  • 0

    Schön, diese Ruhrpottsprache

    02.03.2018, 17:31 von Berlinerfritze
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    Sehr schön beschrieben. da kennt sich jemand aus. 

    05.02.2018, 12:56 von Christofff
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    Schön geschrieben.

    29.11.2017, 09:29 von Sinette
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  • 1

    "Ado Gardinen mit der Goldkante" ... ich brech ab :)

    25.11.2016, 17:50 von stizzle
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  • 1

    Bester Satz:
    "Hat der Satan wieder in meinem Hobbykeller geschnüffelt, ärgert sich Willi schwarz."

    Ich mag den Text wohl, weil wegen Heimat irgendwie. Sehr unspektakulär geschrieben, trotzdem bleibt man dran.
    Das Ende lässt Interpretationsspielraum. Wozu steckt er erst das Geld ein, wenn er sich dann im Hobbykeller selbst wechpusten wöllte?

    30.10.2016, 16:42 von HerrJemine
    • 0

      danke dir. 


      naja, ich denke mal, dass er sich's dann doch anders überlegt hat und fliehen wollte. vielleicht über holland nach frankreich oder so. 

      30.10.2016, 18:14 von zeckenweibchen
    • 1

      oder die Bullen wegpumpen. und dann aber ma so richtich... und so, ne?

      30.10.2016, 18:45 von HerrJemine
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      chchch. nee, da wär der willi zu feige für. der kommt ja mehr so von hinten. die wumme wäre nur für den äußersten notfall. 

      30.10.2016, 18:50 von zeckenweibchen
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      Wozu steckt er erst das Geld ein, wenn er sich dann im Hobbykeller selbst wechpusten wöllte?

      wegen dem fährmann,
      dem muss man ja wat in die knochenhand drücken.

      oder wat für die kaffeekasse von denen, die sich die sauerei anschauen müssen. is ja ´n anständigen, der willi.

      oder halt für die mutter vom harald und dem jens-uwe...die alte pottsau.

      30.10.2016, 19:22 von PixelAspect
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  • 2

    Ob die Geschichte auch so gut kommt, wenn die tätowierte Freundin eines zynischen Web-Designers dessen Counterstrike-Kumpels auf die Schnelle im Badezimmer versorgt?

    14.10.2016, 08:42 von Nem
    • 0

      Klaro....schreib mal.

      14.10.2016, 10:13 von cosmokatze
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      ^^  

      14.10.2016, 10:50 von zeckenweibchen
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      Das es für dich nicht so ist, war mir klar.

      14.10.2016, 16:54 von Nem
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  • 1

    bitterer Alltag - süß geschriebn

    13.10.2016, 20:09 von neuzeit
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      ja. irgendwann im letzten jahr. das ende hab ich geändert.

      11.10.2016, 16:54 von zeckenweibchen
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