Kaddinsky 30.11.-0001, 00:00 Uhr 21 15

Der Stoff aus dem die Zukunft ist

Wie eine kinderfreundliche Gesellschaft aussehen muss, die diesen Namen auch verdient hat.

Ohne Mütter keine Kinder - so einfach, so wichtig. Sieht man sich offenen Auges in unserer Gesellschaft um und fragt junge Frauen, wie ihre Familienplanung aussieht, so bläst einem nicht selten blankes Entsetzen entgegen: Mutter? Ich? Später! Erst will Frau sich austoben, dann Karriere machen und wenn diese in trockene Tücher gebracht ist, möchte sie die hohe Stellung im Job nicht verlieren. Allen Gesetzen zum Trotz: Beruflich gesehen ist Mutterschaft nach wie vor ein viel zu großes Risiko. Dabei sollte Mutterschaft immer und zu jeder Lebensphase machbar sein. Das fängt bei den finanziellen Fragen an, geht über eine Selbstverpflichtung der Arbeitgeber/Universitäten, sich mitverantwortlich zu fühlen, bis hin zu einer flächendeckenden kostenlosen Kinderbetreuung.

Im Bereich der finanziellen Sicherung durch den Staat kommen Kindergrundsicherungs-Modelle oder das Modell der Kinderkasse in Frage, um auszuhelfen, wenn Eltern nur ein geringes Einkommen haben, wie zum Beispiel während der Ausbildung oder des Studiums. Hand in Hand mit der finanziellen Unterstützung geht die zeitliche. Eltern müssen überall jederzeit die Möglichkeit haben, ihr Kind in professionelle Ganztagsbetreuung geben zu können. Wer es sich nicht leisten kann, muss staatlich unterstützt werden. Hier hinkt die Bundesrepublik enorm hinterher. Ganztagsbetreuung gibt es flächendeckend nur in den "Neuen Bundesländern". Doch anstatt im Westen nachzuziehen, werden im Osten Kindergärten reihenweise geschlossen. In den skandinavischen Ländern hingegen gibt es für jedes zweite Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz, in Dänemark sogar deutlich mehr.

Familie neu denken

Eine weitere Spezies muss stärker in den Focus genommen werden, die sich bisher vornehm zurückhielt, wenn es um die Fürsorge des Nachwuchses ging: die Väter. Zum Kinderkriegen gehören mindestens zwei. Seit 2001 hat sich immerhin die Zahl der Männer, die Elternzeit nehmen, von zwei auf fünf Prozent verdoppelt - ein Anfang. In Finnland nimmt jeder zehnte Vater Elternzeit, in Schweden jeder dritte. Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht der Blick nach Skandinavien, nicht nur in Fragen der Betreuung.

Familie ist da, wo Kinder sind! Die traditionelle Zweier-Beziehung ist nicht die einzige Möglichkeit. Monogamie kann eine Lösung sein, ist es aber nicht für alle. Vater-Mutter-Kind(er) ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Politik und Gesellschaft müssen endlich begreifen, dass Familie ganz vielfältig und regenbogenbunt daherkommen kann. Weder Mann-Frau-Dualismus noch die Fixierung auf "zwei Eltern" sind zukunftsfähige Familienkonzepte. Auch Homosexuelle Lebenspartnerschaften müssen in Zukunft das Recht haben, Kinder adoptieren zu können.

Kinder sind eine Gemeinschaftsaufgabe

Man darf in der Debatte nicht den verbreiteten Fehler machen und die Hauptpersonen vergessen: die Kinder selbst. In unserem Land werden sie oft als Belastung gesehen. "Zu wem gehört dieses Kind?" und "Es stört!" heißt es häufig. Hier ist eine Wertedebatte erforderlich, ein Umdenken in den Köpfen. Rechtlich gesehen ist dies schon der Fall: Für Kinderlärm gilt die so genannte "erweiterte Toleranzgrenze", Richter dürfen, wenn Kinder Krach machen, eher mal ein Auge zudrücken. Dass wegen Kinderlärm ein Gericht angerufen werden musste, sollte die Alarmglocken schellen lassen.

Es ist nur eine Facette der weit verbreiteten Kinderfeindlichkeit im Land, sich über Kinderlärm aufzuregen. Meistens kommt sie viel subtiler daher und findet sich in allen gesellschaftlichen Schichten, im linken wie im rechten politischen Spektrum. Zum Beispiel wenn Feministinnen aus Angst in die Mutter-Rolle gepresst zu werden die Krallen ausfahren. Kinderfeindlich sind die Konservativen, wenn sie Kinder nach 20 Uhr wegsperren wollen und sie unter Generalverdacht stellen, nicht lernen zu wollen, faul zu sein und nur Blödsinn im Kopf zu haben. Nein, Kinder werden nicht nur der Lautstärke wegen als "Störfaktor" gesehen, sondern auch, weil sie ein ganzes Gemeinwesen brauchen, um gut leben zu können - davor würden sich viele gerne drücken.

Wenn sich Menschen gegen die Gründung einer wie auch immer gearteten Familie entscheiden, so ist das ihr gutes Recht. Jedoch muss die Frage erlaubt sein, ob sie deswegen ganz und gar der Verantwortung für nachfolgende Generationen enthoben sind. In einer solidarischen Gesellschaft werden auch Kinderlose in die Pflicht genommen. Es muss erlaubt sein, verschiedene Instrumente zu diskutieren, zum Beispiel höhere Rentenbeiträge. Familien werden nach dem jetzigen System doppelt belastet. Das ist ungerecht.

Politik auf Kinderaugenhöhe machen

Nicht nur im Zwischenmenschlichen haben Kinder es in unserer Gesellschaft schwer. Auch die Politik arbeitet in den meisten Fällen über Kinderköpfe hinweg. Sie haben keine Möglichkeiten, mitzureden - geschweige denn, mitzuentscheiden. Aus diesem Grund wäre es eine sinnvolle Maßnahme, das Wahlalter deutlich herabzusetzen, damit Kinder eine Stimme bekommen. Traurig aber wahr: PolitikerInnen nehmen Menschen oft erst dann ernst, wenn sie ein Kreuz bei der nächsten Wahl zu vergeben haben.
Dabei müssen die Belange der kleinen Menschen in allen Politikbereichen berücksichtigt werden, zum Beispiel bei der Festsetzung von Schadstoffgrenzen. Umweltbelastungen wirken auf Kinder anders als auf Erwachsene, Kinder sind noch in der Entwicklung. Sie haben feinere Ohren und müssen besser gegen Lärm geschützt werden. Auch Autoabgase treten viel konzentrierter in Kindernasenhöhe auf. Autofreie Innenstädte sind ein ganz konkreter Beitrag zu mehr Kinderfreundlichkeit. Anstatt freie Großflächen meistbietend und gewinnorientiert in immer mehr Industrie- und Großmarkt-Gebiete zu verwandeln, müssen mehr Freiflächen, Wiesen, Parks und Waldstücke geschaffen und die existierenden geschützt werden. Kleine Menschen brauchen viel Platz zum Spielen und Entdecken - das wird zu oft ignoriert und vergessen.

Den Kindern eine Chance geben

Ein weiterer entscheidender Faktor einer wirklich kinderfreundlichen Gesellschaft ist ein menschenfreundliches Bildungssystem. Das beginnt bei der frühkindlichen Bildung und geht nach dem Abitur im Studium oder in der Ausbildung weiter. Im jetzigen Schulsystem wird der natürliche "Forscherdrang", den Kinder mitbringen, nur unzureichend gefördert. Kindgerechter Unterricht berücksichtigt die individuellen Stärken und Schwächen jedes einzelnen Kindes. Stupider Frontalunterricht gehört in vorletzte Jahrhundert und durch Unterrichtsmethoden nach skandinavischem Modell ersetzt. Das schlägt viele Fliegen mit einer Klappe: Erstens wird der Lernerfolg der Masse größer. Zweitens ist dies die effizientere Hochbegabten-Förderung und -Integration. Drittens - und das ist entscheidend - ist dies der einzige effektive Weg hin zu einer echten Chancengleichheit aller Kinder.

Sozialer, religiöser und kultureller Hintergrund sind leider nicht selten die Fahrkarte ins Abseits. Kinder haben alleine kaum eine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, sind oft allzu leicht indoktrinierbar. Um diesem Problem zu begegnen bedarf es einer Kindergartenpflicht, ähnlich der bereits existierenden Schulpflicht. Das soll kein Zwang für die Kinder sein, sondern eine Maßnahme zum Schutze der Kinder vor ihren Eltern und um ihre sozialen Kompetenzen zu fördern. Wie in allen Bereichen des Lebens gilt auch hier: Vielfalt statt Einfalt!

Politik auf Kinderaugenhöhe zu machen, das bedeutet in erster Linie, nicht das zu tun, wovon man denkt, dass es gut für Kinder wäre, sondern sich hin und wieder genug Zeit zu nehmen, Kinder zu fragen, was sie brauchen, was für Wünsche und Träume sie haben."Wichtige Links zu diesem Text"
Dieser Artikel erschien im "SPUNK", August 2006

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21 Antworten

Kommentare

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    sehr guter artikel, ich kann dir nur beipflichten. die frage, die ich mir allerdings auch schon stellen lassen musste: warum gehst du dann nicht selber in die politik und versuchst etwas zu verändern?

    02.02.2007, 11:43 von tricia_mc_millan
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      @tricia_mc_millan mach ich doch :)

      02.02.2007, 12:15 von Kaddinsky
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    Die Sache sieht doch ganz einfach aus - Denker bekommen selten Kinder, Planer auch eher selten oder "zu spaet" und "zu wenig" -

    Wenn man einfach drauflos-voegelt, dann bekommt man Kinder - so einfach ist das - aber das machen die meisten ja nur mit Gummi oder Pille.

    Es ist so wie es ist - das ist nicht richtig oder falsch - es ist enifach so. Punkt.

    Gesellschaften entwickeln sich nunmal...embrace change and adapt!

    01.11.2006, 16:27 von bnek
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      @bnek Ein guter Artikel.
      Ich finde nur Kinder brauchen auch etwas Verlässlichkeit. Also z.b. das es eben Donnerstags später werden könnte mit dem Abholen aus dem Kiga oder eben Montags ist Papa zu Hause oder einmal die Woche einfach nix tun und gammeln und den Tag genießen und mal Langeweile schieben und vielleicht schon mittags müde sein und eben einfach dem Leben mal nachgeben, dem Schlaf, der Ruhe den Beschaulichkeiten, dem Himmel dem Sommer und mal essen was man will und nix müssen, nur so leben. :-)
      Ich finde nicht ,dass man alles so perfekt durchorganisieren muss. Aber ich finde schon, dass Erwachsene sich auch mal anpassen müssten und vielleicht mal einen unbezahlten 6-10 StundenTag in Schule oder Kiga oder anderer Unterbringung miterleben sollten um dann sagen zu können: Prima, das ist ein gutes Leben!

      03.12.2006, 22:57 von freddie
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    Och, ich finde, diese Diskussion illustriert doch schon ganz gut den Artikel und das gesellschaftliche Klima in Bezug auf Nachwuchsfragen in diesem Land, oder?

    Ein paar von den Sachen hier finde ich aus den selben Gründen gruselig wie Kaddinsky.

    Kurze Nachhilfe in Sachen Nachhilfe für den Herrn von der Selber-Schuld-Wer-Schwanger-Wird-Muß-Auch-Nicht-Studieren-Fraktion: Der Pearl-index zeigt an, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr Anwendung des betreffenden Verhütungsmittels *trotzdem* schwanger werden. Bei der Mikropille sind das 0,2 bis 0,5. 0,2 ist bei Methodensicherheit, also bei korrekter Anwendung, anzunehmen. Von 1000 richtig anwendenden Frauen (hast Du all Deine Partnerinnen diesbezüglich sieben Tage vor und sieben Tage nach dem GV überprüft? Rethorische Frage, versteht sich) werden 2 Schwanger. Rechne das auf vier Millionen Nutzerinnen hoch.

    Die ganze Art, die betreffenden Argumentationen zu stricken, finde ich aber insgesamt hoch ignorant, und einzelne Sprüche schlichtweg borniert. Mit "Es kann doch jeder entscheiden, ob er Kinder kriegt, soll man sie halt nur kriegen, wenn's alles passt, und wenn doch was passiert, treibt mer halt ab..." kann man so ziemlich jeden Hinweis darauf aushebeln, was diese Gesellschaft im Umgang mit ihrem Nachwuchs falsch macht - denn irgendwer soll ja immer den "Luxus Kind" bezahlen, den sich andere scheinbar leichtsinnigerweise leisten. Das ist genau der Weg, den diese Gesellschaft geht, auch wenn die Fanfaren anderes verkünden: Dein Kind, Dein Problem. Anderthalb Jahre um den Kitaplatz betteln? Hat Dich ja keiner gezwungen. Pöbelnde Nachbarn, weil die Kinder nachmittags auf dem Hof tollen: Hättest ja warten können, bis Du Dir ein Einfamilienhaus leisten kannst. Wie, du willst studieren? Wer zu blöd zum Verhüten ist, braucht nicht zu studieren. Und müssen eigentlich Schwangere immer so fett werden? Und die Leute erziehen ihre Kinder dann noch nichtmal richtig.

    Ist das jetzt überspitzt formuliert? Da bin ich mir garnicht so sicher, denn nach meiner Erfahrung kommt das alles immer schön im Paket.

    27.09.2006, 01:07 von Noa2
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      @Noa2 Noa2 schreibt:"denn irgendwer soll ja immer den "Luxus Kind" bezahlen, den sich andere leichtsinnigerweise leisten. Dein Kind, Dein Problem. Anderthalb Jahre um den Kitaplatz betteln? Hat Dich ja keiner gezwungen. Pöbelnde Nachbarn, weil die Kinder nachmittags auf dem Hof tollen: Hättest ja warten können, bis Du Dir ein Einfamilienhaus leisten kannst. Wie, du willst studieren? Wer zu blöd zum Verhüten ist, braucht nicht zu studieren. Und müssen eigentlich Schwangere immer so fett werden? Und die Leute erziehen ihre Kinder dann noch nichtmal richtig."

      Da gebe ich dir vollkommen recht!
      Dein Kind, dein Problem!
      Es gibt keine Verantwortung der Gesellschaft für deine privaten Entscheidungen!

      Und wie Romeo schon gesagt hat, die Verhütung mit Pille ist praktisch 100% sicher, wenn sie regelmäßig eingenommen wird. Die Fehlerquote kommt ausschließlich wegen (absichtlich?) schlampiger Einnahme.
      Wenn Frauen einen Kinderwunsch haben, dann hat regelmäßig die "Pille versagt". Der Mann, der das glaubt, mach sich zum Gelächter der Stadt.

      17.08.2007, 08:16 von TST
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      @[Benutzer gelöscht] das ist normal, bei deiner politischen Richtung. leider. an dem Rest will ich grade gar nicht rumargumentieren

      24.09.2006, 13:30 von Kaddinsky
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      @[Benutzer gelöscht] ja, aber das tut für mich bei dieser Diskussion nix zur Sache, denn ich zahle, damit ich im Alter was habe. Das ist so schon unsicher genug, ohne Kinder ist die Rente weg, dann bekommst NICHTS wieder. verstehst du? Deswegen der Vorschlag (übrigens aus den Reihen der CDU), denn Familien werden momentan im Vergleich zu Kinderlosen finanziell doppelt belastet. Dabei TUN die wenigstens was für die Rente!
      Das Wahlalter ist einfach ne strittige Sache, darauf geh ich mal gar nicht ein.
      Deine Einstellung zu Schwulen und Lesben baut auf Vorurteilen auf, nämlich: Kinder haben es bei ihnen automatisch schlechter. Wieso? frag ich dich. Du steckst die Kinder dann lieber in Heime?
      Es geht nicht um Geld für Arme, sondern mehr Geld für KINDER, damit diese nicht unter der Armut zu leiden haben und auch Chancen bekommen. Weißt du, wie ein Kinderleben in Deutschland verläuft? Nun, wer aus sozialen Brennpunkten kommt hat keine wirklichen Chancen, im Bildungssystem landet er mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Hauptschule und bekommt keine Ausbildung. Eine glückliche Kindheit kann es vergessen: wie sollen die Eltern die Teilnahme an der Gesellschaft (Sport, Musik...) denn bezahlen?
      Du strahlst in diesem Punkt genau wie oben eines aus: soziale Kälte. Alle selber schuld, wollen ja nicht arbeiten (als ob immer alle eine Wahl hätten!) und die sollen dann halt keine Kinder in die Welt setzen! Wie wärs, wenn du forderst, dass arme Menschen sich gleich umbringen, denn schließlich liegen sie dir ja sonst nur auf der Tasche?

      24.09.2006, 18:03 von Kaddinsky
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      @[Benutzer gelöscht] "erst Karriere dann Kinder? Genau." --> genau darum gibt es immer weniger Kinder: weil wenn erstmal die Karriere im Gange ist, dann will das auch keine Frau mehr aufs Spiel setzen. Ich sage eben: Kinder sollten und müssen IMMER möglich sein - und dies ist ein ureigensten staatliches Interesse, denn sonst fliegt uns das Demographie-Problem um die Ohren.
      Zu sozialen Brennpunkten: deine Einstellung ist die: ja, es gibt sie und Menschen, die dort Leben sollen eben keine Kinder kriegen. Meine ist die: alle Menschen haben ein Recht, Kinder zu kriegen und die Gesellschaft ist als ganzes für ALLE Kinder verantwortlich, aus selbigen ureigenstem Interesse. Außerdem ist die Gesellschaft daran interessiert, solche Brennpunkte zu bekämpfen und ALLEN Menschen eine Perspektive zu geben, denn solche Menschen sind tickende Zeitbomben (siehe NPD und brennende Vorstäde in Frankreich)

      Psycholigisch bewiesen ist schonmal gar nix, denn es gibt keine Kinder, die bei Homosexuellen aufgewachsen sind und somit keine Studien darüber, ob es gut ist oder schlecht. Die Natur hat Mutter und Vater eingerichtet, damit es sexuelle Vermehrung geben kann - denn die sorgt für möglichst große Artenvielfalt. Ein Pflanze, die sich sexuell vermehrt kümmert sich aber auch nicht um ihren Nachwuchs und in vielen Tiergruppen kümmerst sich nur ein Elternteil um den Nachwuchs (Mutter ODER Vater) - es gibt eben verschiedene Modelle und Systeme und sie funktionieren alle gut. Ein Kind braucht vor allem eine kinderfreundliche Gesellschaft und Menschen, die sich als Allgemeinheit für Kinder verantwortlich fühlen, um sich gut zu entwickeln - denn die hier herrschende Kinderfeindlichkeit ist der wahre größte Feind dieser Entwicklung.

      Zur Rente: dass Familien doppelt belastet werden ist okay, es geht nur um dich, nicht wahr? Sozial ist, was dir entgegenkommt. Bei Drogenfragen bist du gerne sozial, bei Kindern (denn du hast ja keine) dann eben nicht... na dann: ein schönes Leben noch, ich hoffe, dass die Politik weiter an ALLE Menschen denkt und nicht nur an sich selbst

      24.09.2006, 19:11 von Kaddinsky
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      @[Benutzer gelöscht]
      Ich glaube, was Kaddinsky stört und was Dir völlig abgeht, ist, daß Kinder kein Luxus sind - oder eine (teure) Anschaffung. Sondern eine Investition in die Gesellschaft.

      Und Eltern, die Kinder bekommen - haben weniger Geld für ihre persönliche Wohlfahrt. Die Kinder sind aber die, die irgendwann mit ihren Sozialbeiträgen die Rente ALLER zukünftigen Renter - also der kinderhabenden wie der kinderlosen - bezahlen.

      Denn es ist nicht so, daß ein Renter das Geld bekommt, das er eingezahlt hat, sondern er finanziert die heutigen Renter. Und die Rente wird von UNSEREN (gesamtgesellschaftlich gesehen) Kindern bezahlt.

      Insofern bezahlen Eltern für andere mit.

      Zu den Homosexuellen - wo es gerade auch ein Forum gibt: Ich find es nicht gut, wenn sich die Fronten so verhärten mit entweder-oder-Haltungen.

      Ich halte homosexuelle Eltern auch für ungünstiger als Eltern - wenn die restlichen Bedingungen gleich sind.
      Heime sind aber auf jeden Fall die schlechtere Alternative als schwule Eltern. Hier sollte auf beiden Seiten mal der Druck rausgenommen werden.

      Übrigens ist die Adoption an Homosexuelle nicht verboten. Da wir aber einen Überschuß an adoptionswilligen Eltern haben und die biologischen Eltern ein Wort mitzureden haben, kommen so gut wie keine Kinder an Homosexuelle.
      Damit muß man leben, es ist keine rechtliche Abwertung.

      Allerdings - das meinte ich oben schon - tut diese Sache nichts für eine optimierte Umgebung für Kinder.

      Zur Sache mit dem Kinderkriegen-wenn-man-es-sich-leisten-kann: Ziemlich relative Angelegenheit: wann ist sicher?
      Mit dem Praktikantenjob nach dem Studium?
      Mit dem ersten befristeten Vertrag?
      Wenn beide Partner Arbeit haben?

      Heute warten viele, bis sie gar keine Kinder mehr bekommen können. Es gibt faktisch schon lange ein Geburtendefizit, weswegen die Rente ja krachen geht.
      Wenn sich diese Haltung, die Du propagierst, noch verstärken sollte, dann verstärkt sich der Trend noch.

      So sieht es nämlich aus.
      Und ich verstehe vollkommen, warum Kaddinsky, mit der ich nicht immer einer Meinung bin *zwinker zu Kadda*, da auf die Palme geht.

      26.09.2006, 17:20 von LudwigMartin
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      @LudwigMartin
      Ging an kesatria...

      26.09.2006, 17:25 von LudwigMartin
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    Erst einmal ganz großes Lob an die Ausarbeitung des Textes! Ok, und damit ich nicht ganz nach Lehrer klinge:
    Solche Leute wie dich braucht die Welt!

    19.09.2006, 17:59 von schnatterliese
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    Nochmal zur Assozialitäts- und Wahlfrage.

    Ich könnte mir einen integrierten Termin für die "Anmeldung eines Kindes" vorstellen. (Ins Melderegister muß es ja sowieso)

    Bei diesem Termin gibt es einen Hausbesuch vom Jugendamt und ein Gespräch, wo Rechte und Pflichten der Elternschaft geklärt werden:
    - Verbindliche Zusagen des Zusammenlebens
    - Ausübung des kommissarischen Wahlrechts
    - Grundversorgung (Kindergeld, HartzIV-Ergänzung)
    - Einbeziehung nachbarschaftlicher Zeugen

    Danach könnte man die Familie unter der Auflage der Benachrichtigungspflicht erstmal in Ruhe lassen.

    Bei einer Privatisierung von Kitas und Schulen könnte man das Grundversorgungssystem, welches momentan über HartzIV für Versicherung und Wohnung gilt, auf Schul- und Kitageld ausweiten.

    Teuer?
    Sicher.

    Aber von hohem investiven Wert für die Sozialgemeinschaft. Fordern und Fördern sollte eben auch für die Familie gelten.

    01.09.2006, 13:54 von LudwigMartin
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    Ein schöner Artikel. Für Kinder kann man gar nicht genug sprechen. Und die (kadda-typische) Gliederung macht es leicht, auf die Unterpunkte einzugehen.

    "Familie neu denken"

    Hat eine gute Überschrift, greift mir aber zu kurz. Wenn man sich von Modellen trennen will, muß man die Bedingungen analysieren, warum die Modelle ein gutes Jahrhundert lang funktionerten. Die Legalisierungsforderungen sind keine Kinder-, sondern eine Gleichstellungspolitik.
    Kinder brauchen eine verläßliche Umgebung mit mehreren Bezugspersonen. Das heißt: Erziehungsberechtigte binden sich für eine gewisse Zeit an das Kind und stellen sich zurück.
    Daher bin ich bei Forderungen von Elternschaft (Adoption) sketisch, weil sie oft im Sinne der Selbstverwirklichung motiviert sind. Da steht also ein Ego im Vordergrund - und damit vor dem Kind.

    "Kinder als Gemeinschaftsaufgabe"

    ist sicher Dein wichtigster Punkt. Ein Kind entwickelt sich besser IN als NEBEN der Gesellschaft. Kinder sollten im Kiez, in der Dorfgemeinschaft, in einer sozial dichten Nachbarschaft groß werden. Es ist eine übergreifende gesellschaftliche Stimmung und Politik, die Kinder gedeien und sich als Teil dieser Gesellschaft fühlen läßt.

    "Politik auf Kinderaugenhöhe"

    Richtige Forderung, ungünstiger Handlungsansatz.
    Warum denken bei Politik eigentlich alle nur noch an Mitentscheidungskompetenzen?
    Es ist doch kein großes Geheimnis, daß Kinder gewisse Enscheidungen nicht treffen können, nicht alles durchblicken. Es ist sogar kindliches Recht, noch keine Verantwortung tragen zu müssen.

    Aber es stimmt, daß Wähler von 18-99 eine Poltitik für 18-99- und demographisch potenziert nur noch eine Politik für 50-120-jährige (alle ohne Falten; kleiner Seitenhieb) machen.
    Kinder müssen adäquat vertreten werden. Und wenn die Zuverlässigkeit und Verläßlichkeit in Punkt Eins als allgemeine Pflicht von Eltern eingefordert wird, dann sollten diese ihre Kinder auch vor dem Gesetz vertreten: wählen.
    Weil Eltern besser wählen als ihnen anvertraute Kinder.
    Im übrigen kann man aber schon auf Stadtteilebene das Wahlalter herabsetzen, in Verbindung mit Aufklärung und bitteschön nicht nur passiv, sondern aktiv. Es gibt aber auch verschiedenste Formen der Quotierung (Sitzanzahl) oder Anhörung (Kinder- und Jugendlichenbeiräte).

    Die ansonsten angesprochenen Punkte finden meine volle Zustimmung: die Umwelt sollte kindgerechter sein. Ich denke, daß wird sie aber auch. Ich bin da zuversichtlich - auch wenn das Wahlrecht unangetastet bleibt.

    "Den Kindern eine Chance geben"

    Daß sich die Schulen grundsätzlich ändern sollten, ist unbenommen. Da sind Deine Vorschläge sicher der richtige Weg.

    Eine "Kindergartenflicht" IST aber Zwang. Das kann man durch "soll nicht" nicht schönreden. Um Kinder "vor ihren Eltern zu schützen" (mein Gott, wo ist Deutschland, wenn das ein Hauptanliegen ist?!), sollten diese nicht herausgerissen werden, sondern familiäre Bedingungen klarer gefaßt und kontrolliert werden.

    Familie ist - wie Du richtig sagst - da, wo Kinder sind.
    Familien sind aber damit auch gesellschaftliche Institutionen und zwar Privatsphäre, aber nicht Privatangelegenheit. Jedes Kinderheim und jeder, der Kinder adoptiert, pflegt, betreut, steht unter starken Jugendamtauflagen, während versoffene Väter und überforderte Mütter freie Hand und Faust und ... haben.

    Zudem fängt Verwahrlosung doch schon (und das ist weit schlimmer) vor dem Kindergartenalter an.

    Was ich mir vorstelle, tendiert in Richtung Familienführerschein. Klingt hart, aber vielleicht reicht es schon, wenn die Jugendämter andere Handlungsmaßgaben an die Hand bekommen: jedem Hinweis auf Verwahrlosung und Gewalt stärker nachkommen, Betreuung von Familien ausbauen, Auflagen geben.

    Das Kindergartenangebot sollte nicht durch Pflicht, sondern durch Wahlfreiheit und Angebotsvielfalt bestechen. Es gibt ja schon viele Ansätze.
    Montessouri, Waldorf, private Ansätze... auch auf die räumlichen Bedingungen kommt es an: Architektur prägt. Die Erziehungskonzepte sollen nicht konträr zum Leitbild der Eltern stehen, sondern es ergänzen.
    Vielleicht sollte eine Förderung dahin gehen, daß Kitas bei fehlender Auslastung nicht gleich geschlossen werden müssen.

    Aber die Grundveranwortung für ein Kind liegt bei seinen (sozialen/rechtlichen) Eltern.

    Danke für ein Auflebenlassen der Debatte!

    01.09.2006, 13:14 von LudwigMartin
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    Seit 1950 sind nur noch Gesetze zu Lasten von Ehemännern erlassen worden. Auch die klare Aufgabenteilung ist dahin. Kuturen mit klaren Aufgabenverteilungen und Patriacht sind erfolgreicher was die Kinderzahl angeht.

    09.08.2006, 12:21 von ulf
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    Hi Kadda!

    Beim Lesen des Artikels habe ich die ganze Zeit gedacht: Mensch, da könnte doch ein Antrag auf einer GJ-Bundesjugendkonferenz sein. Und: Es ist ein Spunk-Artikel! Hihi, da hatte ich fast Recht!

    Inhaltlich stimme ich dir fast vollkommen zu. Ich würde aber sagen, dass der Stil zu GJ-mäßig ist. Er besteht nur aus (richtigen) Forderungen, der Spannungsbogen ist zu flach.

    Liebe Grüße!
    Sebastian

    07.08.2006, 00:01 von Sebush
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      @[Benutzer gelöscht]
      "Wahlrecht ab Geburt" und kommissarisches Wählen der Eltern klingt gut und bedient das grundgesetzliche Gleichheitsgebot.
      Sehr vernünftig!

      01.09.2006, 13:20 von LudwigMartin
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