la_lionne 30.11.-0001, 00:00 Uhr 9 0

Der Himmel weint.

Der Himmel weint. Das hat meine Oma immer gesagt, wenn es so regnete wie heute.

Der Himmel weint. Dicke Tropfen fallen schwer auf die Blätter der alten Kastanie, die traurig ihre Äste hängen lässt. Der Himmel ist grau und die übervollen Wolken bedecken alles.

Ich stehe am Fenster und schaue zu der Schaukel, die du unter das Baumhaus gehängt hast. Sie bewegt sich leicht im Wind. Ein Vogel hüpft unter den Brombeerstrauch, wohl um sich vor den unerbittlichen Regentropfen in Sicherheit zu bringen. Vielleicht ist ihm der Regen aber auch egal.

Es war ein langer Tag und ich bin müde. Ich lehne meinen Kopf an die kalte Fensterscheibe und schließe die Augen.
Wir sind früh aufgestanden, heute Morgen. Wir haben die letzten Sachen gepackt und ins Auto geräumt. Da hat es noch nicht geregnet. Es war dunkel und kalt, aber ihr wart aufgeregt und voller Vorfreude. Ich habe euch noch einmal nachgewunken, als ihr um die Ecke gebogen seid. Das habt ihr aber wahrscheinlich nicht mehr gesehen.

Ich öffne die Augen wieder und trinke einen Schluck von meinem Kaffee. Er ist kalt geworden. Kalt schmeckt er nicht. Ich schütte ihn weg und stelle die Tasse in die Spüle. So etwas ärgert dich. Schmutziges Geschirr gehört in die Spülmaschine, nicht in die Spüle.
Ich gehe zurück ins Wohnzimmer.

Es regnet jetzt immer mehr. Eine Sintflut, denke ich. Die alles wegspült.
Ich denke wieder an meine Oma.
Der Himmel weint.
Mir ist kalt.

Die Katzen streichen um meine Füße und maunzen kläglich. Sie haben wohl Hunger. Ich drehe mich um und hole mir einen neuen Kaffee.

Eigentlich müsstet ihr schon längst dort sein. Das habe ich der Polizistin auch gesagt. Ihr wolltet doch noch vor dem Abendbrot da sein, damit ihr noch auspacken und die Gegend erkunden könnt.
Das habe ich ihr gesagt. Und dass du dich sicher später bei mir meldest, das habe ich ihr auch gesagt.

Sie hat mir gesagt, dass der LKW-Fahrer den Stau wohl zu spät bemerkt hat.

Der Himmel weint.

9 Antworten

Kommentare

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  • 0

    manchmal schreit der himmel auch.

    irgendwie verwirrt mich der text: die erzählerin packt zusammen mit das auto an ort 1, ist dann aber schon da an (und die anderen sind noch nicht da, um auszupacken und die gegend zu erkunden (also ort 2).

    19.10.2016, 12:50 von libido
    • 0

      (plus ne klammer und wasweißich, der kommentar ist hintenraus ne wurst)

      19.10.2016, 12:51 von libido
    • 0

      Nee, die Erzählerin bleibt an Ort 1.

      19.10.2016, 14:13 von sailor
    • 0

      Richtig. Sorry, wenn das "da" eventuell verwirrt.

      Der Erzähler bleibt an Ort 1/Zuhause.

      19.10.2016, 15:41 von la_lionne
    • 0

      Vielleicht könnte man das 'da' durch ein 'dort' ersetzen...

      19.10.2016, 15:43 von sailor
    • 0

      Gute Idee, vielen Dank.

      19.10.2016, 15:45 von la_lionne
    • 1

      Heute hier, morgen dort...

      Oder eben auch nicht. Tragisch. Ich finds gut, in dieser Komprimiertheit.

      19.10.2016, 15:48 von sailor
    • 0

      genau, mich hat das "da" statt nem "dort" verwirrt. wozu solch kleine wörter doch in der lage sind!

      19.10.2016, 20:11 von libido
    • 1

      Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg.
      (Sven Regener)

      20.10.2016, 10:06 von sailor
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