salzstange. 07.12.2006, 17:21 Uhr 19 16

Deine Welt.

Seit langer Zeit schon lebst du in deiner eigenen manipulativen Welt. Komm zurück, bitte.

Ich weiß nicht, wieso ich nie etwas gesehen habe. Wieso ich nie diese traurigen Augen, diesen leeren Blick gesehen habe, den du eines Morgens hattest. Doch plötzlich saßt du da, ganz allein. Früh morgens. Und geweint hast du, schrecklich geweint. Ich glaube, du hast die ganzen letzten Jahre einfach von dir losgeweint an diesem Morgen. Vielleicht, weil dir endlich ein einziges Mal in deinem Leben bewusst geworden war, dass du nicht mehr die bist, die du einst gewesen sein sollst. Ich kann es nicht beurteilen, wer du einmal warst. Ich kenne dich nicht anders. Aber ich glaube fest daran, dass du früher anders warst. Ein anderer Mensch. Glücklich.

Du hast vielleicht an diesem Morgen festgestellt, dass du nur noch ein Wrack bist. Das, was dir kein Mensch bis dahin angesehen hat und am wenigsten ich. Denn deine Welt sagt: Zeige Anderen nie deine Schwäche. Nie. Und spiele anderen vor, du hättest ein perfektes Leben, wärst glücklich und zufrieden. Und das tatest du über viele Jahre hinweg. Nur im Innern warst du zerbrochen, voller Angst, Selbstzweifel. Du hast dich kaputt gemacht, vieles vergessen und an erster Stelle dich. Obwohl so oft nur du zählst.

Manchmal siehst du mich mit so viel Wärme in deinen Augen an. Manchmal redest du mit so viel Liebe in deiner Stimme. Und manchmal weinen wir zusammen. Es ist nicht oft so. Aber wenn ich einen dieser wenigen Momente erlebe, ist es dieser bittersüße Schmerz, der mich durchfährt und erschaudern lässt. Denn im anderen Moment bist du kalt, eiskalt. Alles, was ich sage, trifft auf deine harte Schale, wo jedes einzelne Wort abschmettert. Du sagst dann manchmal schreckliche Dinge, bist gereizt. Wütest durchs ganze Haus und durch mein Herz. Wirfst mir Dinge an den Kopf, die ich dir anvertraut habe. Verwendest sie plötzlich gegen mich. Ich wäre falsch, egoistisch und eingebildet. Deine eigenen Probleme zählen dann, und alle anderen tragen Schuld daran.

Meistens herrscht zwischen uns eisige Kälte. Stillschweigen. Ich bin wütend auf dich und dein Verhalten. Auf mich, weil ich mich vergesse und meinen Zorn und meine Wut rauslasse und dir geradewegs an den Kopf knalle. Und eigentlich bin ich gar nicht wütend auf dich, sondern auf das, was aus dir gemacht wurde. Und dann schweigen wir uns an. Ein paar Minuten später tust du dann so, als sei nichts gewesen. Immer ist das so. Es wird niemals anders sein.

Ich kann mich nicht erinnern, dass du früher oft da warst. Einfach nur für mich da. Du bist es ja nicht einmal heute. Dass du mit mir gespielt hast, mich vom Kindergarten abgeholt hast oder später von der Schule, das gab es nie. Oder dass du mal mit mir Hausaufgaben gemacht hast, sie kontrolliert hast. Solche Dinge nerven dich. Du hast auch keine Zeit, immer viel Arbeit und Stress. Wenn du zu Hause bist, willst du Zeit für dich haben. Ein gutes Buch lesen, schlafen, deinen Putzfimmel befriedigen. Ich weiß. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass du mich einmal gefragt hättest, wie es mir geht, wie die Schule war, was für Zensuren ich bekommen habe. Du hast ja nie Zeit, ich weiß. Es tut weh.

Und es tat so weh, als du ein Jahr lang verschwunden warst aus meinem Leben. Einfach weg. Du bist einfach gegangen. An diesem einen frühen Morgen. Ich bin dich dann manchmal besuchen gekommen. Du sagtest, ich wäre kalt, hätte kein Verständnis. Ich konnte dich nicht umarmen. Es ist so schön von zu Hause weg zu sein, es hat mich so verletzt. Aber ich verstand dich und deine Situation ja. Du weißt nicht, wie oft ich geweint habe, wie oft ich an dich gedacht habe in diesem Jahr. Aber ich konnte es dir nicht zeigen nach allem was war, ich konnte nicht. Ich konnte meinen Schatten nicht überspringen und dir endlich diese Liebe geben, ich konnte es dir nicht zeigen. Es war wie eine Blockade in mir. Und dafür hasse ich mich. Aber Mama, ich konnte nicht.

An diesem einen Morgen, es war kurz vor meinem Geburtstag, gabst du mir die Schuld an deinem Leiden. Ich würde mich nicht kümmern, du seiest mir völlig egal. Ich war so oft für dich da. Du weißt bis heute nicht, drei Jahre später, dass ich alles, was du an jenem Morgen von dir gabst, mitgehört habe. Als ich in meinem Bett lag und mir die ersten Tränen von den Wangen getropft sind, weil ich genau wusste, was als nächstes kommen würde, wo du hingehen würdest.
Du warst krank. Sehr lang in Behandlung. Und ich habe heute noch sehr oft Angst, dass dich diese Krankheit wieder einholt. Manchmal weine ich noch.

Manchmal weinst du auch noch und so oft spielst du dir noch das perfekte Leben vor. Ich kann es einfach nicht ertragen dich so spielen und leiden zu sehen. Komm zurück in unsere Welt. Deine Welt macht dich doch nur noch mehr kaputt, sie zerstört dich. Siehst du es nicht? Komm zurück, Mama.

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    hey, konnt mich kaum Halten... Verdammt, das holt viel in mir hervor... Kopf hoch!

    04.02.2007, 22:59 von Stauner
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    mensch des kommt mir sau bekannt vor aber net von den anderen sondern von mir selber , ich weiß genau wie man sich fühlt in deiner situation aber deine mutter konnte nich anders auch wens komisch klingt sie konnte nichts dafür sie hatte probleme konnte sie nicht ändern sie hätte dich garantiert gerne geliebt mit ihrer ganzen kraft aber manchmal kann man soetwas einfach nicht zulassen

    27.01.2007, 13:10 von brolle-bolle
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    Jaja, erinnert mich an meine Mami. Sitzt grad hier am zweiten Weihnachtsfeiertag und hat Kaffee für alle gemacht, weil sie denkt, dass sowas ihre Pflicht is. Sie hasst es aber, und sieht einfach nicht ein dass ich ihr manchmal einfach nur helfen will. Ich komm nicht dran...

    26.12.2006, 16:45 von Pipifuchs
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    wunderschöner text und tieftraurig zugleich.
    du hast alles richtig gemacht und hättest nicht anders reagieren können,auch wenn du vieleicht manchmal an dir zweifelst.
    denk immer daran,dass du nur den menschen helfen kannst,die ihr probleme selbst sehen und eingestehen können.
    ansonsten gehst du nur selbst, bei dem versuch zu helfen, mit unter.

    ich wünsche dir weiterhin viel kraft und stärke und liebe freunde, die dir eine stütze sind und bei denen du dich fallen lassen kannst

    22.12.2006, 12:42 von Curley
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    Wundervoll geschrieben. Sehr bewegend.

    Vergiss' jedoch Dich selbst dabei nicht, sonst gehst Du daran kaputt.

    Alles Liebe
    Lauser

    19.12.2006, 22:42 von Lauser
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    du erzählst, womit deine mutter dich verletzt hat und lässt trotzdem keinen zweifel daran, wie viel sie dir bedeutet.. wunderschön geschrieben

    17.12.2006, 21:02 von falsch.herum
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    Mich Erinnern beide Standtpunkte an den meinen und der deiner Muter an den der meinen.
    Guter Text.

    13.12.2006, 20:50 von SuperHansi
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