justJune 09.05.2004, 01:11 Uhr 6 0

Besuch in der neuen Familie

Meine Eltern leben getrennt, das ist so gut wie geschieden. Dad mit neuer Freundin, Mom auch...

Ich war eigentlich immer ein Mamakind - bis sie lesbisch wurde, da war ich gerade mal 10 und verlor voll und ganz Bezug und Vertrauen zu ihr. Mein Vater war das Arschloch, das immer rumschrie. Inzwischen bin ich 17 (fast 18), wohne alleine und besuche beide Elternparteien ab und zu. Beides ist ein Erlebnis für sich: Bei meinem Dad und seiner Freundin die leidenschaftlichen Diskusionen über die banalsten Dinge, bei meiner Mom und ihrer Freundin die Liebesschwüre der verschiedensten Arten ... beides auf seine Art und Weise absolute Harmonie, wie ich sie "zu Hause" nie kannte.

Gerade bin ich bei meiner Mom, ihrer Freundin und deren Töchter (13 und 16 Jahre alt). Vor ca einer halben Stunde habe ich Mom und Freundin ins Bett geschickt, drei leere Weißwein-Flaschen stehen auf dem Tisch und um die vierte kümmer ich mich gerade. Eigenartig ist es schon, hier zu sein. Klar bin ich willkommen. Aber in dieser Konstellation leben die vier eben schon seit gut einem Jahr und meine Mom ist inzwischen eher die Mutter der beiden "Kleinen" als meine. Irgendwie fühle ich mich auch eher wie ein Beobachter, als wie ein Teil des ganzen. Natürlich, 70km von meinem Wohnort entfernt, da ist ein Besuch übers Wochenende schon was besonderes. So bekomme ich zum Beispiel immer das Essen meiner Wahl gekocht (Mom ist eine begnadete Köchin, im Gegensatz zu Freundin).
Vorhin haben Mom, Freundin und die 13-Jährige "Wer wird Millionär" gespielt, ich saß am PC, da ich bei mir kein Internet habe, und war bei Bedarf der Telefonjoker. Um 23.58 Uhr kam die 16-Jährige ausm Oberhaus, der Dorfdiscothek zurück.

Von diesem Platz aus, an dem ich immernoch sitze, habe ich diese ganze "Familienharmonie" beobachtet, betrachtet, genossen und beneidet. Am größten aber ist die Freude darüber. Ich freue mich unglaublich für Mom! Wenn die beiden betrunken sind kommt eine Lobeshymne nach der anderen, entweder auf die Kochkünste von Mom, auf jedes Gramm am Körper von Freundin, auf das Ideeenreichtum oder den Humor der anderen. Oder es kommt einfach nur ein verliebter Blick mit Grinsen rund um den Kopf, dazu die Frage:"Ist sie nicht toll? Sag dochmal ehrlich! Hab ich nicht ne tolle Frau?". So sitze ich hier, noch lange nicht so betrunken wie die und spiele Schiedsrichter. Dabei fühle ich mich dann auch immer älter als der Rest im Hause, oder ich sehe vielleicht nur das Kindliche wieder in ihnen?!
Eigenartig - ja... aber vor allem schön! Und jedes Mal wenn Mom mich dann nach Hause fährt, denke ich daran, wie gut es ihr jetzt geht und wie schön sie es hat. (Auch wenn sie nochmal die Pubertät von zwei Mädchen durchmachen muss!;))

6 Antworten

Kommentare

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    Also ich war ja lange nicht mehr hier ...
    Zuerst: meinem vater gehts gut. er hat sich sehr verändert und ist ein toller vater, meine beziehung zu ihm ist super.
    ebenso wie die zu meiner mutter. ich bin auch nicht traurig über die ganze sache, sondern glücklich. und meine mutter will eigentlich mehr zeit mit mir verbringen, als mir manchmal lieb ist. ;)
    ja und natürlich wird man nicht lesbisch. ich sage das so, weil es auf mich so gewirkt hat als kind.
    ich hoffe ich habe alles richtig gestellt, falls das jetzt noch jemanden interessiert.

    29.03.2008, 20:27 von justJune
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      @justJune schreiben tut gut somit hast du recht gehabt deinen gedanken freien lauf zu lassen. es spricht für dich jemanden glück zu gönnen auch wenn es aus der norm herausfällt.
      aber sei auch immer ehrlich zu dir selbt
      lg

      12.11.2008, 21:34 von Spice
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    Man wird nicht lesbisch. Man ist es. Nur als Anmerkung.

    27.04.2007, 17:32 von Azaki
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    Sei nich traurig, mach Dich nicht selbst zum Beobachter. Vielleicht mag Deine Mom mal mit Dir allein nen Tag verbringen? Sag ihr doch, dass Du sie vermisst... Meine Mom dachte auch, ich sei jetzt erwachsen und brauche sie nicht mehr so wie vorher- ich wurde also auch zum "Beobachter".
    Vielleicht weis Deinen Mutter nicht, das es Dich verletzt.

    Ich hatte sechs Väter, in 20 Jahren. Mit allen war mein Mutter auch verheiratet- keiner davon war gut. Vielleicht hätte sie ne auch ne Frau nehmen sollen ;-) Ich hab´s an ihrer Stelle getan und bin auch sehr GLÜCKLICH damit...Würde mir auch so ein Glück für meine Mom wünschen.

    Wir sprechen seit ungefähr 4 Jahren nicht mehr miteinander- ich hoffe ich hoffe ihr geht es gut.

    15.12.2005, 14:53 von KozmicBlues
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    Ich kenne das Gefühl, bei meinen Eltern nicht zu Hause zu sein, sondern ein Gast...
    bei uns hat sich viel verändert, seit ich vor 6 jahren ausgezogen bin und während ich das gefühl habe, dass meine geschwister dort noch zu hause sind, bin ich zum seltenen beobachter dieser einheit geworden.
    es ist nur die frage, ob du einen anderen halt gefunden hast, den sonst eine familie bietet. dafür arbeite ich jeden tag. in diesem sinne dieElefantin

    22.10.2004, 16:46 von dieElefantin
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    weiß nich was ich dazu sagen soll. hört sich so weit weg an...

    22.10.2004, 16:33 von hendrix
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      @[Benutzer gelöscht] hmmmm....hoert sich fuer mich trotzdem etwas nach "fuernfte rad am wagen" an deine stimmung die du beschreibst!

      aber sich fuer seine mama zu freun ist ein schoenes gefuehl, kenn ich auch, ich bin einfach nur froh das es ihr jetzt und mit ihrem jetzigen leben gut geht!

      la rioja!

      22.10.2004, 16:20 von rioja

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