Beim Erreichen dieses Punktes...
werden Sie garantiert keinen Lottogewinn nach Hause tragen.
Es ist 1h nachts. Vor wenigen Minuten habe ich die WG betreten. Ich bin allein, meine Mitbewohnerin über’s Wochenende nach Hause gefahren. Auch mein Gast über die komplette Woche hat sich heute Nachmittag dann (endlich) verabschiedet.
Bis eben habe ich knapp vier Stunden mit Freunden verbracht.
Heute Mittag, zur Begrüßung in der Mensa kam der erste Ruf schräg von der Seite, ich war fast in Gedanken an ihnen vorbei gelaufen. Was ich heute Abend so vor hätte und ob wir nicht zusammen ins Kino gehen wollten. Diese vage Planung konkretisierte sich aber erst gegen Abend... um 19h beschlossen wir dann endgültig, Kino Kino sein zu lassen und uns gemütlich zu einem Spieleabend mit netten Getränken, Knabbereien etc zusammen zu finden.
Wir haben es uns gut gehen lassen. Fast hätte ich bei Cluedo gewonnen, leider fehlte mir das Mord-Zimmer. Mord ist sowieso ein gutes Thema.
Du erreichst diesen Punkt, da ist es nicht mehr wichtig, was passiert und was nicht. Was die Leute tun, sagen, denken, nicht tun und wie sie sind. Da willst du nur noch eins: Dass es vorbeigeht. Und das möglichst schnell. Möglichst ohne, dass du involviert bist, mit in den Schlund gezogen wirst und daran zugrunde gehst.
Diesen Punkt habe ich erreicht.
Wenn Männer Frauen lieben ist das toll. Wenn Männer aber verheiratet sind und ihre Freizeit mit einer zweiten Frau verbringen... dann ist da irgendwas nicht in Ordnung. Und so sieht es momentan aus.
Die ersten Schritte sind getan, der Weg bereitet.
Ich kann es nicht. Am Telefon, im Gespräch mit meiner Mutter, weiß ich schon nicht, wie ich mich ausdrücken soll... ich will ihr auch keine Floskeln an den Kopf werfen, sie auf Dinge hinweisen, die für den Moment noch nicht interessieren. Doch das tu ich momentan.
Mein heutiges Telefonat hat ein sehr guter Freund mitbekommen. Ich hätte ja auch meine Zimmertür mal zu machen können... auf den Gedanken bin ich gar nicht gekommen. Viel lieber hab ich getobt, meiner Wut Ausdruck verliehen, völlig egal, dass ich grad Besuch in der Küche sitzen habe.
Wir, er und ich, haben die Überlegung angestellt, ich solle die Vormundschaft für meinen Bruder beantragen. Der Gedanke missfällt mir nicht. Er ist noch 14. Ich will nicht mit ihm tauschen. Er tut mir leid. Auch wenn all das, was sich jetzt einstellt, der einzig richtige Weg ist für uns alle. Es schon vor Jahren gewesen wäre.
Ich habe einen Punkt erreicht, da ist es mir fast egal. Es ist nicht unwichtig und es ist eine sehr schwere Entscheidung, die sich anbahnt... aber ich fühle mich nicht in der Lage zu handeln. Zu helfen. Ich will es auch gar nicht. Ich kann es nicht.
In solchen Momenten merkst du erst, wo du eigentlich stehst. Du setzt deine Schritte in einer Stadt, in einem Umfeld und merkst, ob du angekommen bist oder nicht. Ich bin angekommen. Ich habe viele Menschen, herzensgute Menschen, auf die ich mich stützen kann, die ich um Rat und Hilfe fragen kann, wenn ich es nur wollte. Selbst ein Beamter, der sicher im Jahr Hunderte Menschen betreut, sprach mich am Mittwoch mit Namen an, als ich nach knapp einem Jahr zum ersten Mal wieder bei ihm war. Die Anonymität ist verflogen.
Ich habe heute Abend gut zugelangt. Dieser Freund von mir hat es auch gut mit mir gemeint. Er hat das Gleiche auch schon durch.
Es ist mir egal. Ich will es nur noch abhaken. So wie vieles anderes.




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