Garmonbozia 06.02.2012, 22:46 Uhr 13 2

Based on a true dream - Volume 2

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Ich bin so frei, mich auf alle Viere zu begeben und meine innere Stimme in vorpubertäre Höhen zu treiben, prompt fühle ich mich wohler, heimischer, ja auch menschlicher, auf dem Teppich mit den orientalischen Ornamenten, auf dem Teppich, der sich teuer, weil chinchillamäßig, anfasst - obwohl ich weiß, dass ich mich in einem Pfennigfuchsbau befinde -, auf dem Teppich, den ich so lange anstarre, bis die vogelartigen Gestalten ihren Sinn verlieren, nach und nach verschwimmen und eine neue Bestimmung als Zutat eines schwindelerregenden Farbbreis finden, dessen Anziehungskraft mich zu einem Frauenliegestütz veranlasst.

Um die Türklinke herunterzudrücken, mache ich kurz Männchen - braves Baby, so brav -, anschließend bin ich so frei, die Tür zum Jägerzimmer mit meiner kindchenschematischen Nase aufzuschieben und mich an dem Quietschen zu ergötzen, das mir seinerzeit geisterhaft erschien und meinen Plan durchkreuzte, heimlich rote Herzen auf des Vaters Backen zu malen, während er mit den ausgestopften Vögeln um die Wette schlief und dabei immer verlor - gegen den Mäusebussard, der auch heute noch seinen stolzen, sonst nur bei Imperfektliebhabern zu beobachtenden Blick auf die hirnlosen Rehbockschädel an der gegenüberliegenden Wand richtet, den Auerhahn, der immer so böse guckt wie ich, wenn ich normal gucke, und das Birkhuhn, das den Pfennigfuchsern nicht mal zwei läppische Glasaugen wert war; ich krabble zur Heizung, lehne mich an und lebe um die Wette.

Auf meinem in grauer Baumwolljogginghose gewandeten Arsch rutsche ich die glatte Marmortreppe ins Erdgeschoss hinab, um mich, jetzt wieder auf allen Vieren, am Wohnzimmer vorbei – ich höre den Fernseher und das mich nun auch fast zum Heulen bringende Schluchzen meiner Mutter – ins Schlafgemach meiner Großeltern zu bewegen, wo ich auf der von mir aus rechten Seite des Ehebettes akkurat zusammengelegte Klamotten meines Opas entdecke, in concreto ein Paar grüne Jägersocken, eine lange, grüne Jägerunterhose, ein grünes Jägerunterhemd sowie einen navyblauen Synthetiktrainingsanzug von Adidas, wobei eine Made unverschämte Wege auf der Kleidung beschreitet, und dieser Anblick ist so schrecklich, wühlt mich dermaßen auf, dass ich nicht bloß fast heule, sondern wahrhaftig, und ich erinnere mich und je mehr ich mich erinnere, desto krampfiger wird mein Geheule, und ich denke an meine Mutter und ihr Geheule und kreuze die Erinnerungen mit meiner Mutter und das Kreuzungsprodukt mit ihrem Geheule und irgendwie bricht alles in sich zusammen, wird unerträglich, bis ich aufstehe und den Tränen vor dem Spiegel beim Trocknen zusehe.

Im Wohnzimmer. Mutter weint. Oma sieht fern. Dement. Was hat es mit den Klamotten auf sich? Opa muss sich umziehen. Wird echt mal wieder Zeit. Verstehe. Mutter weint heftiger. Die Schaufel in der Garage. Der richtige Mann für den Job: steht vor euch.

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13 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Genau. Oma hat neue Klamotten für toten Jäger-Opa rausgelegt.

      07.02.2012, 09:25 von Garmonbozia
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Weiß ich doch.

      07.02.2012, 10:16 von Garmonbozia
  • 0

    2x gelesen, 2x nicht kapiert. Mh. Ich mag deine Schreibe ja immer... aber das is mir irgendwie zu hoch. Oder zu tief oder was auch immer.

    06.02.2012, 22:55 von nyx_nyx
    • 0

      Ist ja auch offenkundig ein Traum! ;-)

      06.02.2012, 23:06 von justanotherpicture
    • 0

      Ah, na dann... DANN ergibt das auf irgendeine Weise auch wieder Sinn. Hach, ich sollte vielleicht doch auch mal wieder schlafen, dann blick ich sowas auch wieder.

      06.02.2012, 23:08 von nyx_nyx
    • 0

      Die Überschrift "Based on a true dream" ist natürlich sehr zweideutig.

      06.02.2012, 23:13 von justanotherpicture
    • 0

      Jajaja, is ja schon gut :D Aber ich muss gestehen, dass ich Überschriften eh so gut wie nie lese. Keine Ahnung warum.. ich ignoriere wohl große Buchstaben, weil man mir beibrachte, auf das Kleingedruckte zu achten. Gnahaha

      06.02.2012, 23:16 von nyx_nyx
    • 1

      Du Schelm(in)! Ich les immer zuerst die Kommentare. Der beste Indikator für die Qualität eines Textes. Und manchmal kann man auch das eine oder andere Brett vorm Kopf dezimieren. ;)

      06.02.2012, 23:20 von justanotherpicture
    • 0

      Da hamse wohl recht. Ja, Kommentare les ich im Normalfall auch zuerst, sofern denn vorhanden. Bei Abos les ich jedoch unbefleckt und völlig kommentarlos und so.

      06.02.2012, 23:25 von nyx_nyx
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  • 0

    da sag noch mal einer, ich würde spinnen

    06.02.2012, 22:49 von MisterGambit
    • 0

      so spinnert finde ich den gar nicht

      07.02.2012, 09:17 von Gluecksaktivistin
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