noodle1981 09.09.2009, 23:12 Uhr 5 4

2 Pavillons, 3 Tische, 2 halbrunde Bänke und 8 Stühle...

All das hatte mein Vater im Kofferraum, als er starb. Plötzlich, auf der Straße – ohne Vorwarnung.

Es ist Freitag und ich habe in 2 Tagen Geburtstag. In diesem Jahr ist endlich mal wieder eine Party geplant und ich freue mich eigentlich schon seit ein paar Monaten richtig darauf. Gestern noch hab ich mehrmals mit meinen Eltern telefoniert.
Ich wollte eigentlich ein Auto mieten, wäre halt einfach praktischer für die Einkäufe etc. Mein Papa ging am Vorabend noch mit mir seine Liste durch. Als ich ihm versichere, dass er sich meinetwegen keinen Stress machen soll bringt er mich schnell zum Schweigen und sagt noch, dass er das sehr gern für mich macht und sich freut, dass er mir damit eine Freude bereiten kann.

Ich kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen, bedanke mich mehrmals und freue mich darauf, ihn wiederzusehen. Mittlerweile haben wir ein sehr gutes Verhältnis, welches pubertätsbedingt vor einigen Jahren heftig ins Wanken geraten ist.

Ich sitze also in meiner Wohnung, räume auf, höre gute Musik und freue mich einfach so über alles, was um mich herum passiert. Als mich meine Mutter zum ersten Mal anruft denke ich mir noch nichts dabei. Wir vermuten beide, dass sich seine Ankunft verzögert, weil er in der Tat ein – ich drücke es mal vorsichtig aus – sehr kommunikativer Mann ist und sicherlich von einem Bekannten im Nachbarort beim Einkauf aufgehalten wurde.

Als er nach mehr als 2 Stunden Verspätung immer noch nicht aufgetaucht ist und ich bereits alle Läden abtelefoniert habe, in denen er eigentlich vorbeischauen wollte wird mir langsam schlecht.
„Wir müssen die Polizei anrufen“, höre ich mich sagen. Meine Mutter ist völlig aufgelöst, ich solle das übernehmen. Also rufe ich an. Zuerst im Polizeirevier in meiner Stadt. Von dort werde ich zu einer anderen Polizeiwache weitergestellt. Hier trage ich zum dritten Mal mein Anliegen, bzw. die Geschichte vor und bin mittlerweile weit davon entfernt die Fassung zu wahren. Ein eher unsensibler Herr rät mir in einem Polizeirevier anzurufen, dass in einem Ort nahe der Strecke liegt, die mein Vater entlanggefahren ist.

Ich habe Angst, mir ist speiübel und ich habe das Gefühl, dass mir mein heftig klopfendes Herz gleich aus der Brust springen muss, als ich wieder erzähle, was los ist.
Der Polizeibeamte ist kurz angebunden, bittet mich zu warten…ich höre Rascheln, leise Stimmen im Hintergrund und kann mich kaum noch zusammenreißen. Dann eine andere Stimme, die mich jetzt fragt, wo ich mich denn grade befinde und, ob ich alleine sei. Ich werde langsam ungehalten, erzähle noch einmal, dass wir uns Sorgen um ihn machen und es einfach nicht seine Art ist sich nicht zu melden. Der Herr schweigt kurz, fragt dann wieder, ob mich eventuell ein Freund oder eine Freundin besuchen könne. Ich halte es nicht mehr aus, fange an hemmungslos zu weinen und will nun endlich wissen, was mit meinem Vater los ist. In der Stadt habe es einen medizinischen Notfall gegeben. Ein Mann sei auf der Straße gefunden worden, habe sehr schnell abgebaut und…er pausiert…der Notarzt kümmere sich momentan um ihn.

Zu diesem Zeitpunkt war mein Vater schon über 2 Stunden tot.

Ich will wissen, mit was für einem Auto derjenige unterwegs war, weil ich einfach nicht glauben kann, dass er von meinem Vater spricht, aber er sagt nur, dass es vom Namen her passt. Ich solle versuchen, mich zu beruhigen, aber das höre ich schon fast nicht mehr und er würde jemanden vorbeischicken.

Dann läuft mein eigener, schlechter Film ab. Zwei Freundinnen kommen zu mir. Ich habe in der Zwischenzeit mehrfach telefoniert – mit meiner Mutter, meiner Schwester, einem Freund. Ich sehe, dass auf der anderen Straßenseite ein Rettungswagen des ASB geparkt hat, kann mir aber nicht vorstellen, dass der meinetwegen dort steht.

Es klingelt nach einigen Minuten, 2 Herren und eine Frau stehen vor meiner Tür. Eine Freundin sagt mir, dass jemand mit mir reden müsse. „Ich will überhaupt nicht hören, was die mir zu sagen haben“, zische ich, weil ich das Gefühl habe gleich umzukippen.

Ein Dienstausweis wird aufgeklappt, man rät mir, mich erst mal zu setzen und dann höre ich nur noch, wie er mir sagt, dass er mir leider mitteilen muss, dass mein Vater heute Morgen verstorben ist.

Ich bin noch nicht mal 28 und habe meinen Vater verloren. Für immer. Völlig plötzlich. Ohne Vorzeichen, ohne Grund. Herzinfarkt mit 59. Dabei hatte ihm sein Arzt im letzten Jahr noch gesagt, dass er das Herz eines Hochleistungssportlers hat.

Mir vorzustellen, dass ich ihn nie wieder sehe, höre und mit ihm sprechen kann macht mich verrückt. Ich fühle mich so hilflos, wie noch nie in meinem Leben und gleichzeitig so naiv, wie ein kleines Kind, weil ich es einfach nicht wahrhaben will.

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5 Antworten

Kommentare

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    ...traurig...

    02.12.2009, 13:04 von sabrina1980
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    Schrecklich...
    ich habe auch die letzte Chance verpasst meinen Opa wieder zu sehen ehr er gestorben ist...
    und ich sagte noch zu meiner Mutter, dass ich auf die Klausuren lieber verzichten würde, weil ich mir sorgen machen ihn vielleicht nicht mehr wieder zu sehen.
    Mein Opa lebt/e in Polen mit meiner ganzen Verwantschaft. Ich hatte ihn schon zu dem Zeitpunkt 5 Jahre nicht gesehen. Ein Monat später starb er.
    Das kann auch kein Trost sein, dass weiß ich, aber sie zu das du nach vorne schaust...
    Dein ganzes Profil lässt auf deine Geschichte schließen.
    Martin

    02.11.2009, 19:30 von zivilisationshungrig
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      @zivilisationshungrig pf... könnte immer leicht aggressiv werden, wenn sich Leute, deren Opa/Oma/Tante/Onkel/Cousin/Nachbar/... starben einbilden, sie könnten auch nur ansatzweise nachfühlen wie es ist ein Elternteil zu verlieren.

      20.01.2010, 17:28 von Bembelbabe
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    Herzliches Beileid.

    26.10.2009, 13:30 von WieSieSehnSehnSieNix
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    scheiße.

    24.09.2009, 11:46 von MelodieScandaleuse
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