cherry-muffin 24.08.2010, 23:18 Uhr 2 4

Wohnst du noch, oder lebst du schon?!

Endlich ist es soweit: der Auszug aus der wohlbehüteten Welt ins Party- und Studentenleben.

"Wozu zum Himmel brauchst du denn dieses riesige Bett? Jan, da passt du ja 3- Mal rein.." "Ja, Mama, aber wenn ich mir jetzt schon eh ein neues Bett kaufe und ..." Entnervt schaut der leicht verpickelte junge Mann seine Mutter durch die Brille an.
Wo sonst darf man solche herrlichen Abnablungsszenen zwischen Eltern und Kind besser ungeniert betrachten als Samstags, 9 Uhr, Ikea Köln? Na klar, der Zeitpunkt ist günstig, viele haben endlich die Zusage von der Uni und stürzen sich jetzt auf die Einrichtung ihres 13 m² großen WG-Zimmers, natürlich nicht ohne Mama und Papa, die für ein Wochenende mit in die Großstadt gekommen sind und nun dem Sohn mit wohlwollendem Geldbeutel und noch nützlicheren Tipps zur Seite stehen.
Von vielen schönen und nostalgischen Erinnerungen an diese aufregende "Ich- zieh -nun -tatsächlich-aus"-Zeit gepackt, lächel ich den beiden von der Ikeamatratze aus zu. Klar, ausziehen und endlich weg von den Eltern wünscht sich jeder als Teenie, doch als ich dann winkend dem Auto meiner Eltern nachsah, als sie endgültig zurück in ihr Leben fuhren, dass vorher ja auch meins gewesen war, und meiner Mutter die Tränen über die Wangen rollten, wollte ich plötzlich nichts mehr als zurück mit ihnen nach Hause.
Dass ich mich nur 3 Monate später nicht mal erinnern konnte, wie ich es jemals 19 Jahre mit den beiden Knalltüten unter einem Dach ausgehalten habe, bringt mir wieder ein Grinsen aufs Gesicht. Oh ja, das erste Mal wieder heim zu fahren, nachdem man das Gefühl hat, so gewachsen und erwachsen zu sein, wie noch nie zuvor, ist verdammt schwer.
Weil Papa immer noch abends reinkommt und "willst du nicht langsam mal Schluss machen ?" fragt, wenn man gegen halb eins noch die neue Folge Scrubs anfängt. Weil Mama immer noch beteuert, sie wollte "nur noch diesen einen spannenden Film zuende gucken" , obwohl man genau weiß, dass sie auf einen gewartet hat, weil man auf einer Party mit den alten Freunden war und sie sonst auch keine Filme um 5 Uhr früh guckt. Und weil man sich erst daran gewöhnen muss, eigentlich nicht mehr zu Hause, sondern nur zu Besuch zu sein.
An der Kasse treffe ich Jan und seine Mutter wieder. Während Papa schon mal den Mietsprinter günstig vorm Laden parkt, kaufen die beiden...-richtig,das viel zu große Bett. Bravo, er hat sich also durchgesetzt. Dass sich alle Studenten kein Einzel- sondern ein Doppelbett kaufen, damit dann auch die erste Freundin oder das erste One Night Stand mit reinpasst, weiß ich, er weiß es, nur den Eltern werden wir es erstmal nicht erzählen.

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2 Antworten

Kommentare

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    Beschreibt das ausziehen echt gut.
    Kommt mir sehr bekannt vor...
    ... war aber noch nicht wieder zuhause, mal schauen wies wird.

    09.11.2010, 23:28 von gruener_Regenschein
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    gefällt mir :) du hast dieses ich-zieh-jetzt-aus-gefühl echt treffend beschrieben

    25.08.2010, 09:01 von kirschblau
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