Wilde Mädchen
Weil die Nächte keinen Zauber mehr haben. Weil nichts mehr verzaubert ist.
Manchmal dreht sich die Welt selbst für wilde Mädchen viel zu schnell.
Dann schmecken letzte Küsse nicht mehr süß, sondern bitter, liegen Erinnerungen viel zu schwer in leeren Mägen.
Manchmal hilft es nicht, wenn die beste Freundin die Haare hält, wenn wilde Mädchen kotzen müssen.
Bei dem Gedanken. Bei den Erinnerungen.
Manchmal hilft es nicht, dass, bricht das Dach über ihnen zusammen, sie wenigstens die Sterne sehen können.
Weil wilde Mädchen selbst im Übermut vermissen können.
Weil sie Hände und Lippen spüren. Überall.
Weil sie in Songtexten denken und sich atemlos so lange im Kreis drehen, bis der Schwindel sie ergreift und sie einen Grund haben sich fallen zu lassen.
Ohne Hände. Ohne ein leises Flüstern, das sagt „Ich pass auf Dich auf“ und „Du fehlst mir“.
Kalte Füße unter sonst so sicheren Bettdecken ..
.. ungewollte gewollte Begegnungen.
Weil auch wilde Mädchen Herzen haben, die schlagen.
Weil auch wilde Mädchen zaghaft träumen.
Von heftigen Küssen. Vom Übermut. Von Hemmungslosigkeit und Hingabe. Von verschwitzten Körpern. Von Nähe und Armen und Händen.
Fingerspitzen, die sanfte Kreise ziehen und Haut, auf der die Spuren der Nacht sich zärtlich abzeichnen.
Aber manchmal dreht sich die Welt selbst für wilde Mädchen viel zu schnell.
Springen sie zwei Schritte vor und einen zurück ..
Dann hassen sie sogar Musik, die sie sonst so glücklich macht. Lächeln lässt. Und lachen.
Dann ist alles Lärm. Und leer.
Oder eine Stille, die viel zu laut, viel zu unerträglich ist.
Dann sind es Hände und Finger, die sich in viel zu schlaflosen Nächten in Kissen krallen.
Muss das Licht plötzlich brennen, weil alles viel zu dunkel ist.
Weil die Nächte keinen Zauber mehr haben. Weil nichts mehr verzaubert ist. Und nichts mehr zauberschön.
Weil wilde Mädchen stolz sind.
Weil sie ihr Haar beim Kotzen alleine halten können und danach noch einen Schnaps kippen.
Und liegen sie einmal auf dem Boden, formen sie einen Schneeengel mit ihren Armen und Beinen. Stürzen tausend Meter in die Tiefe und ziehen die Leine ihres Fallschirmes nicht.
Aber manchmal dreht sich die Welt selbst für wilde Mädchen viel zu schnell.
Dann müssen sie den Stopp-Knopf drücken.
Wolke 7, Ausstieg in Fahrtrichtung links.
Weil wilde Mädchen niemals einen Fahrplan dabei haben und auch keine Uhr.
Weil sie viel zu gerne an fremden Stationen aussteigen. Daumen raus.
Und viel zu oft vergessen sie sich anzuschnallen.
Wolke 7, Ausstieg in Fahrtrichtung links ..




Kommentare
Sowas albernes.
30.09.2008, 10:52 von Lenulitschkadas ist unglaublich wundervoll geschrieben.
21.08.2008, 16:22 von MissFrancesist ist wohl einfach das los der wilden mädchen, mhm?
mir fehlt noch das Wort "barfuß"...
30.07.2008, 01:06 von KocmonabtAnsonsten bleibt sich der Text treu: Wenn er ein Geschenk wäre, dann eine weiße Schachtel mit einigen Vintage-Look Industrie-Kratzern drin. Mit einer blaßrosa Schleife und eventuell als Inhalt einer weißen Schachtel mit einigen Vintage-Look Industrie-Kratzern drin. Und mit einer blaßrosa Schleife...
Schöne Grüße von der Kommandobrücke
K
und noch ein prototyp, den viele versuchen nachzuleben. bis das erwachen kommt und das mädchen merkt, dass es eigentlich doch ganz anders ist.
25.07.2008, 16:39 von RedSonjaaber ein schöner text
hm... schöner text. die letzte zeile hätte ich nicht gebraucht.
24.07.2008, 09:59 von misspringle@misspringle ja, richtig.
25.07.2008, 00:00 von zuckerpuppe@zuckerpuppe yep!
20.08.2008, 22:53 von wortpiratinna toll die Station habe ich dann wohl verpasst. Zu viel getanzt ohne auf den Zug zu achten. Herzlichen Glückwunsch.
24.07.2008, 02:15 von MorgenrotEin wirklich schöner Text. Wo ist der Schnaps?