Wer bist du?
Ich schaue ihn an, aber erkenne ihn nicht wieder. Er redet, aber ich kann ihn nicht verstehen. Papa, wer bist du?
Es ist hart, wenn man erkennen muss, dass man einen Menschen, den man zu kennen glaubte, nicht kennt. Es ist hart, wenn man auf einmal merkt, dass alles anders ist als man glaubte.
Die Trennung meiner Eltern war wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Ich wusste, dass es passieren würde. Ich wusste, dass es besser so sein würde. Ich wusste nicht, dass sich die Beziehung zu meinem Vater grundlegend ändern würde. Nein, ich wusste nicht, dass sie schon immer so war....
Ich kann mich noch gut an die Zeiten vor der Trennung erinnern...Mama war zu Hause, Papa kam gegen 6. Dann fing es erst an. Streit. Dann kam die Stille. Anschweigen...und wieder Streit.
Das jeden Tag. Jeden verdammten Tag.
Ich versuche zu entfliehen. Versuche mich abzulenken. Darf mich nicht einmischen. Will es aber. Höre ihre lauten Stimmen. Meine Mutter weinen. Tür geknalle. Verdammt,..ich will hier raus.
Dann an einem späten Nachmittag im November ist es soweit. Mein Papa zieht aus. Ohne ein Wort. Packt seine Sachen. Lädt alles ins Auto. Ich sehe zu.
Will weinen, kann es aber nicht, weil ich stark sein will. Ich muss jetzt da sein für meine Mama.
Die Tür ist zugefallen. Er ist weg. Es ist leer.
Erst Wochen drauf, merke ich auf einmal, dass er jetzt nicht mehr um 6 nach Hause kommt. Es herrscht Stille zu Hause. Wenn ich nach Hause komme, ist niemand mehr da. Aber ich vermisse nicht ihn, sondern nur seine Anwesenheit.
Bei Telefonaten fällt es mir zum ersten Mal auf:
Wir haben uns nichts zu sagen. Ein Gespräch findet kaum statt, die Gesprächsthemen fehlen. Das was ich ihm sagen will, kann ich nicht rausbringen.
Was würde er nur machen, wenn es das Wetter nicht gäbe?
Und tief in meinem Innern zittert es, weil ich mich fragen muss:
Papa, wer bist du eigentlich?
Ich kenne dich gar nicht richtig. Du warst immer ein klasse Papi. Aber jetzt muss ich feststellen, dass ich jeden jeglichen Bezug zu dir verloren habe. Ich habe das Gefühl eure Konflikte haben mich immer mehr abstumpfen lassen...
Warum musste ich immer die Starke in der Familie sein, obwohl ich die Jüngste war?
Warum habe ich mich eingelassen diese Rolle zu übernehmen? Warum waren meine Geschwister nie diejenigen, die Mama trösteten? Wer war eigentlich mal für mich da?
Mein Papa hat jetzt ein neue Familie,...mit 3 Kindern, Zitat seinerseits: "Alle in unserm Alter!" Schön,...
Papa was soll das? Ich bin deine Kleine! Du hast soviel Feingefühl wie ein Baumstamm. Ich erkenne dich nicht wieder.
Nein.
Du warst nie anders. Jetzt wo ich erwachsen werde, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe dich immer als Papa gekannt, aber nie als Mensch.
Es tut mir Leid. Aber der Zug ist wohl abgefahren...






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Kommentare
villeicht siehst du ihn dann nicht mehr ausser zu festen? warum schliesslich solltest du IHN besuchen fahren? ich glaub ma, das hatte sich dann erledigt. und mit deinen geschwistern wurds auch schwierig werden, befurchte ich. aber ich kanss nur sagen: sie muss da echt raus, die mami! kennst ja eigentlich meine meinung...
25.04.2005, 09:07 von hollandmeisjebei mir daheim sieht es ganz aehnlich aus. meine mutsch wird immer ungluecklicher und versucht immer wieder das gespraech zu suchen. und was macht er? er tut beleidigt, fuehlt sich angepisst und natuerlich keiner schuld bewusst. er redet einfach nicht mit ihr, sondern sitzt den ganzen lieben langen tag an seinen raetseln oder geht am wochenende auf den fussballplatz. nur keine zeit mit der frau daheim verbringen. ich versteh das nicht. das einzige was er dazu zu sagen hat ist: sie waere zu ich-bezogen. aber hallo? hat er etwa das recht von ihr zu verlangen so zu leben? ich denke nein! er reflektiert einfach nicht ueber sein handeln und blockt total ab. aber man muss doch reden miteinander. ist der partner nicht auch dafuer da, dass man sich mal ausspricht und auch kritik aneinander ueben kann? falls sich bei meinen ellies nicht bald was aendert, packt meine mum auch bald die koffer und dann weiss ich auch nicht was aus meiner beziehung zu ihm werden wird...
21.04.2005, 13:13 von moosroseDas ist genau das was ich in meinem leben erleben muß!sehr guter text!!wenn er der wahrheit entspricht...
21.04.2005, 12:50 von MartyMcFlyich fühle mit dir!!!
Ihc war erleichtert als meine Eltern sich sceiden ließen. Es war die beste Zeit die meine Mutter und ich gemeinsam hatten.
14.01.2005, 16:58 von JolaFür meinen Vater ist die Welt so: Entweder man ist für ihn oder gegen ihn. Und ich war so wohl gegen ihn! Aber das war ich nicht! Ich war nur dafür, dass meine Mutter beginnt zu leben und zwar ohne Stress und Streit!
Es war das beste was meine Mutter je getan hat.
Das Verhältnis zu meinem Vater ist momentan wieder etwas angeschlagen. Er hat eine neue Freundin, was mich nicht stört, aber ich glaube das er mich vergisst wenn er eine Beziehung hat. Hat er keine erinnert er sich wieder an meine Schwester und mich. Ich nehme es mir nicht mehr zu Herzen. Man härtet irgendwie ab. Er wird immer mein Vater bleiben, auch wenn er nicht mein Freund ist.
@Jola @Jola: Klar, ich war auch erleichtert, als sich meine Eltern getrennt haben. Es war einfach das Beste für alle. Ich finde es einfach nur traurig, dass man dann fest stellen muss, dass die Beziehung (die man ja ein ganzes Leben hatte) irgendwie ziemlich oberlfächlich war/ist. Finde auch, dass man abhärtet,...aber stört es dich nicht, dass er dich vergisst?! Klar, es ist richtig wenn du es dir nicht zu Herzen nimmst, ist ja auch eigentlich die beste Art damit umzugehen, aber ich könnte das nicht! Es tut doch weh, so was zu bemerken. Dein Vater, der dich hat aufwachsen sehen, alles mitgekriegt hat in deinem Leben, ist auf einmal ganz anders und du hättest es nie von ihm gedacht...Das kann ich nicht anders, als es mir zu Herzen zu nehmen!
14.01.2005, 19:42 von June@June Ich glaube ich bin schon abgestumpft.
18.05.2005, 14:59 von JolaDas Verhältnis hat sich zu meinem Vater seit dem letzten Beitrag nicht verbessert, eher das Gegenteil.
Es macht mich innerlich sehr wütend, dass er mir das Gefühl gibt ihm egal zu sein. Aber ich will nicht das er es weiß, ich will nicht, dass er sich mit mir beschäftigt, weil ich es so möchte. Er soll es doch auch wollen!
Vor sechs Monaten hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt, dass mein Vater undihc nie wieder eine Kriese haben würden, aber ich hatte mich getäuscht. Seit März ist alles schlimmer geworden. Er arbeitet jetzt außerhalb, ist nur am Wochenende in Hamburg (wo ich wohne) und verbingt die Zeit dann auch nur mit seiner Freundin, kümmert sich nicht mal um seine einzige Enkelin (meine Nichte).
Ich bin froh eine so liebenswerte und gute Mutter zu haben. Bei ihr weiß ich, dass sie mich bedingungsslos liebt, so wie ich sie!
bei mir war es ganz ähnlich... :( das mit den telefonaten kenn ich nur zu gut.. mittlerweile kenne ich ihn gar nicht mehr. kein kontakt. höchstens zum geburtstag mal. früher. zu meinem 18. hat er sich nicht gemeldet..... "der Zug ist wohl abgefahren..." lg, fia
04.01.2005, 16:21 von Fia@Fia Es ist wohl dass Schlimmste für Kinder, wenn sich die Eltern von ihnen verabschieden, bevor sich die Kinder von ihnen gelöst haben. Dieser Bruch wird die Kids wohl das Leben lang begleiten.
05.01.2005, 12:53 von maxgo2001 trennte ich mich von meiner Ex. Ich habe einen Sohn (12) und eine Stieftochter (17). Erst nach der Trennung wurde mir bewusst, welche Verantwortung ich als Vater habe und tue alles um diese Verantwortung auch zu tragen.
Eltern unserer Kinder werden wir immer bleiben, egal wie unsere zukünftigen Beziehungen aussehen.
LG...Pit
@maxgo Bitte, bitte:
10.01.2005, 22:56 von silvi-pSeid froh, daß eure Eltern es geschafft haben, sich zu trennen. Besser, als sich auf ewig anzukeifen und als Familienmitglied auf ewig diese Stille ertragen zu müssen.
Meine feierten vor kurzem 40. Hochzeitstag und ich frage mich nur, warum sie beide die Chance auf ein glücklicheres Leben vergeben haben...
s.