Filmstudent 11.09.2008, 06:08 Uhr 1 0

Was, wenn alles scheiße ist?

Der Wecker klingelt um sieben, der Kopfschmerz steht schon auf, der Körper bleibt liegen. Bis um halb acht.

Heute steht mal wieder Ungewissheit auf dem Plan, meine Mitfahrgelegenheit hat noch einen Termin und weiß nicht wann sie bei mir vorbeifährt, ob überhaupt.

Während der Kopfschmerz schon dem Reizdarm einen Guten Morgen wünscht, schleppt sich der Körper ins Bad, duscht den alten Schweiß der letzten Nacht herunter, bleibt noch zwei Weckerintervalle unter dem heißen Strahl stehen und hofft, dass die Schmerzen sich von der Wärme vertreiben lassen.

Wie gewöhnlich bleibt alles wie es ist. Ich schalte das Laptop ein, diese Krücke des Isolierten. Wenigstens einbeinig Kontakt zu halten mit der alten Welt erlaubt es mir. Statt eine Verbindung mit der Heimat aufzubauen, beginne ich hilflose Zeitvertreibung mittels Browsergame. Drei Klicks und das kranke Gewissen ist beruhigt. Im Studentenverzeichnis die Seite der Freundin angeschaut, auf der Pinwand eifersuchtserregende Einträge einer unbekannten, männlichen Person entdeckt. Das Minderwertigkeitsgefühl kocht Kaffe, die Hilflosigkeit schreit aus dem Bad, dass sie auch eine Tasse möchte. Drei Stück Zucker, keine Milch. Bitte!

10.000 Kilometer bin ich weg von ihr und 44 Tage sind es schon, fehlen noch 18. Mein Gott das ist nichts, sagt mein Hirn. Und mein Herz holt den Kuhfuss aus dem Keller. Jetzt spricht nur noch das Herz: bin ich überhaupt gut genug, dass sie auf mich wartet?
Der Körper schleicht sich davon um einer Diskussion zu entgehen, weiß aber ohne Hirn nicht wohin und tritt gegen die Wand.

Die Kurznachricht meiner Fahrgelegenheit, beschert mir dann noch mehr Freiheit in der Gestaltung meines Tagesablaufs, zu viel Freiheit für einen wie mich. Das naheliegendste muss her! "Gott Internet, wir beten dich an! So viel hast du uns zu geben!", schreit das Herz. "Dann aber wenigstens etwas Kreatives", brummt das wiedererwachte Hirn grimmig von hinten. Der Kuhfuß hat den Besitzer gewechselt. Aus der Küche ruft der Körper: "Wir könnten auch masturbieren! Das gefällt uns doch allen immer ganz gut." Womit die Fronten geklärt wären. Herz und Hirn, starten die Musik, öffnen ein bekanntes Textverarbeitungsprogramm und feiern den Kampf gegen den Schweinehund, dieses faule Stück Fleisch. "Ab heute ist Schluss mit den ewigen Rohfassungen, den hingekritzelten und niemals ausgearbeiteten Ideen, schreiben als Passion statt ewiges Aufraffen!"

Naja aber erstmal was essen.

1 Antworten

Kommentare

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    Finde ich auf eine gute eigene Weise sehr amüsant.

    13.01.2009, 20:48 von kleinepiratin
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