Was ist wichtig?
Wie lange hält der Drang an, ist was ich mich jeden morgen frage.
Vor ein paar Wochen bin ich nach 4 Wochen aus Brasilien wiedergekommen. 4 Wochen mögen manche sagen, das ist doch nichts! Aber wenn man einen festen Arbeitsplatz mit dazugehöriger Verantwortung hat, sind 4 Wochen ganz schön lang. Fand jedenfalls mein Chef. Nach diesen 4 Wochen habe ich nicht nur den Pin-Code zu meiner EC-Karte verloren, mir fällt auch meine Adresse auf Nachfrage nicht sofort ein und das Passwort für den Laptop schon gar nicht (in welchem Monat war ich nochmal weggefahren??). So sehr entspannt man sich also in 4 Wochen die man damit verbringt eine neue Sportart zu lernen. Die ganze Zeit brennt einem die Sonne aufs Hirn und Schwimmhäute wachsen langsam zwischen den Fingern und Zehen. Mein juristisches Wissen verkriecht sich in Regionen die nicht zugänglich sind. Ich fühle mich überhaupt nicht persönlich angegriffen weil mein Handy nicht vor Nachrichten überquillt. Offensichtlich geht es auch ohne mich – schön. Nur ganz kurz vor der Abreise stellt sich plötzlich die Frage nach dem Stand des Projektes, aber der Gedanke ist schnell vorbei, die nächste Urwaldwurzel droht mich zu Fall zu bringen. Die Abreise ist nur möglich mit dem Versprechen zu mir selbst im Gepäck, im Mai zurückzukehren.
Wieder hier ist alles unwirklich. Das Gefühl kennt sicherlich jeder. Es ist kalt und die Menschen tragen Mützen und Stiefel!! Den ersten Tag im Büro lese ich die vielen Emails und als ich dann fertig bin weiss ich nicht so recht, was ich jetzt mit der Information anfangen soll. Wie war nochmal meine Stellenbeschreibung?
Automatisch drängt sich die Frage auf, was ich hier eigentlich tue. Und vor allem warum? Und wie lange noch?
Ich will hier nun nicht über die Leistungsorientiertheit dieser Gesellschaft schimpfen und so tun, als habe ich nicht gerne daran teil. Ich liebe meinen Job und ich liebe meistens auch den Stress der damit verbunden ist und den ganzen zugehörigen Lebensstil. Aber will ich das wirklich die nächsten 30 Jahre tun?
Ist es nicht vielleicht doch möglich, entgegen meiner bisherigen Annahme, dass ich auch ohne diesen Stress ein glückliches Leben führen könnte? Lässt sich mein Kopf auch anderweitig befriedigen? Würde ich dies alles hier wirklich so sehr vermissen? Gibt es unter Umständen irgendwo ein anderes Leben, dass sich durch einen Ausgleich zwischen Leben und Arbeit auszeichnet, welches nur von mir begonnen werden muss?
Fehlt es nur an Mut aus diesem Leben auszubrechen? Oder sind das alles Hirngespinste und der Drang lässt allmählich nach bis er ganz weg ist?
Wie behält man sich den Blick auf das Wichtige?





Kommentare
Ja, die Frage ist richtig. Schöner Text. A.
07.01.2005, 15:07 von Antoniaich bin auch gerade aus dem urlaub wiedergekommen. obwohl ich nur eine woche weg war, hab ich ungefähr genauso lange gebraucht um mich wieder an die arbeit zu gewöhnen. hab mich in den ersten tagen oft gefragt, ob der sinn des lebens darin besteht, sich 8 stunden täglich den A**** plattzusitzen. liegt wohl auch daran, dass ich insgesamt eh erst seit 2 monaten arbeite und der studentenzeit noch etwas nachtrauere...obwohl ich meine arbeit auch mag und es das ist, was ich machen wollte...kann mir vorstellen, wie heftig das erstmal nach 4 wochen ist. und dazu noch so ein traumland wie brasilien...schwärm..war auch mal dort. ein großartiges land...
07.01.2005, 10:28 von Nelsonbewundernswert..., würde gerne auch so abschalten können wie du....., irgendwann will ich mir auch mal die frage stellen können, ob es auch ohne mich läuft. doch momentan bin ich noch nicht so weit. das dauert noch.
07.01.2005, 00:18 von teckleberry@teckleberry @teckleberry: weisst du, das habe ich auch gedacht. fast hätte ich meinen laptop mitgenommen! und die ersten tage bist du noch nervös aber irgendwann fällt dir auf, dass du schon lange nicht mehr daran gedacht hast, es könnte dich jemand wegen arbeit anrufen. funktioniert natürlich am besten an einem ort der das genaue gegenteil von deiner arbeitsstadt ist, hier: fischerdorf!
07.01.2005, 09:36 von k.