kristinontour 30.11.-0001, 00:00 Uhr 16 2

Was das Leben lebenswert macht

Warum ich niemals aufhören werde, das Gute zu sehen. Über Reisen, den Winter, fremde Städte und das Gefühl von Freiheit.

Freiheit ist so viel mehr als ein Gesetz, das dir ermöglicht, deine Meinung frei zu äußern ohne Angst vor Konsequenzen zu haben.

Stell dir vor durch eine große, fremde Stadt zu laufen, in irgendeine zufällige Straße rechts abzubiegen, weil du dich grad danach fühlst, obwohl du keine Ahnung hast wo sie hinführt. Keine Angst zu haben, dass du irgendetwas anderes verpasst, weil alles um dich herum, in seiner ganzen Hässlichkeit der Stadt und der Gesellschaft, einfach so verdammt schön ist. Keine Zweifel zu hegen dass der Ort, an dem dich du dich zu exakt dieser Zeit befindest, genau der richtige Ort für diesen Moment ist, und dass genau das was du gerade tust, der absolut richtige Weg ist, deine kostbare Zeit zu in diesem einmaligen Moment verbringen.

Durch die Straßen zu flanieren, sich darin zu verlieren, zu sehen, zu beobachten, den Konversationen um dich herum zuzuhören, sich ablenken lassen von den kaputten Fassaden einer ehemals prunkvollen Vergangenheit, zu stolpern über den sich auflösenden Asphalt und im letzten Moment dein Gleichgewicht wiederzufinden. Sich deiner Lieblingsmusik auf Spotify hinzugeben, dich wegzuträumen von diesem Ort und doch nirgendwo anders sein zu wollen, während du über das Leben, diese Stadt und eigene Irrelevanz in ihrem System nachdenkst und dich gleichzeitig wie die Königin der Welt fühlst.

Dir in einem kleinen Laden an der Ecke einen Kaffee zu holen, der deine eingefrorenen Finger wieder etwas aufwärmt, und ein unbekanntes Gebäck zu probieren oder dir gleich in der quasi unsichtbaren Cantina in der nächsten Seitenstaße von Babushka taditionelle Hausmannskost sevieren zu lassen, in der hungrigen Überzeugung, dass das wohl das beste Gericht sein muss, das du jemals probiert hast. Ohne unter diesem nervigen Gefühl zu leiden, diese wunderbare heiße Borsh-Suppe mit dem Bufeet beom Chinesen von letzter Woche vergleichen zu müssen - da einfach nichts außer dieses faszinierende Zusammenspiel deiner Sinne beim Essen eben dieser Suppe gerade etwas zur Sache tut.


Eine Marshutka an den Straßenrand zu winken, eingeklemmt zwischen pelztragende, immer noch in der Sowjetzeit lebenden Omas, huttragenden, schachspielendes Opas, Kinder-hinter-sich-herziehenden Müttern, besorgten Vätern und fröhlichen Kindern irgendwo hin zu fahren und durch den schlafenden Wald wieder zurückzuwandern in die Stadt, Wieder nach Hause zu kommen mit eingefrorenen Gliedern, schwerem Atem und einer laufenden Nase, zu einer Tasse grünen Tee begleitet von sinnlichen Berührungen und geflüsterten Worten deines allerliebsten Lieblingsmenschen.

Für einige Minuten ruhig in den Spiegel zu schauen, dir zuzulächeln für das, was du bist und aus dir gemacht hast. Andere schöne Menschen mit anderen schönen Leben, zu beobachten, ob im Bus oder auf Instagram, und dich mit ihnen über ihr Glück zu freuen anstatt sie zu beneiden. Vom Fitnessstudio nach Hause zu torkeln, kaum mehr die Treppen zur spartanischen aber eigenen Wohnung hochklettern zu können.

Die kalte frische Winterluft zu genießen obwohl sie dein Gesicht verbrennt, mit deinem Atem zu spielen als wäre es Zigarettenrauch, wie du es schon immer als Kind getan hast. An Silvester im Club sich der Musik hinzugeben und zu tanzen, bis du die Kontrolle verlierst.

Am nächsten Abend bis 2 Uhr nachts wach im mehr oder weniger bequemen aber dennoch sicheren Bett zu liegen und seltsame, hochemotionale Texte über das Leben zu schreiben, nur um mittendrin von einer Facebook Nachricht überrascht zu werden, die die Schmetterlinge in deinem Bauch wieder zum Leben erweckt.

Den Moment zu leben, zu genießen und zu feiern, jedes Mal auf Neue, und jedes Mal anders. Dir keine Sorgen zu machen, was morgen sein wird, weil du weißt dass es, was immer es ist, gut sein wird. Die Ruhe und Kapazitäten dafür zu haben, über solche Dinge wie das Leben, die Stadt, die Freiheit nachzudenken. Dich an glorreiche goldene Zeiten, wertvolle da einmalige und magische Momente, und viel zu betrunkene Feiern zu erinnern - in die Gegenwart zurückzukehren, zu lächeln und zu schreiben.

Das ist mein persönliches Glück; das ist das, was das Leben lebenswert macht; das ist das, was Freiheit füt mich bedeutet - das ist das, warum ich niemals aufhören werde, das Gute zu sehen in Menschen und in Situationen und das ist das, weswegen du es auch so machen solltest.

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16 Antworten

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    wo kann ich diesem Text hier so ein Herzchen vergeben?

    08.01.2016, 21:56 von rondoallaturca
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      auch wie.

      08.01.2016, 23:20 von rondoallaturca
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      nein, ich meine, wie funktioniert das technisch. für gut befunden hab ich den ja auch...

      08.01.2016, 23:27 von rondoallaturca
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      ja ist sie, sonst würde ich sie nicht stellen...

      08.01.2016, 23:33 von rondoallaturca
    • 0

      Ist die Frage ernst gemeint?

      08.01.2016, 23:33 von mirror87
    • 0

      c_50x50_1419601624_cbd0_DSC00753.JPG

      08.01.2016, 23:35 von mirror87
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      Der Neon-Lotse. Er wird dir weiterhelfen können. Einfach anschreiben, er freut sich immer, wenn sich jemand mit ihm unterhalten will. Die Fragen sollten aber nicht zu schwer sein. :D

      08.01.2016, 23:56 von mirror87
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      Das war auch eher an rondoallaturca gerichtet.

      09.01.2016, 00:07 von mirror87
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