pseudoindividuell 18.09.2014, 00:14 Uhr 0 2

Viele Worte über's Nichts.

Noch immer verspüre ich manchmal den Wunsch, meinen Finger in den Hals zu stecken oder zu einem Messer zu greifen nach einem Streit.

Dieser Text enthält in den ersten Abschnitten starke Trigger. Depressionen, SVV- und Suizidgedanken werden geschildert. 
Allerdings hat der Text den Anspruch, positiv zu enden. 
Vielleicht hilft es Jemanden, vielleicht macht es Jemandem Mut.


Das ist ein Text für alle Menschen, die seit Wochen, Monate oder Jahre nichts spüren außer Verzweiflung und die Leere.
Für Alle, die wissen, wie sich die bleiernde Müdigkeit anfühlt, die einen nicht loslassen will.
Für alle, die das Nichts kennen. Für alle, die so verzweifelt sind, dass sie sich selber weh tun um sich zu spüren, um  Anderen weh zu tun oder um sich selber zu bestrafen. Für die, die im Sommer auch mit langen Sachen rausgehen, weil sie ihre Narben nicht zeigen wollen. Für alle, deren Gesicht viel zu oft, viel zu nah an der Kloschüssel ist. Für alle Menschen, die Angst haben über eine Brücke zu gehen -weil sie die Gedanken kennen, die dann kommen und einen in den Abgrund starren lassen.
Für Alle, die auf dem Bahnsteig stehen und bei jedem einfahrenden Zug zu kämpfen haben, nicht doch vorzuspringen. Für Alle, die nicht mal mehr auf die Straße gehen können, weil sie mit dem Gedanken spielen, sich vor den sich nährenden Scheinwerfer zu werfen.

Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich kenne das.
Die letzten zwei Jahre habe ich mit all dem Tag für Tag gelebt. Es hat mich aufgefressen, aufgesaugt. Das Nichts, das schwarze Loch -das Leben. Und es ist nicht vorbei.
Noch Heute gibt es Situationen, die mich lähmen. Phasen, in denen ich nichts spüre außer den vertrauten Druck auf meinem Brustkorb, der mich irgendwie am atmen hindert.
Noch immer gibt es Momente in denen das Nichts präsent ist.
Noch immer verspüre ich manchmal den Wunsch, meinen Finger in den Hals zu stecken oder zu einem Messer zu greifen nach einem Streit.

Noch immer. Aber wieso schreibe ich das denn hier? Gerade, jetzt in diesem Moment, bin ich glücklich. So unfassbar glücklich, dass ich am liebsten weinen möchte. Genau deswegen. Weil ich glücklich bin. Ohne Grund. Vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass das noch jemals möglich wäre. Es gab nichts anderes außer dieses schwarze Loch, dass mich aussaugt und verschluckte.
Und jetzt?

Ich habe gelernt meine Gefühle zu hinterfragen, zu erkennen woher sie kommen. Situationen zu  ändern -oder Dinge zu unternehmen, die meine Stimmung beeinflussen.
Musik hören, mit Freunden sprechen, schreiben, malen. Ich habe das geschafft, weil ich ehrlich zu mir selber war. Weil ich was ändern wollte, auch wenn ich ein bisschen Angst hatte. Ich habe erkannt, dass ich mehr als das Nichts, das schwarze Loch bin und dass das gar nicht zu meinem Charakter gehört. Auch wenn ich das immer dachte, weil ich mich nicht an eine Zeit erinnern konnte, in der es anders war. Es wird nicht für Jeden so einfach sein. Aber es ist es wert. Wisst ihr wieso?

Weil man Momente haben kann, in denen man einfach lacht. Momente, in denen man durch die Straßen geht und Dinge schön findet. Momente, in denen die Sonne auf das Gesicht scheint und man so ein wohliges Gefühl in der Brust spürt. Momente, in denen Lieder, die man lange nicht mehr gehört hat, wiederfindet und einfach dazu tanzt. Momenten in denen Essen auf einmal unfassbar gut schmeckt. Momente, in denen man Menschen neu kennen lernt und mit denen man sich gut versteht oder in die man sich sogar verliebt. Momente, in denen man freudig in seine Zukunft blickt, mit der Gewissheit, dass man viel ändern kann für einen selber -und erstaunt ist über sich selber. Denn in der Vergangenheit gab es keine Zukunft. Nur ein schwarzes Loch, Unsicherheit, Angst und Leere. Und jetzt?

Jetzt sind da viele Dinge, die man machen kann, machen will. Viele schöne Dinge und viele schöne Momente, die kommen werden. Ja, ab und zu geht's mir immernoch scheiße. Ab und zu ist immer mal wieder alles im Arsch. Aber das ist nicht Alles.
Ich kann damit umgehen, weil ich weiß, dass es besser wird. Weiß, dass es anders geht und dann seh' ich die schönen Dinge. Und ich hoffe, dass ihr sie auch alle irgendwann seht.
Man kann es schaffen. Es ist leichter als man denkt.


Tags: Depression
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