ccellardoor 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 1

Verschwende deine Jugend!

So denke ich manchmal, wenn ich mich von meinen Plänen mal wieder überfordert fühle.

Es gibt so vieles, was es zu tun gibt, was ich tun möchte. Zig Romane, die ungelesen in meinem Regal stehen, Theater, Oper, Ausstellungen, die von mir ungesehen vom Spielplan genommen werden oder schließen. Filme, Kino, Musik, Konzerte. Und dazu, ohne die das alles allerdings kaum ginge, die Freunde. Jeden Tag unterwegs, keine Minute verschwenden, immer etwas Sinnvolles, mindestens Schönes machen.
In der Bahn nie ohne Buch oder Zeitschrift, beim Einkaufen Telefonate erledigen, beim Fernsehen bügeln (oder Schals stricken!). Mir scheint, dass ich keine Minute ungenutzt verstreichen lasse. Im Urlaub liege ich nicht am Strand, sondern sehe mir interessante Städte an – samt wichtigen Museen.
Und je mehr ich mache, umso mehr Interessantes schlägt mir entgegen: Tolle Vorschauen im Kino, Ausstellungsplakate im Museum, gute Musik in Cafés und Kneipen. Beim Kochen mit Freunden fällt einem auf, wie schön es ist, gemeinsam zu kochen und plant, das öfter zu tun, man würde gerne öfter ins Kino gehen, öfter ins Museum, öfter ins Ballett, man will mehr Bücher lesen, mehr können und mehr wissen. Die Liste im Kopf, auf der man gerade einen Haken gemacht hat, ist schon wieder um weitere Punkte angewachsen.
Und in diesem ausgefüllten Leben fehlt eins: Die Zeit. Nicht die Zeit, das alles wirklich zu erledigen. Dass nicht alles geht, damit habe ich mich abgefunden. Was fehlt, ist die Zeit, gar nichts zu machen. Und das wichtigste dabei: Mit gutem Gewissen.
Was ich will: Meine Jugend verschwenden!
Natürlich ist es auch sinnvoll, seine Zeit optimal auszunutzen. Würde ich jetzt gar nichts tun, würde ich mich irgendwann wahrscheinlich ärgern, wie wenig ich mit meiner Zeit angefangen habe. Aber ich habe das Gefühl, zu viel mit meiner Zeit anfangen zu wollen. Ich will wirklich viel machen. Und so ist kein Tag bei mir ungeplant. Ich weiß oft schon für die ganze nächste Woche, was sie bringt, gemeinsame Wochenenden werden über Monate geplant, was auch schön ist, aber keine Zeit lässt für ein In-den-Tag-Hineinleben.
Natürlich habe ich oft das Gefühl, meine Zeit zu verschwenden, indem ich durchs Netz surfe, häufig klicke ich mich durch Wikipedia, lese Nachrichten, aber auch StudiVZ oder Youtube erhalten ihre – irgendwie auch berechtigte – Aufmerksamkeit. Aber ich bin diszipliniert genug, das niemals lange zu machen. Trotzdem wünsche ich mir häufig noch größere Disziplin, so könnte ich mehr von all dem erledigen, was auf meiner endlos langen Liste auf einen Haken wartet.
Was ich mir aber noch mehr wünsche, ist die Unvernunft. Die Unvernunft, mich einfach mal vor den Fernseher zu hängen, obwohl ein Referat vorbereitet werden müsste, die Unvernunft, mir die ganze Nacht Filme anzugucken, obwohl ich am nächsten Tag eigentlich in die Uni müsste, die Unvernunft, bis in den Morgen rauszugehen, obwohl ich mir für den nächsten Tag eigentlich ein paar auf meiner Liste gemachte Haken vorgenommen hatte.
Natürlich mache ich all diese Sachen ab und zu, nur immer ohne das ‚obwohl’ danach, nämlich nur, wenn auch das vorher so geplant, oder zumindest die Möglichkeit einberechnet war.
Es scheint, als wäre ich schlicht gern spontaner. Aber es geht nicht darum, dass ich kein spontaner Mensch bin. Es geht darum, dass ich gar nicht in der Lage bin, spontan zu sein, weil ich mein Pensum einfach planen muss, so dass genau dafür keine Zeit mehr bleibt. Für Zeit, die ich spontan damit verbracht habe, keine Haken zu machen.

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Kommentare

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    boom, zack! das ist großartig !

    12.11.2014, 00:52 von MrRunAway
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