Verkehrte Welt
…wenn Bruder & Schwester die Rollen vertauschen.
Ein normaler Sonntag bei einer normalen Familie: Die Tochter backt mit der Mutter in der Küche einen Kuchen und dabei erzählt sie ihr den neusten Tratsch. Im Wohnzimmer schauen Vater und Sohn Fußball und trinken ein Bier.
Ein normaler Sonntag in meiner Familie: In der Küche stehen Mutter und Sohn. Sie kochen, backen, tratschen. Also (fast) wie bei den Gilmore Girls, meiner Bruder ist ja logischerweise kein Mädchen. Im Wohnzimmer sitzen Vater und Tochter. Sie schauen erst Formel 1 und dann Fußball. Dabei trinken die beiden ein Bier.
Mein Bruder kommt ins Wohnzimmer, mein Vater und ich schauen gerade Fußball. „Fußball ist doch total scheiße!“, ich schau ihn an, als wäre er ein Außerirdischer. Mein Vater schaut erst mich und dann meinen Bruder an, dann sagt er: „Was ist bei euch eigentlich schief gelaufen?“
Ich war noch nie ein „richtiges“ Mädchen. Ich kann nicht kochen und backen wie Mama, aber dafür kann ich trinken und über Fußball reden wie Papa. Bei meinem Bruder ist’s andersrum. Der hat gar keine Ahnung von Fußball. Er hat auch ein ganz anderes Verhältnis zu meiner Mutter, als ich. Die beiden könnten (wie oben erwähnt) die „Gilmore Girls“ sein. Er redet mit meiner Mutter über echt alles: Über seine Freundin, seine Probleme. Ich rede mit meiner Mutter über so was nicht. Ich hab meine beste Freundin, der ich alles erzähle. Ich glaub, meine Mama hat nicht mal eine Ahnung, dass ich überhaupt schon mal einen Freund hatte.
Ich behalte gerne meine Sachen für mich. Ich glaube, ich erzähle meiner Mutter nicht alles, weil sie immer alles herausposaunt. Ich hasse so was. Deswegen häng ich lieber mit meinem Vater ab. Wir haben eine coole Beziehung. Ich vertraue ihm und er mir. Ich darf mir sogar sein geliebtes Auto leihen.
Ich will nicht sagen, dass ich kein Mädchen bin, denn ich geh gerne shoppen, ich schmink mich und Jungs sind sowieso toll. Also in dem Punkt ist bei mir nichts falsch gelaufen lieber Vater.
Falls ihr euch jetzt denkt, dass ich nicht selbstständig bin: Ich könnte backen und kochen, wenn ich mich dafür nur interessieren könnte. Ich bin nämlich selbstständig genug um die Mikrowelle zu bedienen und den Lieferservice anzurufen. Jaaha.
Aber wieder zum Thema: Ich frag mich echt, wieso das so ist. Wieso sind wir beide so verschieden?
Als wir kleiner waren, hatte doch alles seine Ordnung. Er hat mit seinen Autos gespielt und ich mit meinen Puppen. Mein Bruder war damals sogar in einem Fußballverein, hat im zwar nichts gebracht, aber ich wollte das nur noch mal deutlicher machen.
„Was ist bei euch eigentlich schief gelaufen?“
Ich hab keine Ahnung. Ich denke, ich bin eher ein Papakind. Und mein Bruder wohl eher ein Muttersöhnchen. Ich hab ihm aber trotzdem lieb, denn er backt mir immer einen total leckeren Kuchen…




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