scherencapody 15.05.2012, 15:58 Uhr 3 0

Unser Scanner ist kein Vegetarier

Über das Leben in der Bürokratenwelt und die Gefahren,die damit verbunden sind...

Und morgens um 7:29 betritt er die Firma.
Die Pforten der Hölle öffnen sich automatisch und schon kommt der Verwesungsgeruch von verfaulendem Papier und seit Jahrtausenden nicht mehr ausgeklopften Teppichen entgegen.
Die kalte,weiß-gestrichene Wand ist ein Film aus altem gesellschaftlich anerkanntem Schimmel und schlängelt sich neben ihm entlang,bis er zu seinem Größten Feind kommt: Dem Scanner!

Und morgens um 7:34
Noch ruht er still und funkelt ihn nur mit seinen roten Augen an und spricht:
"Speise mich du Feigling,ich werde dich in den Wahnsinn treiben mit meinem Gesang und Fressattacken"
Eiskalt läuft es ihm den Rücken hinunter,er erinnert sich an die vielen Wochen, die er vor dem Kasten verbracht hat,indem sich die Dokumente verfangen,wie eine Fliege im Netz der Bürokratiespinne.
Es hat nichtmal geholfen,kleine Penisse auf die Blätter zu malen,er fraß sie alle.
Und immer ,wenn die schreckliche Fütterung vollzogen wurde,sang der Scanner sein monotones Lied,eine Percussion aus Piepsen,Einzugsgeräuschen und dem Rascheln von Papier,das sich anhörte,als würden tausende von verlorenen Seelen um Hilfe schreien.

8:01
Der Scanner läuft mal wieder nicht richtig,so steckt er die Hand hinein,um das Papierchen herauszufischen,er kratzt sich leicht.
Dann läuft eine Büromöse an ihm vorbei und sagt lachend:"Vorsicht!Unser Scanner ist kein Vegetarier...Hihi"

Bisweilen um 8:53
Immer, wenn der Siamesische Zwillingschef vorbei kommt und mit seinen dürren Spinnenfingern streichelnd über den Scanner,sein Haustier,fährt,schnurrt dieser katzenartig und wirft dem jungen Kerl einen sadistischen Blick zu.Die kleinen verkrüppelten Helfer des Siamesen wuseln durch das ganze Höllenmeer,sie haben kleine Speere,die sie den noch nicht verkrüppelten liebevoll in die Eingeweide stoßen,um sie zu motivieren und ab und an bekommt auch der Junge einen Stoß.

9:44:
Das Grüßen der Mitarbeiterkobolde ist derart monoton und deprimierend,dass es zu den Tönen passt,die der Scanner von sich gibt.
"Ziiiiiiing schrrchrrr Moin Hallo"
"Ziiiiiiing schrrchrrr Moin Hallo"
"Ziiiiiiing schrrchrrr Moin Hallo"
Und jedes Mal fängt sein Herz an zu bluten,auch wenn er dachte ,er sein mitllerweile auch derart abgestumpft,dass er es schaffen könnte,dort durchzuhalten.

10:49
Er erinnert sich an die kleinen Kniffeleien,die ihm Spaß machten,um die Firma langsam aber sicher zu zerstören.Büroartikel klauen, das Zeichnen von fickenden Strichmännchen auf den Ordnern der Vorsitzenden,das Verstecken der Klebezettel.
Das hat er schon lange aufgegeben...

11.09
Die Krawatte schürrt ihm die Luft ab,aber der Chef hat sie ihm geschenkt.

Es schlägt 12.00

Und da fällt sie ihm ein,die Melodie ,die er schon lange vergessen hatte,aus dem NICHTS schoss sie in sein bildschirmgebleichtes Gesicht und auf einmal pumpte sein Herz Blut in alle Korperteile und er fühlte,dass er noch lebte.
Er war kein Zombie!
Und nur er war in der Lage,diesen ganzen Mistladen auseinanderzunehmen!

Er schwitzt so unfassbar vor Rage und schon schaut er sich um:
Alle sitzen an ihren Schlachttischen stumm,die Münder sind ihnen in ihren Schweinegesichtern zusammengewachsen,es ist also nur das leichte Säuseln des Radios zu hören und diese Sekunde nutzt er jetzt!
jetzt! JETZT!!!

"IHR DRECKIGEN INZESTUÖSEN TACKERFICKER"

Er springt auf den Tisch und brüllt auf den Siamesischen Oberkrüppel ein.Ja,er reißt sich die Fessel seines Zombiedaseins vom Hals und stopft sie dem Chef ins  Maul,der zu Ersticken droht.

Aufruhe im Büro!!! Alles kreischt wie Affen und jubelt lautstark mit klatschendem Beifall, während er den Chef hochstemmt und ihn in den immernoch laufenden Scanner schiebt.
Der Teufel wehrt sich,doch es gibt kein Entkommen aus dem hungrigen Maul des Gerätes,das garnicht bemerkt,wen es da gerade verschlingt.
Das grünrote Blut des Chefs spritzt aus allen Öffnungen und Schlitzen der Maschine und befleckt die weiße Wand,was ihr einen expressionistischen Touch gibt.

"Stiiiiiiirb!!!Du altes Stück reiche Scheiße!!! Verreck!!!"

Einer der beiden Köpfe ist schon im Magen des Scanners angekommen.Er versingt in dem Schlund von Jonas Rachen.Der Revolutionär tritt nach,um ihm zu helfen,auf dass er niemehr herauskomme!

Das Krachen seiner verstaubten Knochen ist ein ekliges Geräusch ,aber es beeindruckt auch und er will diesen Moment festhalten.
Nach einigen aufregenden Sekunden,in denen die Trolle völlig ausrasten und ihre Metastasen von sich werfen,verschwinden nurnoch die dürren Klauen des Teufels im satten Gerät.

Totenstille

Licht ist in ihm.
Völlig außer Atemsteigt der Freie von dem Kunststoff-Sarg des Incubus und geht den blutgetränkten Teppich entlang,am Infostand vorbei und aus Pforten des Büros hinaus ,blutbespritzt und ohne sich noch einmal umzudrehen,mit einem Lächeln,das sich langsam zu einer Grimasse verzieht.







3 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Köstlich.

    Du hättest vorher noch ein Blatt im Kopierer liegen lassen müssen: "1. You don't talk about the Fight Club..."

    15.05.2012, 18:47 von wordmage
    • 0

      Ich musste auch an fightclub denken ;-)

      15.05.2012, 20:49 von scherencapody
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