themagnoliablossom 30.11.-0001, 00:00 Uhr 4 2

Und du so?

Mein Haus, mein Auto, mein Mann, mein Kind und du so? Ähm, ja!

Wie sehr beeinflussen eigentlich Meinungen von anderen das eigene Denken und letztendlich auch das Verhalten? Obwohl ich der Meinung bin, dass ich frei von anderen entscheide, ertappe ich mich immer wieder selbst dabei, dass mich äußere Einflüsse und Meinungen doch mehr beeinflussen, als mir lieb ist.

Ganz banal hat es vor Jahren angefangen, als ich mir geschworen habe ich werde nieeeee diese Röhrenhosen tragen. Heute befinden sich in meinem Kleiderschrank fast ausschließlich solche Exemplare… Oder facebook. Niemals wollte ich mich damals von dem geliebten studivz (kennt das überhaupt noch jemand?) trennen, um in den Armen dieser Datenkrake aka. Mark Zuckerberg laden. Heute? Undenkbar! Nur eines von vielen Beispielen, dass wir Menschen uns dem Strom der Zeit anpassen und – ob unbewusst oder nicht – den Trends anpassen. Irgendwie.

Ist das auch so mit gesellschaftlichen Werten und Normen? Erwartungen und Lebensentwürfen? Ich habe neulich eine alte Bekannte getroffen. Und immer wenn unsere Wege sich kreuzen, lautet ihre Frage (nach dem obligatorischen hey, wie geht’s) „na, was macht die Liebe?“. Ich weiß immer nicht so recht, was ich darauf antworten soll. Ist das das Einzige, was interessiert? Ist man nur normal, wenn man Mann (wahlweise Frau), Haus und Kind vorweisen kann? Was ist überhaupt normal? Worum geht’s da? Mein Haus, mein Auto, mein Kind und du so? Diese Thematik scheint omnipräsent zu sein.

Na, was macht die Liebe?

Vor allem bei Leuten aus meiner Heimat. Ein winziges Dörfchen irgendwo in der Provinz. Ihr wisst schon, Fuchs und Hase und so. Ehemalige Freunde, die zu flüchtigen Bekannten geworden sind. Weil sie immer noch in dem Dorf von damals wohnen und noch immer in dieselben Cafés gehen, in dieselben Bars und womöglich auch noch über dieselben Themen sprechen während die Musik von damals aus den Lautsprechern dröhnt. Weil sie immer noch dieselben sind oder ich einfach so anders bin.

Es steht fest, es hat sich etwas verändert. Gesellschaftlich. Zumindest in den großen Städten. Urban Lifestyle und so. Wir sind eine Generation, aufgewachsen mit allen Möglichkeiten, geprägt durch die grenzenlose Freiheit, die nicht zuletzt durch das Internet vorgegaukelt wird. Das Gras auf der anderen Seite ist irgendwie immer grüner. Deshalb fällt es uns so schwer – mir so schwer – sich festzulegen. Wir wollen schließlich das Beste von allem, ausnahmslos. Aber was das genau ist, das wissen wir nicht. Wir verspüren nicht mehr den Drang, alles komplett anders machen zu müssen, als dies noch unsere Eltern bei ihren Eltern verspürt haben. Wir besinnen uns zurück auf traditionelle Werte. Legen Wert auf Nachhaltigkeit, sind bio, vegan oder was auch immer. Wir haben alle studiert, sind gebildet und weltgewandt und dennoch fallen wir in ein Loch, sollen wir von nun an alles alleine regeln. Vielleicht sind das die Schattenseiten dieser schier unendlichen Fülle an Möglichkeiten und eines von Freiheit und Individualität geprägten Lebensstils.

Sind wir wirklich so frei und selbstbestimmt? Oder beeinflussen uns Meinungen, (vermeintliche) gesellschaftliche Normen und Konventionen doch mehr, als uns lieb ist? Wieso bekommt eine Freundin latente Panik, wenn sie an ihrem 30. Geburtstag ohne festen Partner (so heißt das ja jetzt) da steht. Wieso ist die Zahl 30 (in Worten dreißig) so allgegenwertig und tief in unserem Bewusstsein verankert. Die arme Zahl kann nichts dafür, dass sie eine solche Projektionsfläche für (unerfüllte) Wünsche und Sehnsüchte ist. Dennoch sitzt das tief. Eine Kollegin sprach mich neulich an, ob ich denn nun einen Freund hätte und ich mich doch mal ranhalten müsse, in meinem Alter. Wieso? Bin ich nur ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, wenn ich zwei bin? Ich alleine quasi gar nicht glücklich sein kann? Ich für meinen Teil genüge mir selbst und fühle mich großartig dabei. Ich mag es nicht, sich von außen irgendwelche Lebensweisen aufoktroyieren zu lassen. Wer sagt, dass man in dem und dem Alter, dies und jenes erreicht haben muss. Ich entscheide gern selbst. Und ich bin es auch Leid, mitleidige Blicke zu ernten, für die Art und Weise wie ich lebe. Denn sie ist alles anders als bemitleidenswert – im Gegenteil.

Selbstverständlich bin auch ich nicht abgeneigt, mein Leben mit j e m a n d e m zu teilen – irgendwann. Ich habe nichts gegen die Haus-Nestbau-und-Babys-machen-Menschen. Ich habe was dagegen, dass zu tun, weil man es halt so macht. Am besten noch mit dem oder der Nächstbesten – wegen der Comfort Zone und so.

Vielleicht bin ich irgendwann selbst eine von denen. Von denen, die ein Häuschen am Stadtrand, im Grünen baut und mit 200 Kindern lächelnd über die blühende Wiese hüpft. Bis dahin bin ich einfach ich und genieße mein Leben. Das kann ich nämlich tatsächlich auch ganz gut allein.

 

©themagnoliablossom



Tags: 30, aufoktroyieren, Baby, Comfort Zone, Denken, Generation, Gesellschaft, Haus, Heimat, Individualität, Koventionen, Meinung, Nestbau, Projektionsfläche, Provinz, selbstbestimmt, Trends, Urban Lifestyle, Wünsche, Werte
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4 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich mag den Text, weil ich´s verstehen kann :-)

    Ich werde auch gerade von den Leuten aus der alten Heimat nach "und wie läufts bei dir so? Kinder? Heirat? Haus?" gefragt und komisch angesehen, wenn ich sage, dass es mir ohne ganz gut geht ...

    29.06.2015, 10:10 von VickyLotta
    • 0

      Danke :) Ja, solche Phasen gibt es immer. Und zu dieser Zeit (ist ein Text aus dem Archiv) war das besonders akut. Aber ganz prinzipiell finde ich es nicht gut, sich über solche Dinge zu definieren (müssen)
      Liebe Grüße

      01.07.2015, 19:39 von themagnoliablossom
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

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