cell44 31.05.2012, 16:48 Uhr 179 83

The joys of fucking up.

Nach 10 Jahren Werbung stehe ich vor endlosen Möglichkeiten zu scheitern. Mit der großen Hoffnung des Neustarts und existentieller Angst. Go!

Wenn ich über die Sachen nachdenke, die ich seit was weiß ich wie vielen Jahren machen wollte, ist die Liste recht lang. Jetzt wird gekürzt. Denn ich habe nach langer Eilosigkeit Geld gegen Zeit eingetauscht: Anstatt jeden Tag 8 bis 170 Stunden in einer Werbeagentur zu verschimmeln, mache ich mich auf, herauszufinden, was sonst noch geht.

Es ist ein merkwürdiger Zustand, so einen großen Haufen Routine zu verlieren. Wie die Beendung einer Beziehung, die schon lange nicht mehr oder noch nie wirklich gut war. Es ist richtig, den Schlussstrich zu ziehen und sich zu neuen Ufern aufzumachen, gleichzeitig bleibt ein großes Loch. Denn erstmal sind alle Seile gekappt. Ich fliege herum wie eine Penny-Tüte im Wind, getragen von der großen Hoffnung des Neustarts und runtergedrückt von der existentiellen Angst des absoluten Scheiterns.

Es gibt drei Antworten auf die Frage, was ich in Zukunft machen will. Die Antwort ist dabei vom momentanen Gefühlszustand abhängig. Modus A ist hoffnungsvoll und glaubend, bereit der Welt mit dem grinsenden Arsch ins Gesicht zu springen: „Rockstar, Schauspieler und Model. Was Realistisches.“ Modus B ist ängstlicher und hat all die Tritte in die Eier der Träumenden nicht schadlos überstanden: „Vielleicht was mit Kindern, oder was Redaktionelles oder Übersetzer, mal kucken.“ Modus C ist Angst an der Schwelle zur Verzweiflung: „I got no fucking idea, man.“

Was ich mehr als alles andere will, ist Musik zu machen. Die Band geht ins Studio, das Soloalbum ist in Arbeit. Erzähle ich das Menschen, kommt in den größten Fällen die immer gleiche Antwort: „Ja, aber das wird doch alles sowieso nichts.“

FUCK
YOU
!

Ich bin so schwer angekotzt von der deutschen Kultur der Angst, des ewigen Kompromisses, der Belächelung von Träumen, die größer sind als das, was alle machen, die abseits von den Schienen liegen, auf denen wir im Kindesalter losdüsen. Bloß nichts versuchen, um ja nicht zu scheitern.

Ich will lieber jetzt ultimativ auf die Fresse fallen, als mit 40 „hätte ich doch nur, könnte ich doch jetzt“ zu denken. Natürlich sind selbstzerfressende Zweifel mein ständiger Begleiter – aber das Gute ist, dass niemand sagen kann, was passiert und was nicht passiert. Denn niemand weiß irgendwas – und ist das nicht das Schöne am Leben?

Die Frage nach Sinn und Zweck dieses Texts ist durchaus berechtigt, ich habe mich auch danach gefragt. Ich glaube, es ist der Versuch, mir selber Mut zu machen, dass am Ende des Regenbogens diesmal kein Eimer Scheiße steht, sondern eine schöne Frau mit Sixpack, einem Joint, Schönzeiten und einer Kiste Geld. Und es ist definitiv ein Appell an die, die in Kackjobs stecken und nicht wissen, wohin. Zückt den Mittelfinger und geht all-in auf euch selbst! Wer aufrichtig und ehrlich alles versucht und scheitert, ist nicht gescheitert.

Fight for your right to dream and fuck up! Ich wünsche viel Spaß dabei.

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179 Antworten

Kommentare

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  • 0

    wie ging es aus?

    02.03.2014, 11:43 von Suenje
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      Manchmal ist ein Sack halt nur ein leeres Gehänge.

      11.04.2013, 11:32 von EliasRafael
    • 0

      Haja, des Läbbe isch koi Schlotza.

      11.04.2013, 11:37 von Grumpelstilzchen
    • 0

      musst du noch lernen, das hört sich eher nach möchtegern-dialekt an.
      s läbe isch koin schlotza.

      11.04.2013, 13:41 von nnoaa
    • 1

      Soll ich mir jetzt von einer Badenserin erzählen lassen, wie man schwäbelt?

      11.04.2013, 13:48 von Grumpelstilzchen
    • 1

      Ein Schwabe würde auf jeden Fall schonmal nie "koin", sondern ganz klar "koi" sagen. Das musst du noch lernen.

      11.04.2013, 13:49 von Grumpelstilzchen
    • 0

      ja, schätzle. dachte auch schon, dass es vllt am schwäbischen liegen kann.. ;)

      11.04.2013, 13:52 von nnoaa
    • 0

      Eilos bleibt eilos.

      11.04.2013, 13:54 von EliasRafael
    • 0

      darf ich auch mal ziehen?
      vllt wirds diesmal endlich mal n gewinn..

      11.04.2013, 13:56 von nnoaa
    • 1

      Aua

      11.04.2013, 13:59 von EliasRafael
    • 1

      Oh, Grumpel hat die Ehre der Schwaben verteidigt! Guter Junge!

      11.04.2013, 21:43 von Jimmy_D.
    • 1

      Das war das zweite Mal binnen weniger Stunden. Schau mal in ThereSheGoes Gästebuch, Mr. Knopf.

      11.04.2013, 21:44 von Grumpelstilzchen
    • 0

      Ihr seid alle ganz egal. :)

      12.04.2013, 14:48 von cell44
    • 0

      :)))

      12.04.2013, 14:49 von Grumpelstilzchen
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    Wie wäre es mal mit einem UpDate? Habe gerade dieses clubkinder klanglabor Video gesehen, die Songs haben mir gefallen, auch wenn sie recht schwermütig sind. Also, erfolgreich abgefuckt oder erfolglos? Oder irgendwas dazwischen?

    15.10.2012, 07:32 von Mrs.McH
    • 0

      Alles ist auf guten Wegen. Geduldig bleiben. :)

      15.10.2012, 11:01 von cell44
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  • 0

    Neulich im Freigehege der Sauna.
    Typ1 (eher schüchterner Südländer, offenbar mit dem Wusch geleitet zu werden: "ich arbeite gern dort"
    Typ2 (der Großkotz mit "Was kostet die Welt" Mentalität): "Mensch, wenn du als Meister noch in dem Betrieb arbeitest, in dem du Geselle warst hast du was falsch gemacht."
    Typ1: "Ich bin noicht so mutig alles hinzuschmeißen - glaube ich"
    Typ2: "Ach was, da geht du insolvent einmal, zweimal, dreimal, na und? Wenn du es nicht probierst, wirst du nichts"
    Typ1: "Aber ... aber..."
    Typ2: "Weischdu, der Johnny, der war auch pleite vor zwei Jahren, jetzt hat er den Laden mit einer Millionen reifen auf dem Hof und die ganze Afmilie packt mit an. Der hat jetzt n AMG"

    ...oder so ähnlich...

    Klar: Hau rein, wenn das dein Ding ist. Man hat nur ein Leben und sollte das Beste für sich selber daraus machen.

    30.07.2012, 17:11 von Plutarch
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  • 1

    das ist dann die Illustration zum Text (sehr gut, auch der überzeugende Schreibstil mit Appell), ja?
    http://www.neon.de/bilder/bild/nie-wieder-werberhure/870896/505962

    24.06.2012, 22:43 von yveh
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      Ganz richtig!

      25.06.2012, 02:05 von cell44
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  • 1

    Alles wird super.

    18.06.2012, 16:32 von karl_kopf
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  • 3

    Tolle Einstellung! Es gibt viel zu viele Menschen hier, die andauernd Kompromisse eingehen - aus Angst vor dem Leben und vielleicht sogar vor sich selbst. Unserer Gesellschaft wird der Weg, der ein jeder zu gehen hat, doch schon im Kindesalter vorgelegt: Schule, wenns geht Studium, Job, Familie und Haus. Ein Großteil derer sind glücklich damit, was ich respektiere. Doch ich will mehr. Der Spruch ist alt und zu oft gebraucht, aber ich finde ihn trotzdem richtig "Du hast nur ein Leben". Auch ich kenne genug Menschen die zumindest den Mut haben sich mit 40 oder 50 noch einmal aufzuraffen, um ihre eigentlichen Lebensträume zu verwirklichen. Doch warum warten, bis man alt ist, wenn das ganze Leben noch vor einem steht? Warum Arbeit und Zeit in etwas investieren, was man eigentlich gar nicht machen möchte? Dann doch lieber gleich in die Träume investieren und mit doppelt so viel Motivation und Freude etwas aufbauen. Viele Menschen haben Angst davor zu scheitern, wenn sie etwas riskieren, wie zum Beispiel einen festen job. Doch in dieser situation sehe ich den Verlust eher als eine Bereicherung. man kann sich nochmal ganz neu aufstellen, vielleicht nicht nur im Traumjob neu finden sondern sogar die zeit für sich selbst nutzen, um auf sein herz zu hören und sein eigenes ich zu hinterfragen. Sein Leben auf Pause stellen und in dieser völligen Ruhe einmal ganz objektiv darüber nachdenken, was man von seinem Leben eigentlich erwartet und sich auch in der Vergangenheit einmal gewünscht hat. Ist man dort gelandet oder ist man aus lauter Routine und Kompromissen plötzlich an einem ganz anderen Punkt angelangt. In diesem Zeitpunkt ist noch nichts zu spät, also glaub an dich und lass dich von deiner Umwelt ja nicht beeinflussen und dir dein Vorhaben ausreden, ich kenne das leider auch nur zu gut. Lieben Gruß und alles Gute ;)

    04.06.2012, 22:21 von lina_wertvoll
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  • 1

    Glückwunsch zu dem Schritt! Habe selbst Ende letzten Jahres einen "soliden", recht guten Job aufgegeben, um mehr Zeit zu haben für Dinge, die ich tatsächlich machen möchte, wie mehr zu schreiben.

    One life to live...

    04.06.2012, 19:09 von Philipp_Nagels
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