Blinzelei 30.11.-0001, 00:00 Uhr 10 10

Standby

"Nimm mich!" ruft der Norden. "Komm zu mir!" ruft der Süden. "Bleib hier!" begehrt das Herz.

Es beginnt. Der Startschuss fällt mit dem Kater nach einem Dresscode-Abend; das Peng liegt in DinA-4 auf dem Schreibtisch, in drei beglaubigten Kopien. Es folgt eine Zeit, in der man diskutieren muss, ob man noch für sieben fünfzig statt neun Euro ins Kino kann, aber der Stempel ist ungültig und bleibt es. Bis dahin hat man nur solch kleinen Probleme. Die großen kommen danach.
Auf einmal wird das Land groß; auf einmal wird man gefragt, was man möchte. Es gibt Möglichkeiten, so viele Möglichkeiten. "Nimm mich!" ruft der Norden. "Komm zu mir!" ruft der Süden. "Bleib hier!" begehrt das Herz. Man horcht in sich, horcht fremden Stimmen, horcht Zahlen. Man zweifelt, man trotzt. Man entscheidet sich. Man geht und kommt an.
Man kommt an und lässt sich selbst zurück, aber es ist tut so; man schmiegt sich in das Universum, das größer geworden ist. Man wird es auch. Man findet Quellen, schöpft sie aus, badet darin, veranstaltet Wasserschlachten. Pflichtet sich selbst und gegenseitig Applaus.

Irgenwann wird die Welt größer. "Geh! Los, geh! Wir belohnen dich. Wir bereichern dich." Verlockung. Man geht wieder, kommt an, geht wieder, kommt wieder an, wo man fortging, und bringt etwas mit, was einen immer wieder fortzieht.

Es geht voran, immer weiter, immer weiter. Kino gibts wieder und noch für sieben fünfzig; man kommt nicht zum gehen, aber das ist gut so. Bis sich die Fragen häufen: "Was nun?", und man plant das Nach dem Ziel, das man für selbstverständlich nimmt, das man auf den Schreibtisch legen kann, in dreizehn beglaubigten Kopien. Man plant, man zweifelt, man trotzt. Man plant Plan B aus Ehrgeiz, Plan C aus Flexibilität, Plan D aus Angst. Die Ziellinie ist einen Schritt entfernt, man sieht zurück und ist stolz. Man sieht nach vorn - und bleibt stehen.

Und dann frage ich: Wofür das alles?, und ich höre Zweifel in meinem Kopf und Angst in meinem Herz, die ich für fremd hielt.

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Kommentare

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    Der Text ist wirklich schön geschrieben, ich mag den Stil. Allerdings bin ich oft "gestolpert" und musste einen Abschnitt zweimal lesen, kein Text zum Überfliegen.

    D´accord.

    10.05.2011, 20:38 von Jeldrik
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      @Jeldrik ... Was nicht heißen soll, dass zweimal lesen den Text "schlechter" macht. Teilweise heikle Bildsprache, die Spaß macht, wenn man sie versteht. (Oder glaubt zu verstehen)

      10.05.2011, 20:40 von Jeldrik
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    Hätte fast gesagt, du hast grad das Abi in der Tasche!
    =)

    17.04.2011, 22:32 von Aerosmiths-Fan
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      @Aerosmiths-Fan Das zum Glück schon länger, aber irgendwann so nach drei Jahren Studium denkt man zurück und erinnert sich, wies war, und wo man früher noch dachte, es wäre einfach schwer, sich zu entscheiden, ist plötzlich das Problem, dass man seine Entscheidungen nicht umsetzen darf.

      23.04.2011, 18:33 von Blinzelei
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      @Blinzelei so ist das leben. sonst wärs ja zu einfach.

      ich hab schiß vor dem tag, an dem ich die u-bahn treppe nur noch in zeitlupe runterkomme. wer glaubt mir, daß ich mal so war wie jetzt? werd ich denn überhaupt zuhörer finden?!

      im endeffekt sind das alles probleme, die keine sind. einfach machen, sterben kann man immer noch.

      04.05.2011, 21:30 von ich.lese.gern
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    Hättest du es lieber, weniger Möglichkeiten zu haben, da die Rahmenbedingungen nicht alles zulassen, z.B. einen Partner, beschränkte finanzielle Mittel, Nachwuchs etc.? Dann würdest du dich ärgern, dass du gewisse Möglichkeiten nicht hast, ob du die tatsächlich nehmen würdest sei mal dahingestellt. Mein Tip: Hör aufs Herz :-) Und noch so eine Weisheit: Wer zweifelt hat sich schon entschieden. Gut das ich noch ein wenig Zeit habe

    15.04.2011, 00:56 von Hoody
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      @Hoody Danke. Aber siehe oben - das Problem ist, dass die Rahmenbedingungen Plan A nicht zulassen, wenn man sich mal nach Herz & allen anderen Mitteln der Kunst dafür entschieden hat.

      15.04.2011, 07:50 von Blinzelei
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      @topfbluemchen Da kapiert man ja zum Glück relativ schnell. Das Problem dabei ist dann eben nur, wenn man meint, die richtige Entscheidung getroffen zu haben - man sie aber nicht ausführen kann, weil die Umstände einem einen Strich durch die Rechnung machen. Das ist das eigentlich frustrierende.

      14.04.2011, 23:58 von Blinzelei
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    Der Text ist wirklich schön geschrieben, ich mag den Stil. Allerdings bin ich oft "gestolpert" und musste einen Abschnitt zweimal lesen, kein Text zum Überfliegen. Inhaltlich ist das Ende stark.. und ich kann diese Gedanken absolut nachvollziehen.

    14.04.2011, 17:37 von mia_pfefferminza
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    Diese Ungewissheit was passieren wird nagt denke ich am meisten an einem. Doch niemand kann vorhersagen was am Ende bei den einzelnen Wegen rauskommt. Ob du es schaffst liegt an dir, wie unterschiedlich die Unis auch sein mögen. Es sind auch Herrausforderungen an denen man wachsen kann, und die einen stärker machen können, wenn man genug Willen mitbringt es durchzuziehen.
    Vielleicht hilft es sich daran zu erinnern, dass auch viele andere dieselben Gedanken durchmachen müssen :)

    14.04.2011, 16:15 von aco
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      @oceaneyes Nein, Germanistik und Anglistik. Noch tiefer im Abgrund. ;D

      14.04.2011, 13:19 von Blinzelei
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      @Blinzelei BWL. Himmel bewahre.

      14.04.2011, 13:20 von Blinzelei
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    Einfach auf sich zukommen lassen...

    14.04.2011, 13:01 von T_P
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    Wofür da alles? Um sich daran zu gewöhnen, denn so richtig wird es nie enden.

    14.04.2011, 12:51 von Platinfuchs
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      @Platinfuchs Natürlich wird es das nie, aber man ist doch irgendwo naiv und denkt, dass nach zig Semestern alles glatt läuft. & überhaupt: The first cut is the deepest.

      14.04.2011, 12:53 von Blinzelei
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