heartofreeny 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 9

Sommerflaute

Nachts um drei: Was machst du, wenn du traurig bist? Ich musste kurz über die Frage lachen, weil sie so anders war als die üblichen Partygespräche.

Ich saß ein wenig vereinsamt bei den anderen im Wohnzimmer etwas abseits auf einem Stuhl und versuchte, über den lauten Techno hinweg das Gespräch der Kerle gegenüber mitzubekommen. Den Gin Tonic in der Rechten lehnte ich mich zurück und wartete, dass neue Menschen in den Raum kamen. Bis auf den Freund, der seine Abschiedsparty in der WG schmiss, kannte ich zwei, drei andere flüchtig, doch die rauchten in der Küche und die war zu voll, um sich noch dazuzustellen. Es war eine klassische WG-Party mit einer ganzen Menge an Leuten, die ich nicht kannte. Nur in dem Moment im Wohnzimmer hatte ich einen kurzen Tiefpunkt und keinen, mit dem ich hätte plaudern können. Irgendwann kam eine Freundin von dem Freund dazu und setzte sich wieder neben mich. "Erzähl mal, was machst du, wenn du traurig bist?" Ich musste kurz über die Frage lachen, weil sie so anders war als die üblichen Partygespräche.

Ich habe vor allem gute Tage, meistens bin ich zufrieden. Traurig bin ich selten. Paul Kalkbrenner passt dann ganz wunderbar zu meiner Traurigkeit und nachdem ich meine Gedanken aufgeschrieben und geordnet habe, geht es auch wieder besser. Doch seit ein paar Wochen ist da eine andere Art von Traurigkeit. So ein dunkles, klebriges Gefühl, das mich runterzieht und ich bin nicht mehr ganz ich selbst, weil ich nichts mit mir anzufangen weiß.
Die Klausuren sind geschafft, der Stress ist vorbei, ich war kurz in der Heimat, die alten Freunde sehen. Es war wirklich schön, ich bin viel zu selten zu Besuch. Doch diese Semesterferien muss ich wohl oder übel in meiner neuen Wahlheimat mit Arbeiten und Lernen verbringen.
Ich bin da, wo ich nicht sein will, vermisse alles und jeden. Und die neuen Freunde hier, die sind auch nicht da. Alle verreist, auf der Suche nach Abenteuern oder mit dem Partner verplant bis zum geht nicht mehr.
Ich bin nicht traurig, ich bin einsam. Die Sommerflaute ist da. Niemand hat mehr Zeit, keiner ist da. So sehr ich Neues und Veränderungen mag, ich kann abrupte Wechsel nicht ausstehen. Plötzlich gehen die Auslandssemester los und die Freunde sind schon ausgeschwärmt, auf einmal ist der Partner wichtiger als alles andere oder das Studium beendet und auf geht's in eine neue Stadt. Und ich bin alleine hier. Kann keine neuen Abenteuer erleben, weil keiner da ist, der mit mir Neues entdeckt. Die alten Freunde sind zu weit weg, die neuen haben zu wenig Zeit. Die Zeit ist knapp und Zuhören ist ja auch schwierig, wenn das Abenteuer ruft.

An der Anlage blinkten schon die roten Knöpfe, so laut wummerten die Bässe. Ich nahm einen Schluck Gin, lächelte und antwortete: "Ach weißt du, ich bin gar nicht so oft traurig."


Tags: Sommerflaute, Traurigkeit, Einsamkeit, Gin, Veränderung, Abenteuer
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3 Antworten

Kommentare

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    Ausarbeiten und Spaziergänge können einen Tiefpunkt erhöhen. Viele
    Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, von einem
    positiven Stimmungsauftrieb und Stressabbau profitieren.
    quick essay writing service fur Studenten
    gute Möglichkeit, sich zu entspannen.

    11.06.2018, 15:31 von JamesKnowlton
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  • 0

    schön.

    05.10.2016, 15:01 von dandagoethe
    • 0

      danke <3

      08.10.2016, 19:04 von heartofreeny
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