laala 14.07.2011, 15:21 Uhr 2 3

Sinne

Ich dachte ich habe außerordentliche Fähigkeiten.

Vielleicht war ich an einigen Tagen einfach gut drauf
oder habe zu viel Fern gesehen.
Manchmal können Bücher diese Aufgaben übernehmen.
Sie verarschen unsere Vorstellungskraft.
Manchmal schummeln sie ganz gewöhnlichen Menschen,
ganz unsagbar unverschämte Dinge vor.

Auch hatte ich eine Zeitlang das Gefühl ich könnte
überdurchschnittlich gut riechen.
Ich könnte alles erriechen.
Essen, Parfum, Sex. Dreck. Jahreszeiten. Schlechte Charakter.
Ich bildete mir ein, ich könnte jede Lilie als eine Rose verkaufen und aus einem Bouquet ein ganzes Symposium der Sinne zaubern.
Ich hätte weniger Süskind lesen sollen und vielleicht ein wenig besser meine Nase putzen.

Auch dachte ich dass meine Augen Wunder bewirken können.
So sah ich inmitten menschlicher Schutthaufen, kleine Lichtblicke,
charakterliche Totalausfälle, schön drapiert in tollen Marken.
Das macht es irgendwie hübscher.
Und was hübsch ist, kann doch nicht schlecht sein, denn schlecht hat bekanntlich einen ganz hässlichen Nachgeschmack.
Ich sah wundervolle Lippen, die prächtig auf meine zu passen schien und wenn man sich einigte, war es ein ganzer Haufen voller Dinge, die das Leben einem schenken konnte.
Ich habe dir bestimmt mehr Bonus zugeschrieben, als du zur Hälfte verdient hättest, aber da glaubte ich noch an meine Augen und an
einen ganz anderen Sinn.

Ich dachte ich könnte auch sehr gut tasten.
Das Einzige was mich jedoch berührt hat, als ich es anfasste, war nichts
von Maschinen erschaffene.
Es war etwas was man mir nicht in die Finger legen konnte.
Tasten.
Ertaste mal deine Seele.
Es ist unfassbar was sie dir dann so erzählt.
Wir kümmern uns um sie ja auch erst wenn sie quietscht
und dann kommt da auch wieder das Problem mit dem Hören.

Ich habe wirklich viel gehört.
Irgendwie so viel, dass mir der Kanal verstopfte.
Eines Tages haben all die Dinge ihr Esperanto verloren.
Wie kann man auf Dauer all die Lügen zur Wahrheit umwandeln?
Das ist genau so wie der mit dem predigendem Wasser und saufendem Wein.
Alles hat seine Grenzen und wenn ich mal jetzt ehrlich bin, es sind ja nur Worte.
Es geht ja viel tiefer und wenn du sie dann auch noch falsch gewählt hast,
sind sie so ganz klitzekleine perfide „Da-bleiber.“
Sie fressen sich fest und dann sage mir einer,
dass das mit dem Hören irgendwie gut ist.

Ich kann noch etwas.
Ich kann ganz gut fühlen.
Manchmal kommt mir das Sehen in den Weg
und ab und zu taste ich an den falschen Ecken.
Das Riechen ist in diesem Fall aber nicht so entscheidend.
Ich fühle.
Ich fühle mich nicht immer gut.
Nicht immer so, dass es zu einem Anderen gerade passt, aber ich fühle.
Ich habe mich selten „ver-fühlt“
Denn wenn dir alles irgendwie einstürzt oder du auf sentimentale Art und Weise , vielleicht im Lebenswahn wieder denkst : "Wozu das Ganze?" , dann sagt das Gefühl eins und daran halte ich fest:

“It´s better to burn out than to fade away. “

Wir haben es doch immer überlebt.
Wir werden es wieder.
Mit allen Sinnen.

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Kommentare

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    Ich weiß nicht warum, aber ich find das echt ziemlich gut! Sehr schön geschrieben! Und "It's better to burn out than to fade away" ist n Zeile aus Kurt Cobains Abschiedsbrief, glaub ich...
    Schreibst du mehr?;)

    22.11.2011, 12:40 von kinghabibi
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