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Selbstfindung UNGLEICH einen Selbst finden

"Down by the waves We're holding on to all that we have We hold it all But the rise of the tide has its own weight" Rivals - Kensington

Gefühlt alle meine Freunde sind nach der Schule ins Ausland gegangen. 13 Jahre in der Schule gebuckelt, Zeit für was neues, frischen, raus aus dem Trist der Jugend, rein ins große Abendteuer des Erwachsen Werdens. Australien, Neuseeland, Kanada, die FSJ’s meiner Generation. Nur ich bin geblieben. Also geblieben kann man das auch nicht nennen, ich bin ausgezogen, in eine andere Stadt um ein Fach zu studieren, was ich mir auf gut GLÜCK ausgesucht habe. Auch ich bin erwachsener geworden, musste Verantwortung übernehmen. 


 Doch jetzt sitze ich hier an meinem Rechner mit einem gebuchten Flug nach Portugal. Wie lächerlich eine Woche Portugal klingt gegen das große und weite Australien. Doch ich sitze hier und mich beschleichen Zweifel. Alleine reisen? In einem Hostel? Meine Mutter schob schon Panik bevor ich überhaupt gebucht hatte, ich solle mich bloß vom Flughafen abholen lassen und pass auf deine Tasche auf, sei rechtzeitig am Flughafen, bitte keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Ich wimmelte sie immer mit einem zynischen Kommentar ab, wenn Kidnapper rausfinden, was ich für eine Mutter hätte, würden sie mich freiwillig rausrücken, HAHA. Und wir sind in Europa, nicht in Afrika. 

Innerlich war mir doch ein bisschen mulmig zu Mute, Englisch nicht gerade mein Stärke, früher immer schüchtern. Eigentlich war dieser Trip auch eine Schnapsidee, frisch vom Freund getrennt, neue Freundin mit deren Freund ich geschlafen hatte (KOMISCHTE KENNENLERNSITUATION EVER) erst einmal weit weit weg von allem, das Examen steht auch vor der Tür, kurz flüchten bevor es ernst wird. 

Tag der Abreise, meine Mutter nervlich am Ende, mein Papa cool wie immer, ich irgendwie dazwischen. Am Terminal sind mir dann doch kurz die Tränen in die Augen gestiegen, ganz kurz. Als wir auf der Startbahn standen war mir dann noch etwas mulmig zu Mute, Fliegen ist ja nicht so mein Ding, könnte mir schönere Tode vorstellen als vom Himmel zu fallen. Als die Anschnallzeichen erloschen war jedoch auch die Vorfreude da, meine Probleme schienen 12.000 METER unter mir zu verschwinden, die Welt so klein. Ich musste an Reinard May denken, über den Wolken kann die Freiheit anscheinend wirklich grenzenlos sein. 

In Lissabon angekommen war das Gefühl auch schon wieder weg, 1 Stunde 20 Minuten auf den Koffer warten, durstig sein, die portugiesische Gelassenheit nervte meinen deutschen Geist, obwohl ich mich immer als entspannt gesehen hab. Natürlich Mama angelogen und doch die öffentlichen Verkehrsmittel zum Hostel genommen, zwar 2 Stunden gebraucht, aber auch 55 Euro gespart. Geiz ist vielleicht dann doch manchmal auch geil. Nebenbei festgestellt, dass die Portugiesen noch schlechteres Englisch sprechen als ich, ein bisschen GEFREUT, aber auch gefragt wie ich mich jetzt überhaupt verständigen soll. 

Im Hostel die Überraschung, fast alle durchgehend deutschsprachig, kurze Erleichertung gepaart mit Enttäuschung, ich dachte es wird eine HERAUSFORDERUNG? Zumindest waren die Leute nett, klar meine Gabe direkt zu wissen, ob ich Menschen leiden kann hat mich auch wieder nicht im Stich gelassen im negativen Sinne, aber es waren alle aushaltbar für eine Woche. Nur das Gespräche über Gott hat in mir wieder die Augen verdrehen lassen. Glücklicherweise sah das meine Zimmergenossin genauso und wir lästerten später. 

Der dazu gebuchte Surfkurs war am ersten Tag grausam, gar kein Gefühl für das Brett und den Wellen, hatte mehr Angst als Spaß, der Coach wollte es nicht sagen, ich habs aber wohl selbst gemerkt. Hatte auch nach einer Stunde KEINEN BOCK mehr, ich wusste nicht was mehr brannte, meine Lunge vom Salzwasser oder meine Arme vom Paddeln. Der zweite Tag lief besser, ich stand sicher auf dem Brett, alles gut, das mit dem Paddeln muss noch geübt werden, aber es lief.

Ich hatte mich gut in die Gruppe integriert, aber als meine Zimmermädels auszogen, war ich doch etwas einsam, zwar immer unter Leuten, aber die letzten 3 Tagen waren doch irgendwie anders. Irgendwie fand ich das auch lustig, Freundschaften mit Mädels waren noch nie meine Stärke, mit den Jungs kam ich eigentlich besser klar. Wieder was GELERNT, es geht auch anders. 

 Auch der Abschied war irgendwie anders, das Pärchen, dass mit mir abreiste war irgendwie beliebter geworden, obwohl sie ein PÄRCHEN (und so wie Pärchen halt sind) waren. Bei mir verabschiedete sich irgendwie nur die Hälfte. Irgendwie wusste ich auch am letzten Tag nichts richtig mit mir anzufangen, habe eigentlich nur bis mittags auf den Bus gewartet. Der Abschied in Lissabon war dann seltsam, wir umarmten uns alle, aber das Pärchen tauschte Nummern mit den Leuten die mitgekommen waren um sich Lissabon anzusehen. Mich fragte niemand. Nicht, dass ich das schlimm gefunden hätte, ich kam mir nur vor wie Falschgeld. 

Am Flughafen kam ich mir dann das erste mal LOST vor, so unübersichtlich der Flughafen, zwei Terminals, nicht miteinander verbunden, keine Schilder welcher Schalter zur welcher Fluglinie gehört. Trotzdem geschafft, mit Nachfragen und sicherheitshalber vier mal den Abflugplan gecheckt. Die Nervosität des Fluges machte sich wieder breit. Dann noch kurz die Handtasche am Terminal gelassen, beim Essen holen, erst am Essensschalter gemerkt, noch nie so schnell mit Koffer gerannt, BITTE KEINE BOMBENDROHUNG wegen herrenloser Tasche.  Dann SIEBEN EURO für ein BRÖTCHEN?Wenigsten rief mich einer meiner Jungs an, wann ich komme, wie es war, ich soll mich melden wenn ich ankomme. Es gibt also noch Menschen, die mit meiner manchmal kühlen Art etwas anfangen können. 

Beim Online-Check-In stand das Gate noch nicht fest, die Frau beim Einchecken hatte irgendwas gesagt, hab es jedoch nicht richtig verstanden und stand jetzt doch etwa dumm dar. PANIK. Wenigsten war der Mann an der Sicherheitskontrolle nett und lächelte leicht amüsiert über meinen Gameboy Color in meiner Tasche. Das Gate stand noch nicht fest, weil der Flieger noch nicht da war, zum Glück stand das auf der Anzeigetafel. Schnell noch durch die Duty-Free-Zone, alles SO teuer, ich dachte immer es wäre billiger? Naja, Toblerone gekauft, McDonalds verkauft Kürbissuppe in Portugal?, bei Victoria’s Secret wie immer nur Bodysprays am Flughafen.

Der Flug war wieder überraschend freudig, die Aussicht war grandios, der Online-Check-In plus Sitzplatzbuchung am Fenster hatte sich gelohnt. Die Mädels neben mir, fragten mich nach meinen Zeitschriften (SURFERMAGAZIN und NEON, cooler geht es in der heutigen Generation wohl nicht) und quetschten mich ein bisschen aus. Hatte trotzdem den Eindruck, dass sie mich nicht ganz für voll nahmen. Naja, immerhin aus dem Ruhrpott, schon mal gleich an die Heimat gewöhnen. Am Flughafen gleich allen geschrieben, schon allein dieser Flughafen verlieh mir ein Gefühl von HEIMAT, Düsseldorf, von hier sind wir immer gestartet oder haben Papa von Geschäftsreisen abgeholt. Sogar nur mal hingefahren um einen BMX Contest in der Abflughalle zu sehen. Das Kofferband rollte schon, als ich an die Gepäckausgabe trat, die deutsche Pünktlichkeit und Emsigkeit, ich war begeistert. Mama und Papa natürlich in der ersten Reihe, erst mal was zu essen, trinken, das Kind ist wieder da! 

Innerlich wusste ich nicht genau wie ich mich zu fühlen hatte, der Trip war schön, ich bin gut klargekommen mit mir selbst und den anderen. Trotzdem war ich froh wieder ZUHAUSE zu sein, gar nicht so richtig traurig, dass ich aus Portugal wegmusste, obwohl ich das gegenüber den anderen im Hostel immer behauptet habe. 

Drei Tage später lag ich mit dem Kopf auf dem Tisch, leicht verzweifelt, keine Motivation für nichts, ich musste sie wohl im Flieger gelassen haben, ich wollte wieder WEG, am liebsten noch weiter als Portugal, oder Schweden, da wollte ich schon immer mal wieder hin. 

 Zwei Wochen danach fühle ich mich wie zwei Wochen vor dem Trip, ich stecke im Alltag fest, meine Probleme sind die gleichen. Vielleicht habe ich zu viel von meinem Selbstfindungstrip erwartet, dass SELBST kommt nicht einfach so, man muss es ja FINDEN. Doch wenn man nicht sucht, sondern nur so tut als ob, dann findet man es auch nicht.


Tags: Selbstfindung, Reisen, alleine, Kensington
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