execratedworld 19.04.2012, 19:09 Uhr 0 0

Sehnsucht.

Begierig atme ich diesen wundervollen Duft ein, der mir entgegenschlägt. Los, entführ mich! Zeig mir diese andere, bessere Welt!

Sanft streiche ich mit den Fingern über seinen Rücken. Nehm es zwischen meine neugierigen Hände. Genieße den Moment. Dann schlag ich es auf. Begierig atme ich diesen wundervollen Duft ein, der mir entgegenschlägt.

Los, entführ mich! Zeig mir diese andere, bessere Welt!

Mit fünf Jahren, noch vor der Schule konnte ich lesen. Mit sieben hatte ich sämtliche Kinderbücher mit Begierde verschlungen. Mit elf hatte ich meine "Harry Potter- Phase". Ich las die Bücher nicht ein oder zwei mal. Nein. Es waren ganze sieben mal. Jedes Buch der Reihe, das schon erschienen war. Gab es diese Welt, in der sovieles möglich, so viel fantastisches war? Es musste sie einfach geben. 

Freunde hatte ich damals nicht besonders viele. War ich doch das seltsame Mädchen, das ständig nur las. In den Pausen, während der Schulstunden. Immer ein Buch in der Tasche
Aber es hatte mich auch nie interessiert, was die dachten.

Während die wenigen Freundinnen die ich hatte mit ihren Puppen gespielt und "Barbie Beach Partys" veranstalteten - der Vater einer Freundin hatte dazu extra Sand in den Garten gekippt- wurde mir das nach einiger Zeit schon zu langweilig, setzte mich an den Gartenteich und las. Was sollte ich mit dummen Puppen spielen, die immer gleich aussehen, das Gesicht nicht bewegen können und aus Plastik sind?!

Ist nicht die Fantasie tausendmal lebendiger? Konnte ich nicht die Figuren meiner Bücher durch meine Fantasie zum Atmen bringen. Mir vorstellen ich würde mit Huckleberry Finn die Welt erkunden? Mit Harry Potter gegen das Böse kämpfen? Dem Drachenreiter aus Cornelia Funkes gleichnamigen Roman zur Seite stehen bei seinen Abenteuern? Das wollte ich, schon immer.

Mit 12 fing ich an mich für alte, englische Literatur zu interessieren. Charlotte Brontee mit ihrem "Jane Eyre" - welch spannendes, wunderbares Leben! Ich las Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" ganze 3 mal - hintereinander. Einmal um den Text zu verstehen, einmal um denn Sinn zu verstehen und zum dritten mal um endlich zu begreifen. Was mir vor etwa zwei Monaten auch Anerkennung meiner Deutschlehrerin einbrachte, die es- nunja fast einmal gelesen hatte.
Vor allem aber liebte ich die Romane von Jane Austen. 
Wunderbar konnte ich mich über diese Frauen aufregen, deren einziges Ziel es war zu heiraten. Die Liebe ihres Lebens zu finden, Kinder zu bekommen.

Ich aber wollte mich verlieren in Abenteuern.

Ich reiste mit Lyra Belaqua in den Norden um den "Gobblern" das Handwerk zu legen. Flog mir Eragon auf seiner Saphira durch Alagaesia und versteckte mich mit Lucy im Schrank nur um in Narnia heraus zu kommen.

Heute. 

Heute hab ich viele Freunde. Die Schule, die Zukunft, die Liebe. So vieles mehr beschäftigt mich nun. 
Finde kaum Zeit mich in meinen lieblings Geschichten zu verlieren.

Und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich in Gedanken den in meiner Fantasie erlebten Abenteuern nachhänge. Wie ich abschalte und abschweife. Und doch fällt es mir so viel schwerer mich darauf einzulassen. Und ich sehne mich danach mich in eine mir unbekannte und doch so vertraute Welt zu flüchten.

Doch es fällt mir schwer. So schwer. Ist es, weil ich erwachsen werde? Mehr Sorgen habe?
Oder bin ich nur einfach anders?

Ich schlage die Seiten des Buches auf. "Tintenherz" ist es dieses Mal. Sooft gelesen. Und so sehr geliebt. Denn auf den Seiten dieses Buches erkenne ich mich wieder. Die Sehnsucht nach einer anderen Geschichte. Eine Geschichte die mich einfängt und nicht wieder los lässt.

Begierig atme ich diesen wundervollen Duft ein, der mir entgegenschlägt. Los, entführ mich! Zeig mir diese andere, bessere Welt!

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