LifeInANick 09.01.2016, 13:29 Uhr 0 4

Rabengelb

So stolperst du, besoffen, in ein neues, neongelbes Jahr.

Die Sonne geht auf, nur um sich kurz darauf wieder gemütlich, hinter ein paar grau-schwarzen Schleierwolken, zu verpissen. Legt ihre unrasierten Beine hoch und denkt sich: fickt euch, fick dich, und guck nicht so blöd.
Ein toller Morgen.

Dir ist übel. Valentina. Übel und der Kotze so nahe wie ein Fisch dem Plankton. Verdammte Scheiße 2016, alles bebt und wankt, begonnen von deinem Magen hinauf zu deinem Kopf in dem sich das nichtsnutzige Hirn befindet. Das letzte Jahr war es wenig clever, denkst du dir, und ist sich treu geblieben. Bis jetzt.

Valentina kann ihre Mitbewohner nicht ausstehen, findet ihre Wohnung zu dunkel, die Küche zu kalt, sich selbst viel zu alt und leider zu doof für alles was etwas damit zu tun hätte, etwas brillantes, etwas, dass die Menschen, die Menschheit bewegt, zustande zu bringen. Valentina liebt Sonntage. Nichtstun. Fühlt sich selbst denkbar beziehungsunfähig. Selten hatte sie erfüllenden Sex, sehr selten, und dann auch nur zu Extremsituationen. Das ist Valentina so peinlich, sie kann es gar nicht richtig in Worte fassen. Und nein, damit meint Valentina keine Vergewaltigungen, Sex mit Toten oder Tieren oder Kindern oder derartige Abartigkeiten. War alles legal und freiwillig. Das wiederum macht die ganze Geschichte schon beinahe wieder etwas langweilig, findet Valentina und wartet auf den nächsten Sonntag. Alleine schlafen, auf die Mitbewohner scheißen, und weiterleben als sei nichts gewesen obwohl nichts gewesen ist.
Beschissenes Jahr weg. Beschissenes Jahr da.

Du erzählst ein wenig von allem anderen, Valentina, dass kannst du ganz gut. Und auch davon, dass du immer auf einmal dicht bist, es aber gar nicht vorhattest. Du musst zugeben, das klingt nicht nur abgedroschen, sondern auch naiv und dumm. Kein Wunder also, dass "alle" "etwas anderes" und "von dir" und "erwartet haben". Dein Leben auf statista.de in Nutzerzahlen. Denn du schießt achsokreative Bilchen auf Instagram von dir und deiner Welt, die dich aber so ankotzt.

Dir fällt nicht mal auf, dass du bemerkenswert gut aussiehst. Du vergleichst dich lieber non stop mit anderen, von denen du überzeugt bist, die sehen anders besser aus und denkst dabei, Mist, geht mir etwas durch die Lappen mit meinem aktuellen Stecher, denn dann ist es moralisch unweise einen zweiten zu knallen oder mit dem rum zu machen. Denn du hast keine Lust auf Ärger. Deine moralische Kompetenz in Liebesdingen beschränkt sich auf deine Faulheit der Auseinandersetzung. Einfältigkeit, dass musst du doch selbst zugeben, die gleichzeitig hochgradig brillant ist.


So stolperst du, besoffen, in ein neues, neongelbes Jahr. Willst umdekorieren. Das ist der Plan. Irgendwas mit Studium auch. Und da ist ja noch der Partner und die Jahreszahl der Geburt im Nacken. Und endlich mal wieder was wagen, sich was trauen, nichts verpassen. Und Sport machen, damit die Brüste und der Arsch so straff bleiben wie sie sind.

Und zack: ein Selfie auf Instagram gepostet, 263 Likes.
Valentina, was wäre doch mein Repertoire leer ohne den Status quo deines Lebens.
Kotzen musstest du nicht. Aber der Tag, sagst du selbst, war futsch.
Prost Neujahr, Valentina.

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