Oh Yeah.
Don´t you wonder where I hide?
Oh Yeah, Oh Yeah.
Silvester 2006.
Ihr und Ich.
Ich und Ihr, meine Freunde.
Wir hören „Oh Yeah“ von den Subways, tanzen, feiern, schreien es in die Welt hinaus.
Es ist unser Song,
doch heute Abend wird er zu meinen ganz eigenen.
Ich sehe euch und ich sehe mich.
Sehe die rießige klaffende Entfernung, die sich mit jedem weiteren Schritt, der von uns auf der Tanzfläche zurückgelegt wird, vergrößert.
Die Entfernung, die sich in den letzten Monaten zwischen uns aufgetan hat.
Während wir unter Begleitung von Lichtflackern tanzen, sehe ich in vielen kleinen Lichtblitzen
all die Verletzungen der letzten Monate und Jahre vor meinen Augen aufblitzen.
Eure zunehmende Oberflächlichkeit, die tägliche, gegenseitige Musterung unserer Klamotten,
die aufgeregten und angespannten Blicke, überall, wo sich was Neues auftun könnte.
Bloß nichts verpassen, immer der Erste sein, bloß nicht „uncool“ sein.
Oh, wie ich diese ständige Unterteilung in cool und uncool hasse, wie ich sie in den letzten Wochen und Monaten zu hassen lernte.
Wisst ihr überhaupt, wie es mir geht?
Wisst ihr überhaupt, wie es euch geht?
Ich frage mich, wann ihr euch das letzte Mal im Spiegel angeschaut habt, nicht um euer Outfit und Make-Up zu prüfen, sondern um euch anzugucken, tiefer, als ein oberflächlicher Blick.
Wann haben wir uns das letzte Mal in die Augen gesehen?
Wann haben wir das letzte Mal gefragt, „Wie geht es Dir?“ ohne eine coole, lustige Antwort zu erwarten?
Wenn wir es überhaupt schon mal getan haben sollten, ist es lange her.
Unter all dem Lärm formen sich unsere Lippen zu Lauten, wir stellen den Versuch an, etwas in die Nacht zu schreien:
Don´t you wonder, where I hide?
I will live, then I will die.
I will keep you on my mind.
Wir alle gröhlen es mit.
Doch verstehen wir es?
Verstehen wir, was wir uns da entgegenbrüllen?
Haben wir jemals über uns und unsere Freundschaft nachgedacht?
Könnt ihr in meinem Gesicht lesen, was das, was wir da gerade schreien, für mich bedeutet?
Habt ihr bemerkt, dass wir uns entfernt haben und das, was eine Freundschaft ausmacht, komplett verloren haben?
Habt ihr nicht bemerkt, dass ich irgendwo auf unserem Weg verloren gegangen bin?
Ich habe es bemerkt.
Ich habe es die ganze Zeit gespürt, ich spürte mit jedem Tag mehr die vielen kleinen, abschätzigen Blicke, die wir untereinander austauschten.
Niemand gönnt dem anderen etwas, pass bloß auf, dass niemand besser, toller, stärker ist als du selbst.
Aus den Lautsprechern brüllt mir die Stimme Billy Lunns entgegen:
Wasting time, hanging out, oh yeah, oh yeah.
These teenage years, well, they don´t last, oh yeah, oh yeah.
These teeanage lips, they speak too fast, oh yeah, oh yeah.
Mir scheint es, als hätte ich mit euch einen Teil meiner Jugend verloren, verplempert.
All die Monate, in denen ich unter der Oberflächlichkeit gelitten habe, scheinen mir verschenkt und verpasst.
Doch sie waren es nicht.
Ich habe nützliche Erfahrungen gemacht.
Weiß, dass ihr keine wahren Freunde seid,
bloß aufgeregte Teenage-lips und eyes, die nach dem neusten Klatsch gieren.
I´m on my way now.
I´ll get there somehow.
Ich lächle und begreife.
Ihr versteht nichts.
Ihr bekommt nichts davon mit, dass sich dieses Lied gerade unweigerlich in unsere Geschichte einbrennt.
Dass es das einzige ist, dass uns noch verbindet.
Ich werde ausbrechen.
Werde euch verlassen.
Mit dem Herzen habe ich das eh schon längst.
Ich werde oft an unsere Zeit zurückdenken, aber ich werde leben.
Endlich. Das Leben spüren.
Ihr werdet euch in den folgenden Monaten nur noch unter kritischer Musterung meiner Person wundern, warum ich so entfernt von euch bin,
warum ich nun öfter ein glücklicheres Lächeln auf den Lippen trage, während ihr nur abschätzig guckt.
Ich sehe euch noch immer jeden Tag.
Wir sagen uns „Hallo“, ihr beginnt mit eurer zur Routine gewordenen Musterung.
Fragt, was am Wochenende los war, und wo die nächste Party steigt.
Brüstet euch damit, wer mit wem rumgemacht hat und die coolste, neuste Sprache habt ihr natürlich auch drauf.
Ich schaue euch in die Augen.
Und frage mich, wo all das geblieben ist, was uns damals, irgendwann vor langer Zeit mal verbunden hat.
Ich finde euch nicht wieder, in euren erkalteten, gierigen Augen.
Have you ever seen the light?
Don´t you wonder where I hide?
Ich freue mich mit jedem Tag mehr,
den Absprung von euch geschafft zu haben.
Oh Yeah, Oh Yeah.






Kommentare
Oh mein Gott, du beschreibst echt göttlich, was ich grade erlebe.
22.08.2008, 19:17 von Drei-Punkte-FreddeEs ist so, als ob die Worte während meiner Situationen entstehen.
Wunderbar. Und traurig zugleich, viel zu traurig.
verdammt sau ober derbe abgefahren wahr und gut!
19.03.2008, 21:56 von KingKonschdi"I'm completely alone at a table of friends
28.10.2007, 15:58 von ianandersonI feel nothing for them"
sehr gut geschrieben.
*
genau das, was alle schon gesagt haben: toller text, genau meine erfahrungen. doppeldaumen hoch :D
30.09.2007, 20:40 von oldtimercabriolg
yamahnn.
18.09.2007, 23:30 von Rhound dein gedanke der zu mir rüberschwappt:
ich will wahre freundschaft.
ganz subjektiv, schon klar.
und "nur so ein gefühl".
weil ich es auch habe?
kA
Wie wahr. Schön geschrieben!!!
29.07.2007, 23:44 von Lisa_Marlenaohja, ein wirklich toller text.
24.06.2007, 14:15 von dieantoniaund ein nur zu bekanntes gefühl...