Ichbin.Anna. 27.06.2010, 20:25 Uhr 4 0

Nur ein Punkt, an dem wir uns alle berühren..

Wir standen hintereinander. In den Pausen zusammen. Und in Mathe- und Französischklausuren füreinander ein..

13 Jahre lang quälten wir uns jeden morgen aus dem Bett. Fanden uns mit müden Augen am Bahnsteig wieder und schrieben die Hausaufgaben der Vortage ab. Wir logen die Lehrer an, ohne schlechtes Gewissen. Waren pubertär, eigensinnig, vorlaut und manchmal verrannten wir uns in uns selbst, in schlechten Noten und unbedeutenden Kleinigkeiten.

Zusammen versuchten wir dem auferlegten Druck stand zu halten. Standen hintereinander. In den Pausen zusammen. Und in Mathe- und Französischklausuren füreinander ein.
Wir blickten ehrfürchtig auf die Großen, die aus der Oberstufe. Die haben den Plan.. Die wissen schon wie es im Leben läuft! Wie falsch zumindest das letzte sein sollte, merkten wir noch früh genug.

Denn als der Druck dann weiter stieg , wir auf einmal „die Großen“ waren und wir nicht so recht wussten, wie wir jetzt damit umgehen sollten.

Tanzten wir. Bis in die Morgenstunden. Wir fühlten uns frei, zusammen unbesiegbar und waren zu Hause, als die Sonne schon aufgegangen war. Wir lagen uns tage- und nächtelang in Ohren und Armen und blieben mit den Gedanken in unseren Erinnerungen hängen. Wir betranken uns, fast alle Gemeinsam mit dem billigsten Rotwein und nahmen uns fest vor, jeder für sich und doch irgendwie alle zusammen, die Welt und alles was dazu gehört zu ändern.

Und wir wünschten uns so sehr, dass dieser Moment nie endet.

Uns wurden Herzen gebrochen, und wir haben trotzdem die Zähne zusammen gebissen und versuchten, unseren Schmerz zu verstecken. Wir ertrugen viel und gaben einander umso mehr. Und so glich unser Leben in der Schule und in uns drinnen, doch manchmal eher eine verkackte, Vorabend-Soap oder einer einem klischeehaften, amerikanischen Teenie Film. Nur ohne High-School. Dafür mit umso mehr Leben.

Und jetzt stehen wir hier, mit einem Gefühl in der Herzgegend, das uns manchmal aus dem Takt bringt und uns den Atem nimmt. Weil wir uns nun ein letztes Mal als Schüler sehen. Und da ist nur dieser eine große Punkt, in dem wir uns nun alle berühren. Und das ist die Frage, wohin all unsere Wege führen. Und wie es weitergeht. Fast jeder hat eine leise Ahnung. Und irgendwie auch nicht. Immerhin wartet da draußen eine ganze Welt auf uns.

Es wird viel zu reden geben, wenn man sich das nächste Mal wiedersieht. Denn irgendwann führt jeder Mal sein eigenes Leben. Man muss Entscheidungen treffen, wählen und diesen Weg dann gehen. Ohne den Anderen täglich davon zu berichten. Wir werden stolpern und hart auf dem Boden der Tatsachen aufgekommen, denn niemand hat uns gefragt, ob wir überhaupt schon dafür bereit sind, unseren Weg allein weiter zu gehen.

Damit jemand da ist, der uns wieder auf die Beine hilft, wollen wir daran glauben, dass wir uns nicht aus den Augen verlieren werden, und wir überkreuzen die Finger, wenn wir einander versprechen, dass sich nichts ändern wird zwischen uns.

Denn zu viel hat man zusammen erlebt -
Fanden wir uns nicht alle erst letztes Jahr hier zusammen zur Einschulung? War nicht letzte Woche die erste richtige Klassenfahrt? Die Skifreizeit? Und wisst ihr noch –gestern - die Studienfahrt. London. Kroatien. Rom. Und was war noch gleich dieses Abitur? Als hätte alles in einem anderen Leben stattgefunden.

Die Dinge sind manchmal so schnell, dass man sich nach ihnen nur noch umdrehen kann. Und so scheint es uns allen gerade zu gehen. Uns Kindern, weil dir doch so allmählich erwachsen werden und schon so weit gekommen sind und nun der erste große Schritt in das eigene Leben folgt. Und den Eltern, weil sie sehen wie ihr Kind jeden Tag etwas weiter wegrückt und alleine zu gehen versucht. Und sie einsehen müssen, dass es das schafft. Auch ohne ihre Hilfe.

Es ist schwer, das alles zu akzeptieren. Und vermutlich brauchen wir noch eine ganze Weile, bis wir auch in uns drinnen mit all dem abschließen können. Bis dahin will ich danke sagen, an unsere Eltern, die uns ermöglicht haben auf ein Gymnasium zu gehen. Die nie müde wurden, uns mit den Hausaufgaben zu nerven oder dem unordentlichen Zimmer. Danke Mama..

Ein danke auch an den Teil der Lehrerschaft, an diejenigen, die nicht vergessen haben, dass sie auch mal jung waren. Die zum Lachen nicht in den Keller gehen und auch Schüler nicht dort sehen wollen.
An die, die uns unseren jugendlichen Leichtsinn und Übermut eingestanden haben. Und uns nicht immer mit ihrer Autorität Grenzen setzen wollten und sich darüber erzürnten, wenn wir diese Mauern einrissen.

Danke dann also an diese Lehrer, die meist nachsichtig waren, wenn wir mal wieder eine unserer Phasen durchlebt haben. Wenn wir in der schweren Krise der Pubertät stecken blieben. Oder vor lauter Abitur nicht mehr so richtig wussten, warum man sich das alles überhaupt antut..
Ein aufmunterndes, beruhigendes Wort hier, eine Hausaufgabe weniger dort oder ein gemeinsamer Kaffee vollbrachten kleine Wunder.

Bis wir jedoch so wirklich ernst genommen und wir nicht mehr als nervenfressende Bestien gesehen wurden, mussten jedoch noch einige Schlachten geführt werden. Streitereien über Noten, schlechtes Benehmen und Regelverstöße mussten ausdiskutiert werden. Man nahm Schimpfwörter in den Mund, die man mit der Hand nie anfassen würde. Man stieß sich seine kindlichen Hörner ab, an zu strengen Herren und Frauen, die nicht das taten, was wir für gerecht und richtig hielten. Grenzen wurden getestet und manchmal überschritten. Und immer war da die Hoffnung der Lehrer, dass in jedem von uns etwas Gutes steckt

Und auch dafür ein Danke! Denn in den letzten zwei Jahren wurden wir dann endlich – auch in den Augen der Lehrer – zu eigenständige Menschen.
Mit ihren Problemen, Freuden und dem eigenen Leben, das auch – und vor allem – außerhalb der Schule stattfand. Da kam dann wohl das Gute zum Vorschein. Auf beiden Seiten gleichermaßen. Denn auch Lehrer sind Menschen. Zumindest die meisten.

Und nun, was ich am wichtigsten finde, ein Danke an euch alle. Die wir uns noch Schüler nennen dürfen. Danke - für die wunderbarste Zeit die wir verbringen durften. Für die tollen und unterschiedlichsten Menschen, die hier zusammen kamen.
Wie unterschiedlich unsere Meinungen auch waren, wie sehr wir den gegenüber auch manchmal hassten und verfluchten, weil er so ganz anders war als wir. Oder uns selbst viel zu ähnlich. Wir haben so viel voneinander gelernt.. Danke.

Ich will euch auch sagen, dass wir uns nicht vergessen werden, denn wir sind Figuren in der Geschichte eines jeden einzelnen. Und diese Bilder in unseren Köpfen werden nicht verblassen.
Solange wir die Erinnerungskiste manchmal aus den dunklen Ecken hervor holen. Sie ansehen. Vom Staub befreien. Und wir werden ganz sicher mit einem Lachen auf den Lippen an diese Zeit zurück denken.

4 Antworten

Kommentare

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    Danke sehr:) War meine Abirede. Für die Entlassung..

    16.09.2010, 21:33 von Ichbin.Anna.
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    Same here

    11.09.2010, 00:46 von GammlerAndy
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    gefällt mir echt gut, dein text. bin zwar noch schülerin & kann das vllt. noch nicht so ganz aus deiner sicht sehen, aber ich befürchte fast, es wird auch bei mir genau das eintreten, was du beschreibst.

    27.06.2010, 21:07 von gossipgirl.
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