Oktobermaedchen 04.07.2008, 11:31 Uhr 1 0

Nur ein paar Sätze

Die Verräter in meinem Kopf.

Ich möchte dir gerne etwas sagen, Schäfchen. Ja, ich nenne dich so, weil du perfekt das Mähen eines Schafes nachahmen kannst. Dafür nennst du mich "Kätzchen" und wenn ich wütend auf dich bin und dich am liebsten nur anschreien möchte oder ein Bildband nach dir werfen will, lachst und nennst mich " Tigerkätzchen".
Wir beide können sehr gut mit Worten umgehen. Es ist schön sich mit dir zu unterhalten, schon allein der Klang deiner Stimmen löst in meinen Kopf neue Wörter ,Satzkonstruktionen, Satzverschmelzungen aus.

Ohne dich wäre ich nie auf sie gekommen.

Wenn du redest, werde ich gleichzeitig kreativer und es scheint als würden die Worte nur so aus meinen Stift auf das linierte Papier fließen.

Meine Wörter scheinen dich zu mögen.

Ich mag dich auch. Sehr sogar. Ob ich dich liebe? Ich glaube nicht. Vielleicht. Ach, keine Ahnung.

Wir reden viel. Über den Weltfrieden, die Zukunft, deine Schriftstellerkarriere, meine neue Wg, deine Parisreise.

Manchmal möchte ich über uns reden.

Ich möchte dich fragen wie du dich fühlst ,wenn ich da bin und ,was vielleicht noch viel wichtiger ist, wie du empfindest, wenn ich nicht anwesend bin. Denn daran ist beim ersten Mal gescheitert. Du hast mich nicht vermisst, wenn ich weg war. Wenn wir zusammen war, war alles wunderschön, nur du hast mich nicht vermisst.
So jedenfalls hast du es mir versucht zu erklären als ich dich anrief kurz bevor du nach London gereist bist. Ich habe dazu nur gesagt, das passiert. Und dann aufgelegt.
Es passiert halt einfach.
Es hatte nicht gefunkt. Bei mir schon.

Ich werde jetzt nicht den gleichen Fehler begehen. Ich werde nicht mein Herz in Wörter kleiden ,um es dir dann schön verpackt zu übergeben.

Ich bin in manchen Situationen harsch, abweisend und zickig zu dir. Gestern habe ich bei dir geschlafen und du warst so locker, gelöst und frei, dass sich mir das Herz zusammen zog, wenn du mich mit diesen schlemischen Blick angesehen und mir dann sanft den Rücken gestreichelt hast. Dann würde ich dich am liebsten auch so ansehen und ich würde Wörter sagen, die alles aussagen für die man keine weitere Erklärung braucht.

Ich bin nicht dumm. Ich mache es nicht.

Als du mir einen Tauschhandel angeboten hast, du würdest mir ein Geheimnis verraten, wenn du mir in der Uni auf den Hintern hauen dürftest, fuhr ich dich entsetzt an. Nur die Wörter im Kopf schrien " Ja, oh bitte, ja."

Gemeine Verräter.

Vielleicht geht es dir genau so. Manchmal brummelst du noch etwas vor dich hin, wenn ich gehe, was so klingt wie "Es war schön" oder " Komm bitte bald wieder". Du bringst diese Sätze so nuschelnd heraus, dass ich dich bitten muss sie noch einmal zu wiederholen. Und dann ist deine Antwort immer :" Ach nichts."
Vielleicht täuschen mich meine Wörter im Kopf , vielleicht verwirren sie mich so stark, dass ich die Zeichen nicht erkennen kann und soll. Sind es wieder jene Signale wie beim letzten Mal?

Ich versteh dich, jedenfalls versuch ich es.

Ich versteh, dass du jetzt nicht heraus kannst, weil zu starke Pollen fliegen und weil deine Haut wieder von der Neurodermitis gereizt und empfindlich gegenüber der Sonne ist. Deswegen können wir uns nicht sehen.

Du brauchst Zeit dich zu regenerieren. Das versteh ich zum Beispiel nicht. Kannst du dich nicht erholen, wenn ich bei dir bin?
Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich dich gestresst habe am Montag? Ich fand den Tag eigentlich ziemlich ruhig. Jedenfalls nicht stressig. Es gibt Wörter und Sätze an denen ich erkenne, dass du mich magst. Sachen wie" Hast du ihn etwa mehr lieb als mich?" " Schatzi, deine Essen ist fertig" "Kuscheln ist doch okay für dich?"
Wenn man diese Situation einen Fremden schildert, dann schüttelt er nur verstädnislos den Kopf. " Das soll ein Zeichen sein? Klingt für mich nicht so."
Und dannn werde ich unsicher.

Wir müssen reden.

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