Flutter 10.02.2010, 18:02 Uhr 0 0

Monolog einer Träumerin

Nichts zu tun. Ich sitze gelangweilt vorm Fernseher und zappe mich durch das Programm, während „Believe in wonders for a while“ in der Werbung ertönt.

Richtig, für eine Weile, aber wann ist es an der Zeit auf zu hören, an Wunder zu glauben?
Irgendwann erscheint einem, die so hochstilisierte Traumblase lächerlich, die man sich doch so mühevoll erbastelt hat. Ich beobachte in Gedanken meine Seifenblasen wie sie höhnisch vor meiner Nase tanzen. „Sieh nur, wie dumm du bist, dabei wäre es dir ein Leichtes uns los zu werden!“
Ich zerschlage sie trotzig.
Hat man sich selbst die ganze Zeit über zum Narren gehalten? War das eigene Verhalten gar töricht und naiv?

Viele Frage schwirren mir durch den Kopf - ich taumel von einer zur anderen, setze an und schiebe sie wieder weg... Seufts.
Muss ich mich gar selbst als unzurechenbar anzweifel, weil ich etwas hinterher jage, was noch fiktiv ist und scheinbar nicht realer werden zu vermag?


Ich habe mich einer neuen Sache hingegeben. Lange gewartet, geträumt und gehofft. Doch nun scheint es, als wäre das nächtliche Bitten wieder nicht erhört worden.
Ich könnte mich manchmal selbst für meine Blauäugigkeit ohrfeigen.

Doch ist es nun so falsch daran zu glauben, dass es eines Tages besser wird? Dass sich die Situation noch ändert oder man doch etwas positv beeinflusst hat? Ist es nicht der Glaube, der uns am Leben hält und unsere Motivation ist, Tag für Tag auf zu stehen?

Allmählich denke ich: Ja. Kopfnickend und selbstbewussst stehe ich auf, als gilt es ein riesen Publikum zu überzeugen. JA! Ich habe ein Recht darauf, der momentanen Unerträglichkeit des Seins zu entfliehen und mir eine schönere Realität aus zu malen - solange ich die grobe Wahrheit noch im Überblick habe.
Gut, dass ich letzteres noch hin zu gefügt habe. Sonst meint man noch, ich wäre vollkommen übergeschnappt. Ich habe nämlich alles unter Kontrolle. Ich überlege kurz und bin mir dann aber doch ganz sicher. Ich verliere nur gelegentlich das Gleichgewicht und weiß nicht mehr, wo rechts und links ist - das gibt sich aber immer schnell. War jedenfalls bislang immer so. Und es hat mir durchaus geholfen. Meine Vorstellungskraft hat den Schmerz oder die Traurigkeit gelindert, dass ich, sofern wenigstens noch ein Funken, nein, ein Fünkchen Hoffnung bestand, mir die schönsten Wunschträume ausgemalt habe. Das rettete mir oft den Tag. Und wenn ich am Abend wieder Zeit habe darüber nach zu denken, dass alles doch ganz anders ist, bemühe ich mich schnell einzuschlafen.

Also sage ich mir, es ist niemals die Zeit auf zu hören, an Wunder zu glauben. Warum sollte meine Welt auch grau sein, wenn ich sie mir in den schönsten Farben ausmalen kann?


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At Last - Etta James

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„Dass wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen, als zu unbekannten fliehn.
So macht Bewusstsein Feige aus uns allen;
Der angebornen Farbe der Entschließung
Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;
Und Wagestücke hohen Flugs und Werts,
Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
Verlieren so der Handlung Namen.“
(Shakespeares „Hamlet-Monolog“)"Wichtige Links zu diesem Text"
Lyric: At Last - Etta James

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