PONY. 16.07.2017, 19:34 Uhr 5 7

Mein Sonntag

Ich bin erwachsen, denke ich. Ich muss das können.

Die Pflanzen in meinem Schlafzimmer gehen ein. Ich liege auf meinem Bett, starre an die Decke und höre mir alte Klavierstücke an. Das beruhigt mich. Ab und zu stehe ich auf, gehe mit langsamen Schritten die Treppe hinunter und setze mich nach draußen auf die Terrasse. Dort zünde ich mir eine Zigarette an. Sie schmeckt nicht, der Rauch kratzt in meinem Hals und ich rauche sie vollständig auf. Ich sage, das ist die letzte heute und weiß, dass ich mich selbst belüge. Das kann ich ziemlich gut.

 

Mein Handy klingelt. Es ist mein Vater. Er fragt mich, ob ich schon wieder rauche. Ich bejahe. Ich solle weniger trinken und rauchen, sagt er. Und etwas besser auf mich aufpassen. Ich würde nicht gut aussehen in letzter Zeit. Irgendwie müde und traurig. Ich sage nichts, weil ich weiß, dass ich müde und traurig bin. Ich möchte sagen, dass ich nichts mehr fühle, aber das müsste ich begründen. Und das kann ich nicht.  

 

Wir reden über Belanglosigkeiten und ich fühle mich alleine. Immer. Seit Jahren. Ich möchte ihm sagen, dass ich nicht lieben kann und will ihn fragen, ob er das könne. Aber ich frage nicht, weil ich weiß, dass er es nicht kann. Deshalb schweige ich und denke an damals, als ich fragte, ob ich bei ihm wohnen dürfe und er sagte, das ginge nicht. Eine Begründung habe ich nicht bekommen. Ich bin nicht nachtragend und jetzt Erwachsen. Für mich selbst verantwortlich. Trotzdem will ich mich zusammenrollen und umarmt werden. Nur heute, nur kurz, bis ich mich besser fühle. 

 

Wir legen auf. Ich habe noch nichts gegessen. Mir ist flau im Magen und die Sonne brennt auf mein Gesicht. Ich bewege mich nicht. Muss an alles denken, das mir gut tut und an alles andere. Ich denke an die Auszeit, die ich mir im Oktober und November von der Arbeit nehmen werde. Und an die Zeit, die noch dazwischen liegt. Ich denke an meine Beziehung und daran, dass ich noch nie geliebt habe. Das macht mich einsam. Ich kann es nicht ändern. Ich denke an die Leere in meiner Brust, die nicht zu füllen ist. Und daran, wie ich einmal war. Ein Kind, erst ohne Sorgen, dann mit Großen. Ich frage mich wer ich heute bin. Wie all das, was ich möchte und was ich tun muss, zu vereinen ist. In einem großen Ganzen ohne dabei auseinander zu brechen. Ich bin erwachsen, denke ich. Ich muss das können.

 

Ich stehe auf, gehe die Treppe nach oben und lege mich wieder auf mein Bett. Dort höre ich mir alte Klavierstücke an und starre an die Decke. Ab und zu stehe ich auf, schleiche die Treppe hinunter und setze mich nach draußen auf die Terrasse. Dort zünde ich mir eine Zigarette an. Sie schmeckt noch schrecklicher als die Letzte. Den Rauch blase ich durch meine Nase, weil mein Hals kratzt. Ich rauche sie vollständig auf. Ich sage mir, das ist die Letzte und lache. Das erste Mal heute. 

 

7

Diesen Text mochten auch

5 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    kurz, knapp und alles gesagt.

    gern gelesen. ;)

    19.07.2017, 12:28 von jetsam
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ach je!

    18.07.2017, 23:01 von mirror87
    • 0

      So schlimm gleich;)

      19.07.2017, 00:05 von PONY.
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Liegt mir, wie die meisten Deiner Texte, sehr!

    18.07.2017, 18:07 von RAZim
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Man liebt oder eben nicht. Ja, rauch mal weniger ;)

    17.07.2017, 15:28 von green_tea
    • 3

      Man raucht oder eben nicht.

      17.07.2017, 17:05 von sailor
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare