Quatscheule 24.05.2012, 22:31 Uhr 3 3

Mach`s jut, alter Kumpel!

Wir sind lange mit dem Auto herumgefahren. Ich habe die Fenster aufgemacht und die Musik laut. Du hast neben mir gesessen und warst ganz entspannt.

  So, alter Kumpel, da ist er, unser Abschied nach 11 ½ gemeinsamen Jahren. Dass er näher rückt, das wussten wir ja. Aber musste es wirklich heute sein? War unser Morgen nicht wunderbar entspannt? Wir haben zusammen gekocht und ich habe dir besonders viel zum Naschen zugesteckt. Danach hast du dich auf die Terrasse gelegt und hast dich ein wenig gesonnt.
Ich weiß ja, du hast recht, den Zeitpunkt hast nicht du gewählt. Aber haben wir es nicht beide gespürt, als wir uns heute früh gleich nach dem Aufstehen über den Weg liefen? Es war unser Geheimnis, denn du warst wie immer. Nur ausgesehen, ausgesehen hast du nicht gut.

Als sie alle aus dem Haus waren, da haben wir zwei uns auf den Weg gemacht. Es war ein Weg, den nur wir zwei zusammen gehen konnten. Ich war es dir schuldig und sag… waren wir beide nicht tapfer? Wir sind lange mit dem Auto herumgefahren. Ich habe die Fenster aufgemacht und die Musik laut. Du hast neben mir gesessen und warst ganz entspannt. Ich glaube, die Sonne hat dir gefallen.

 Wäre es nicht schön gewesen, wir hätten noch einmal die letzten 11 ½ Jahre zusammen Revue passieren lassen können?  In meiner Vorstellung trägst du einen Hut und wir sitzen am Strand.Das ist etwas krank…aber wir hätten uns sicher viel zu erzählen, es war eine unglaublich lange Zeit.

Du warst in meiner ersten Wohnung, in meiner zweiten, dann im Haus. Du hast einen Heiratsantrag vermasselt und Geduld gelernt, als ein Kind kam. Du hast Liebe kommen und gehen sehen und gegen Urlaube protestiert. Du warst da, als ich dachte, ich sei unbesiegbar und die Welt läge mir zu Füssen. Und als die Nächte mit Tränen und Verzweiflung gefüllt waren und es keinen Weg zu geben schien, da hast du neben mir gelegen, so ruhig, als ginge dich das alles gar nichts an.

 Vorhin dachte ich, dich aus dem Küchenfenster schauen zu sehen, dann sah ich dich auf dem Küchenstuhl, dann auf der Terrasse. Ich erwarte, dich  in meinem Bett oder auf dem Sofa oder irgendwo sonst.

 Du wirst mir heute Nacht fehlen, zusammengerollt in meinem Bett und morgen früh, erwartungsvoll um Futter bettelnd. Ich denke noch einmal an unsere erste Begegnung. Du warst der hässlichste in deinem Wurf mit deinen Fledermausohren und deinem Rattenschwanz. Ich glaube, ich habe dich damals aus Mitleid mitgenommen.

Der Tierarzt war der gleichen Meinung wie ich, wir hatten keine Chance mehr. So war es ein Abschied in Würde und ein schöner gemeinsamer Tag!


Es ist 21.25 Uhr, du bist seit vier Stunden tot. Mach`s jut, alter Kumpel!

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3 Antworten

Kommentare

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  • 0

    *seufz* - wundervoll geschrieben.

    11.08.2012, 08:37 von Jackie_Grey
    • 0

       Ich glaube, ich habe dich damals aus Mitleid mitgenommen
      ...

      11.08.2012, 08:39 von Jackie_Grey
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  • 1

    Das ist ein so wahnsinnig schöner und liebevoller Text, ich muss sagen, ich kämpfe mit den Tränen... Ich kann das so nachvollziehen (und sollte der Text authentisch sein, möchte ich hiermit mein aufrichtiges Beileid aussprechen), kein Mensch auf der Welt ist ein besserer und treuerer Gefährte, als der Hund. 

    23.07.2012, 01:23 von Insomnia291986
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