RichtungLichtung 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 1

Lettre a toi

C.

Heute ist genau das passiert, was ich nicht mal meinem schlimmsten Feind wünschen würde.

Deine Mutter ist heute Nacht gestorben.

Sie musste gehen, ohne sich verabschieden zu können, von ihrem 24 jährigen Sohn.
Ein Großteil deines Lebens wird sie nicht verfolgen können, deine Erfolge, deine Missetaten, alles wird an ihr vorbeigehen.
Sie hätte dich bestimmt gerne besucht, mit grauerwerdendem Haar aber doch aufrechtem Gang, ganz stolz, ihren Enkel endlich kennen lernen zu dürfen.

Ein Teil von dir und auch von ihr, ein und dasselbe und doch wieder anders.
Sie ist die Einzige, die dich wirklich kennt, eine Verbündete die dich bis zum letzten Atemzug verteidigen würde.
Weil es Liebe ist.
Die einer Mutter wird für immer bestehen.
Und wenn du gerade aus dem Fenster schaust, kannst du in der Dunkelheit vielleicht ihr Gesicht sehen.

Es ist mir fast schon unangenehm wie sehr mich das Ganze mitnimmt, ich leide mit dir.
Heulend auf dem Sofa sitzend, mit zittrigen Händen, in solchen Momenten verfluche ich mein emphatisches Wesen, was gerade zum Vorschein kommt.
Bis eben war ich noch gewillt, den Abend im Studio zu verbringen, jegliches Gefühl zu unterdrücken und nichts an mich ranzulassen.

Aber nein das bin ich nicht oder nicht mehr, ich möchte für dich da sein und wenn alle anderen gehen.
Leider trau ich mich nicht dir dies direkt zu sagen, vielleicht kommt es ja auf diesem Wege irgendwie bei dir an.
Eine Flaschenpost im digitalen Zeitalter, irgendwo zwischen all den Informationsfluten, ein Text, der so gnadenlos erkennen lässt, dass ich meine Gedanken nicht wirklich auf Papier bringen kann.
Ich möchte mich dafür entschuldigen, du verdienst weitaus mehr.

Nur meine Mama weiß wieso ich gerade unglücklich herumsitze und mir looking too closely in Dauerschleife anhöre.
Wenn sie ahnen würde, dass wir uns über eine der vielen Anwendungen, die man sich auf sein ultramodernes Telefon laden kann, mit Namen Tinder, kennnengelernt haben, hätte ich sie während meines Anrufs umfallen hören können.
Aber nein sie weiß nur, dass du ein Kumpel bist, das macht das Ganze etwas einfacher für den Moment.
Vielleicht werde ich es ihr irgendwann erzählen und wir können zu dritt drüber lachen.

Aber das mit dem Sex muss sie wirklich nicht erfahren.
Es war für uns der optimale Zeitpunkt, bekräftigt durch den Ethanol, der sich rasch über unsere Venen verteilt hat.
Auf volles Risiko gegangen und den größten Gewinn erzielt.
Du hast meine Leidenschaft erweckt, bei dir kann ich mich fallen lassen.
Die Körper zu einer Einheit verschmelzend, der Geist für einen Moment vereint.

- So sollte es sein.
Mehr brauch ich nicht, das ist genau das was ich gesucht habe.
Die Gespräche mit dir inspirieren mich, ich wachse an dir.
Lass mich an deine Wurzeln, ich bring auch nur Wasser mit.


Tags: #abschied #schmerz #trauer
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1 Antworten

Kommentare

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    Dein Text gefällt mir auch sehr gut! Und danke für das Abo :))

    26.08.2015, 15:41 von Gedankenspiele_
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